Dass es nach dem schlechten Bundestagswahlergebnis für die Partei Die Linke nicht einfach so weitergehen könne, waren sich die Parteimitglieder bei ihrer Kreismitgliederversammlung einig. Thomas Dietzel gab anfangs einen kurzen Überblick über die Ergebnisse, auf deren Grundlage sich eine offene und solidarische Diskussion entwickelte. Ein Fehler aus seiner Sicht war, wie Thomas Dietzel feststellte, mit einem auf die „rot-grün-rote“ Regierungsoption ausgerichteten Wahlkampf als Schwerpunkt anzutreten. Das zeige das Zweitstimmenergebnis, das im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 bei einer fast identischen Wahlbeteiligung von 76 Prozent beinahe halbiert wurde. Im Westen sei es mit im Schnitt 3,6 Prozent weit weg von der 2017 sogar in Bayern übersprungenen Fünf-Prozent-Hürde. Diese Entwicklung zeige eine existenzbedrohende Entwicklung für die Linke, sagte Manfred Landig. Die Anbiederung an SPD und Grüne in den letzten Wochen vor der Wahl habe vor allem bewirkt, dass die Menschen lieber das sozialdemokratisch-grüne Original wählten.

„Wir brauchen einen Neustart“

Im Meinungsaustausch wurde weiter darauf hingewiesen, wie landesweit – und auch im Landkreis Haßberge – Mitglieder der Partei in ungezählten Gesprächen an Wahlständen, Haustüren und andernorts um Wählerstimmen gekämpft hätten.

Andererseits habe man den Eindruck bekommen, dass sich führende Genossinnen und Genossen im Wahlkampf darauf konzentrierten, SPD und Grünen ja nicht zu nahe zu treten. Allgemein einig war man sich auch darüber, dass das Wahlergebnis auch aus innerparteilichen Konflikten resultiere. Und dann fiel der Name Sahra Wagenknecht . Eine Kandidatin Sahra Wagenknecht , die bei einem sehr großen Teil der Bevölkerung bekannt und auch beliebt sei, wäre eine überzeugende Wahlalternative gewesen. In einem waren sich alle Teilnehmer einig: „Dieses Land braucht eine antikapitalistische Opposition.“ Thomas Dietzel meinte abschließend: „Der Einbruch wurde weder von der Pandemie noch von taktischen Wählerwanderungen verursacht – er liegt allein an uns. Deshalb brauchen wir einen Neustart.“ red