409 Euro im Monat, knapp 14 Euro am Tag - kann man davon leben? Nun, viele Menschen müssen es: Die Zahl der Hart IV-Empfänger im Kreis Kronach ist sogar leicht gestiegen. Zum Jahreswechsel 2016/2017 hatte das Statistische Landesamt 1710 Männer, Frauen und Kinder (die bekommen weniger) in den Akten, denen Hartz IV den Lebensunterhalt sicherte.
Dabei waren die meisten erwerbsfähig und im Alter bis zu 50 Jahren. Der Frauenanteil beträgt 49,0 Prozent, hier sind alleinerziehende Mütter stark vertreten. Rund 23,9 Prozent der Empfänger sind Kinder und Jugendliche (Vorjahr: 22,6 Prozent). Die 409 Euro sind der Hartz IV-Satz, der seit Jahresanfang 2017 gilt. Davor waren es 404 Euro.
Zum Stichtag 31. Dezember 2016 gab es im Kreis Kronach insgesamt 1710 'Leistungsberechtigte, die Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem SGB II' bezogen (Juristendeutsch, umgangssprachlich einfach Hartz IV-Empfänger). Das waren 17 mehr als Ende 2015 mit 1693.
Im längerfristigen Vergleich fielen die Zahlen in den beiden vorangegangenen Jahren hier folgendermaßen aus: Ende Dezember 2014 bezogen insgesamt 1736 Menschen ALG-II oder Sozialgeld und zum Stichtag Ende 2013 waren es 1740 gewesen.


Kinder tauchen in Statistik auf

Die Statistik unterscheidet dabei nach erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-II-Empfängern und nichterwerbsfähigen Sozialgeld-Empfängern, wozu meist Kinder und Jugendliche zählen, die mit im Haushalt leben. Genau aufgeschlüsselt erhielten im Kreis Kronach 649 Männer und 648 Frauen Arbeitslosengeld II und weitere 413 Empfänger Sozialgeld, darunter waren 408 Kinder und Jugendliche (99 Prozent). Bezogen auf alle Leistungsberechtigten lag der Anteil der unter 15-jährigen Empfänger somit bei 23,9 Prozent.
Mit Blick auf die Altersgruppen waren von den Männern und Frauen, die zum Stichtag Arbeitslosengeld II bezogen, 196 Empfänger jünger als 25 Jahre (Vorjahr: 159), weitere 693 waren 25 bis 50 Jahre alt (Vorjahr: 690), 149 waren zwischen 50 und 55 Jahre (Vorjahr: 172) und 259 Leistungsberechtigte waren 55 Jahre und älter (Vorjahr: 279).
Nicht alle, die Arbeitslosengeld II bekommen, haben tatsächlich keinen Job. Manchmal reicht schlicht das Arbeitseinkommen nicht, um auf die 409 Euro netto zu kommen. Und wenn das regelmäßige Einkommen nicht zur Deckung des Grundbedarfs ausreicht, wird der Mensch zum "Aufstocker", bekommt die Differenz aus der Sozialkasse dazu.
Zunehmend sind Ausländer auf Hartz IV angewiesen. Mittlerweile hat fast jeder dritte Hartz-IV-Empfänger in Deutschland (30 Prozent) einen ausländischen Pass, Ende 2014 traf das nur auf rund jeden fünften zu. Diese Zunahme ist eine Folge der wachsenden Flüchtlingszahlen, aber auch der Zuwanderung aus osteuropäischen Ländern wie Bulgarien und Rumänien.
Finden anerkannte Asylbewerber in Deutschland keinen Job, haben sie wie jeder andere ein Recht auf Hartz IV. Im Kreis Kronach waren zum Stichtag insgesamt 413 Ausländer auf Hartz IV angewiesen, sprich 24,15 Prozent. Ein Jahr vorher waren es 232 ausländische Empfänger gewesen und Ende 2014 noch 174.
Der Blick in die Bevölkerungsstatistik zeigt: Der hiesige Ausländeranteil an der Bevölkerung liegt bei 2,76 Prozent. Der Hartz-IV-Anteil liegt also höher als bei deutschen Staatsangehörigen. Aber, um im Bild zu bleiben: Es gibt weitaus mehr Hartz-IV- und Sozialgeld-Empfänger mit deutschem Pass als ohne.
Denn nicht die Abstammung, sondern die Bildung bestimmt den Erfolg: '"Ein entscheidender Faktor für Erwerbslosigkeit und Leistungsbezug ist ein Mangel an schulischen und beruflichen Qualifikationen", fassten Jonas Beste, Arne Bethmann und Stefanie Gundert in einer Studie fürs Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit zusammen. zds