Druckartikel: Integration ist „kein Projekt auf Zeit“

Integration ist „kein Projekt auf Zeit“


Autor: Fränkischer Tag

, Montag, 19. Oktober 2026

50 Jahre Caritas Flüchtlingsberatung war ein Grund zum Feiern – und für ein Plädoyer für Offenheit
Zahlreiche Gäste waren zum 50-jährigen Bestehen der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Caritas in der Gemeinschaftsunterkunft am Moosanger in Haßfurt gekommen. Christian Licha


Seit 50 Jahren unterstützt die Caritas im Landkreis Haßberge geflüchtete Menschen beim Ankommen und bei der Integration. Dieses Jubiläum feierten der Caritasverband und die Regierung von Unterfranken am Freitag mit einem Herbstfest in der Gemeinschaftsunterkunft am Moosanger in Haßfurt. Auf dem Programm standen Besichtigungen der Wohngebäude, eine Ausstellung sowie Infostände.

Unverzichtbare Arbeit

Dass diese Arbeit nichts von ihrer Bedeutung verloren hat, machte Caritas-Vorstandsvorsitzende Anke Schäflein deutlich. Die Flüchtlings- und Integrationsberatung sei „kein Beiwerk, sie ist kein Projekt auf Zeit“, sondern gehöre zum unverzichtbaren Kern des Verbandes. Angesichts des zunehmend rauen Umgangstons gegenüber Geflüchteten warb sie für Offenheit und einen Blick auf deren Fähigkeiten.

Wichtigkeit der Helfenden

Die Bedeutung der Haupt- und Ehrenamtlichen unterstrich Landrat Michael Ziegler ( CSU ). Besonders während des Flüchtlingszuzugs 2014 und 2015 hätten sie große Herausforderungen bewältigt. Als Meilenstein nannte er die Einrichtung des Zuwanderungszentrums in Haßfurt im Jahr 2017.

Auch die künftige Finanzierung der Beratung kam zur Sprache. Landtagsabgeordneter Steffen Vogel ( CSU ) war verhindert, weshalb Schäflein sein Grußwort verlas. Demnach sollen 2027 bei der Caritas bis zu 2,93 Vollzeitstellen durch den Freistaat Bayern gefördert werden.

Die Zuschüsse decken laut Schäflein jedoch nur rund 60 Prozent der Personal- und Sachkosten. Den Rest muss der Verband anderweitig finanzieren.

Krieg, Not und Leid

Domkapitular Clemens Bieber verwies darauf, dass die Caritas seit 2015 zusätzlich zu staatlichen Mitteln rund 11,4 Millionen Euro aus Kirchensteuern für die Flüchtlingshilfe aufgebracht habe. Dekanin Anne Salzbrenner gab zu bedenken, dass 50 Jahre Flüchtlingsarbeit auch 50 Jahre Krieg, Not und Leid bedeuteten.

Freude über Standort

Seit der Übergabe der Gemeinschaftsunterkunft am Moosanger ist mittlerweile ein Jahr vergangen. Regierungsdirektor Benjamin Kraus erklärte, die Regierung von Unterfranken sei froh über diesen Standort. Er ermutigte die Bevölkerung, den Bewohnern ohne Berührungsängste zu begegnen.

Vor dem Bau hatte es allerdings heftige Diskussionen gegeben. Zur öffentlichen Sitzung des Haßfurter Bauausschusses im November 2023 kamen rund 40 Bürgerinnen und Bürger, um ihren Unmut auszudrücken.

Wegen Zwischenrufen musste der damalige Bürgermeister Günther Werner mehrfach zur Ordnung rufen. Der Bauausschuss verweigerte dem Vorhaben bei Stimmengleichheit seine Zustimmung. Gebaut wurde die Unterkunft dennoch. Kritik hatte es insbesondere am Standort gegeben, den einige Stadträte für zu weit außerhalb gelegen hielten.

Sie befürchteten, dass dies die Integration erschweren könnte.