Klaus-Peter Gäbelein Die Bewohner des Landkreises Erlangen-Höchstadt sowie die Einwohner in den Städten und Gemeinden sind es gewohnt, wöchentlich über das Landratsamt oder die Bürgermeisterämter wichtige Nachrichten, Verordnungen und Informationen zu erhalten. Dies gilt für den Freistaat und ist auch in den übrigen Gemeinden bundesweit üblich.

Seit 1811 hatte es in Preußen Informationen über Verordnungen, Beförderungen, Ordensverleihungen oder Steckbriefe gegeben, ab 1854 gab es solche Nachrichten in gedruckter Form für den "Königlich-bayerischen Regierungsbezirk von Oberfranken", zu dem die Gegend um Höchstadt und Herzogenaurach früher gehörte, und ab 1868 erschien regelmäßig das "Kreis-Amts-Blatt" für das Bezirksamt Höchstadt, das seit 1882 in der Druckerei Oscar Dennhard Höchstadt erschienen ist. Hier wurde übrigens auch bis 1970 die Tageszeitung "Der Aischtalbote" gedruckt.

Vor 100 Jahren erschien trotz wirtschaftlich harter Zeiten kostenlos das "Amts-Blatt" für das "Bezirks-Amt in Höchstadt a.d. Aisch", so die offizielle Bezeichnung für die öffentlichen Nachrichten-Übermittlungen. Auch nach dem Ersten Weltkrieg waren da "Amtliche Bekanntmachungen", interessante Hinweise und Verordnungen zu lesen, die viele Menschen im Bezirksamt, das mit dem heutigen Landkreis Erlangen-Höchstadt fast identisch war, betrafen.

Manche der Bekanntmachungen lassen uns heute schmunzeln. So war am 13. Februar 1920 für die Gemeinden von A (Adelsdorf) bis Z (Zweifelsheim) festgelegt worden, wie viele Eier von der jeweiligen Gemeinde an das Bezirksamt Höchstadt abgegeben werden mussten. Die Zahl richtete sich nach der Geflügelzählung von 1919. Für Höchstadt standen demnach für das Jahr 1920 28 000 Eier an, während von Herzogenaurach aufgrund der geringeren Hühnerhaltung nur 9000 Eier gefordert wurden; im kleinen Hammerbach waren es dagegen 15 300 Eier und in Lonnerstadt immerhin 25 200 Eier.

Rindfleisch war billiger

Vorgeschrieben waren infolge der wirtschaftlichen Notlage die Preise für Mehl und Brot. Das Pfund Brot (500 Gramm) kostete 55 Pfennige und der Sechs-Pfund-Laib entsprechend 3,30 Mark. Erstaunlich hoch waren die Preise für Schweinefleisch: Das Pfund wurde mit zehn Mark veranschlagt, wogegen für Rindfleisch nur 3,70 Mark und für Schaffleisch 3,50 Mark verlangt werden durften, vorausgesetzt die Metzger konnten dies überhaupt anbieten.

Engpässe wie beim Schweinefleisch gab es auch in der Versorgung mit Zucker. So musste im Juni 1920 die Zuteilung für Zucker von zwei Pfund auf 1,5 Pfund gekürzt werden. Für uns ist es heute unvorstellbar, dass bereits ab Februar 1920 ein Aufschlag von einem Pfennig verlangt und im Bezirksamtsblatt eigens angekündigt worden ist, wenn Zucker in "Papierdüten" in Geschäften verkauft wird. Das Bezirksamt wies eigens darauf hin, dass Sonderzuweisungen von Zucker "weder für Kranke noch für Hochzeiten ... gemacht werden können". Erhebliche Engpässe gab es auch in der Versorgung mit Milch, Butter und Käse.

Zum 1. Januar 1920 wurde auch der Bierpreis neu festgelegt. Da heißt es: "Beim Verkaufe durch den Hersteller darf der Preis für 100 Liter in Fässern nicht übersteigen: a) für untergäriges oder obergäriges Bier 61 Mark b) für bierähnliche Getränke (Ersatzbier) 58 Mark." Harte Zeiten waren für die Biertrinker angebrochen, zumal es an Hopfen, Gerste bzw. Malz mangelte.

Ein echtes Problem für die Behörden war vor 100 Jahren der Zuzug von Fremden und die Wohnungsnot. Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches waren viele im Ausland lebende Deutsche ebenso ins Reich einzugliedern wie deutschstämmige Flüchtlinge (z. B. deutschstämmige Balten), die durch die Gebietsabtretungen heimatlos geworden und außerdem Verfolgungen ausgesetzt waren.

Doch neben diesen ernsten Problemen gab es auch Verordnungen, die nicht ganz so überlebenswichtig waren, so wie jene Bekanntmachung an die Gemeinderäte: "Vollzug des Gesetzes zum Schutze des Maulwurfs" (21. April 1920). Wie dieses Gesetz zur Anwendung gebracht worden ist, darüber gibt es weder einen Hinweis noch ein Ergebnis.

Warnung vor Hausierern

Zum Abschluss noch ein Aufruf, der uns heute erstaunt. Kaum jemandem ist im Bewusstsein, dass vor 100 Jahren die Pfalz (die Rheinpfalz war seit 1816 bayerisch) noch zu Bayern gehörte. Während und vor allem nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Bevölkerung durch französische Besatzung schwer zu leiden. Im hiesigen Bezirks-Amtsblatt erschien daher im September 1920 der "Aufruf! Die Pfalz ist in Not". Hierin wurden für Pfälzer Stadtkinder Pflegeplätze und Geldmittel gesucht. In dem genannten Aufruf heißt es "Jedermann, der ein notleidendes Pfälzer Kind aufnimmt, tut nicht nur ein edles Werk der Barmherzigkeit, er vollbringt auch eine vaterländische Tat ...".

Bei allen Aufrufen um Hilfsleistungen darf aber die eigene Not in unserem Landkreis nicht vergessen werden. So wurde die Bevölkerung in Franken am 5. November 1920 gebeten, "instandgesetzte, gebrauchsfähige Militärschaftstiefel das Paar zu 50 Mark für Feuerwehren und bedürftige Landwirte" zu erwerben.

Und zum Jahresende 1920 wurde die Landkreisbevölkerung vor "Hypnotischen Vorführungen" gewarnt, die von geschäftstüchtigen Quacksalbern angeboten wurden, ebenso wie vor der Zunahme des Hausierhandels, der selbst in den "Eisenbahnen während der Fahrt" zugenommen hatte.