Handwerk auf Messers Schneide
Autor: Magdalena Kestel
LKR Kronach, Montag, 11. Mai 2020
Die zunehmende Bürokratie macht Metzgern und Bäckern zu schaffen. Die Branche steckt in schwierigen Zeiten, auch abseits von Corona. Viele Betriebe haben in den letzten Jahren aufgegeben. Innungsobermeister Eberhard Kraus kennt die Ursachen.
"Es ist ein Dokumentationswust, der seinesgleichen sucht." "Das sind alles Sachen, die einen Handwerker von der eigentlichen Handwerksarbeit abhalten." "Irgendwann ist das für einen Unternehmer in unserer Kategorie nicht mehr tragbar." Das beklagen Metzger und Bäcker aus dem Landkreis Kronach. Sie sehen sich mit immer mehr gesetzlichen Auflagen konfrontiert. Die zunehmende Bürokratie kostet wertvolle Zeit, die eigentliche Arbeit leidet.
Dokumentationspflichten
"Manche Sachen haben einen Sinn, andere sind einfach sinnlos und machen viel Arbeit", findet Alfons Möckel von der gleichnamigen Bäckerei in Fischbach. Das neue Mindestlohngesetz verpflichtet den Unternehmer beispielsweise, die Arbeitszeiten und Pausen seiner Mitarbeiter lückenlos zu dokumentieren. Für Möckel ist diese Vorschrift nicht nachvollziehbar. "Meine Leute wissen selbst, wie viel sie arbeiten und was sie verdienen. Die Zeitaufzeichnungen machen vielleicht bei großen Unternehmen Sinn oder in Branchen, wo es wirklich Schwierigkeiten gibt, wegen Schwarzarbeit zum Beispiel", findet er.
Die Allergenkennzeichnungspflicht sieht der Bäckermeister aus Fischbach ebenfalls kritisch. "Wer eine Allergie hat, kennt sich besser aus als jeder andere", so Möckel. Da stimmt auch Bäckerkollege Carsten Löffler aus Kleintettau zu. "Mir ist nicht bekannt, dass jemals jemand nach den Allergenen gefragt hat, weder in unserer Filiale noch im Hauptgeschäft", erzählt Löffler.
Tüten unter Beobachtung
Ein hoher Verwaltungsaufwand verbirgt sich auch hinter der Brötchentüte oder dem Metzgerpapier. Die verwendeten Verpackungen der Bäcker und Fleischer sind lizenzierungspflichtig und müssen in einem dualen System registriert werden. Je nach Verpackungstyp fallen dabei unterschiedlich hohe Gebühren an. Außerdem müssen die Materialbestände der Verpackungen dokumentiert und verbrauchte Jahresmengen gemeldet werden.
Die in den letzten Monaten heiß diskutierte Bonpflicht sorgt in den Betrieben nicht nur für eine Papierflut, die technische Umrüstung der Kassen verursacht außerdem hohe Kosten. Zudem haben viele Betriebe in den vergangenen zehn Jahren erst in neue Kassensysteme investiert, teilt der Fleischerverband Bayern mit. Diese "alten" Kassen sind mit einer SD-Karte ausgestattet, die ohnehin jeden Knopfdruck speichert, erzählt Bäcker Carsten Löffler. Seiner Meinung nach ist der Bondruck daher völlig überflüssig.
Nicht zu vergessen sind die unzähligen Mitarbeiterschulungen: Maschinensicherheit, Arbeitsschutz, Hygiene, Infektionsschutz, Gesundheitsbelehrung. Sie bleiben an den Betriebsleitern selbst hängen, die ihre Mitarbeiter über die Themen regelmäßig aufklären müssen.
Einsatz für den Bürokratieabbau
Lokale Metzgereien und Bäckereien, die meist nur aus einem Chef und wenigen Mitarbeitern bestehen, sind von dem immer größer werdenden Verwaltungsaufwand überlastet. Die bayerische Staatsregierung etablierte mit dem Abgeordneten Walter Nussel (CSU) eine Stelle, die sich dem Thema Bürokratieabbau widmet. Nussel erreichte bereits, dass staatliche Regelungen in geeigneten Fällen einem Praxis-Check unterzogen werden. Dadurch sollen unnötige Pflichten von vornherein vermieden werden.