Landgemeinde Hofstetten im Jahr 1870
Autor: Albin Schorn
Hofstetten, Montag, 06. Dezember 2021
Geschichte Aus dem Visitationsbefund des königlichen Bezirksamtes Ebern ergibt sich ein Bild der damaligen Verhältnisse der Dorfstraße und ihres Umfeldes.
Die derzeitige Vollsperrung der Ortsdurchfahrt des Königsberger Stadtteils Hofstetten wegen Asphaltierarbeiten gibt auch Anlass, auf gut 150 Jahre Dorfgeschichte zurückzuschauen. Es ist auch die Geschichte einer Hauptstraße. Als gesicherte Quelle bietet sich ein Bericht des kgl. Bezirksamtes Ebern vom 11. Juli 1870 an. „Heute begab sich der Amtsvorstand zur Vornahme der Gemeindevisitation hierher nach Hofstetten , dessen Bürgermeister heute nach Augsfeld im Maingrund wegen der Heuernte verreist ist, … der Kirchenpfleger war gleichfalls nicht zu Hause, wohl aber in der Flurmarkung, weshalb man sie durch den Gemeindediener herholen ließ und die Visitation wie folgt vornahm. Die Gemeinde Hofstetten zählt mit dem dazugehörigen Weiler Bühl 171 Seelen, in Folge dessen die Gemeindeverwaltung Gebildet ist aus 1 Bürgermeister , 1 Beigeordneten und 4 Gemeindebevollmächtigten; Kirchenverwaltung und Pflegschaftsrat ist gleichfalls nach Vorschrift bestellt und für alle Mitglieder dieser Ortsbehörden nach Vorschrift verpflichtet. Als Gemeindeschreiber ist aufgestellt Schulverweser Johann Georg Eck dahier.“
„Gräben sind rein gehalten“
In insgesamt 19 Anmerkungen beschreibt und bewertet das königliche Bezirksamt Ebern die Orts- und Lebensverhältnisse der Landgemeinde und ihrer Bewohner aus seiner „amtlichen“ Sichtweise. Unter Anmerkung 15 wird die Hauptstraße des Straßendorfes so dargestellt: „Die Straßengräben des Ortes, welches nur eine einzige Hauptstraße hat, wurden in Folge der letzten Visitation zu beiden Seiten der Straße gepflastert, was dem Dörfchen ein hübsches Ansehen gibt, die Gräben sind rein gehalten.“
Und weiter: „Der Wegweiser außerhalb Hofstetten gegen Bramberg zu, ferner jener im Orte Bühl ist an den Armen schadhaft und daher zu reparieren. … Weil die Straße von hier gegen Bramberg das letzte Deckmaterial im Mai des Jahres bei ganz trockener Witterung eingebettet (wurde), in Folge dessen die Steine lose herum rollen, … sind insgesamt mit Flutsand zu überdecken, wodurch sie eine feste Verbindung bekämen und das Hornvieh mehr geschont würde.“
Weitere Anmerkungen der Gemeindebesichtigung bewerten teils kritisch und auch wohlwollend die Sitzungsprotokolle und Amtspapiere, Kassatagebücher, Bürgeraufnahmegebühren, Schul- und Armenhaus, Friedhof, Dorfkapelle, das Tagebuch der Märker, die Gerätschaften der Gemeinde und die wirtschaftliche Lage der Gemeinde. So wird abschließend festgestellt, „dass die kleine Gemeinde Hofstetten keinerlei Gemeindevermögen besitzt und ferner Schulbedürfnisse durch Umlagen aufbringen muss, was bei der hohen Lage der Flur und der geringen Ertragsfähigkeit der Felder einzelnen oft sehr schwer fällt.“
An die ermittelten Befunde schließen sich „getroffene Verfügungen“ für die Gemeinde an und schließlich musste der Bürgermeister mit Terminvorgabe die „Erledigung“ dem Bezirksamt Ebern melden.