JOsef Hofbauer Er gilt als Senkrechtstarter der Unterhaltungsszene. Dabei wollte Martin Frank, der Bauernbub aus dem Bayerischen Wald, ursprünglich Opernsänger werden. Aber: "Es kommt wie es kommt." So lautet auch der Titel seines Programmes, mit dem er im voll besetzten Sportheim des TSV Ebermannstadt sein Publikum begeisterte.

Der 27-Jährige aus Hutthurm (Landkreis Passau), der mit 16 Jahren seine ersten Texte schrieb, unterhält die Zuhörer mit sehr persönlichen, autobiografischen Erlebnissen, etwa der Begegnung mit Estella, die er wegen ihres Namens ("Essteller") bemitleidet. Realen Hintergrund hat seine Sinnkrise, die von seinem gescheiterten Vorsingen am Mozarteum in Salzburg herrührt.

"Ich hab halt keinen Sugar-Daddy, sondern nur eine Dampfnudel-Oma", erklärt Frank entwaffnend, beweist aber mit der Stierkampf-Arie aus Carmen, dass er hervorragend singen kann. Nur beim Text hapert es, weshalb er von einer "toten Ratz und einer toten Katz" singt. Dennoch bleibt das Publikum skeptisch, ob die Stimme nicht vielleicht doch von Band kam.

"Der Teifi is im Haus"

Der Kabarettist, der sich aber in erster Linie als Unterhalter sieht, nimmt seine neu gewonnenen Fans mit auf die Reise zwischen Bauernhof und Bühne. Treuherzig berichtet er, dass die Oma gleich den Exorzisten geholt habe, als er seinen Berufswunsch bekannt gab. Kommen S' schnell Herr Pfarrer, der Teifi is im Haus." Bei seiner Ankunft in München begrüßte er die Fahrgäste in der U-Bahn mit einem "Grüß Gott beieinander." "Das war ich von daheim so g'wohnt", begründet der ehemalige Standesbeamte, der in der Landeshauptstadt Schauspielunterricht genommen hat. Blöd nur, dass dort die Leberkässemmel 4,50 Euro kostet. "Mit solche Summen zahlen mia dahoam an Kredit ab."

Sinnkrisen zuhauf

Der lausbübische Junggeselle kommentiert gesellschaftliche Trends vom "flanking Look" (Brauchen die Knöchel frische Luft?) bis zur veganen Ernährung mit Quinoa und Avocados, gegen die sein Marmeladenbrot von der Oma keine Chance hat. "Aber der Mexikaner isst ja auch nicht jeden Tag eine Leberkässemmel, der fliegt dazu aufs Oktoberfest", prangert der singende Kabarettist die katastrophale Ökobilanz der Obst- und Gemüsesorten in Einkaufszentren an.

Beispiele für Sinnkrisen liefert Martin Frank zuhauf. "Da bist Pfarrer, möchst vielleicht Bischof werden - zack, wirst Papa." Für andere ist die Sinnkrise die Ehe. Sein Freund, der Maschinenbau-Ingenieur, kann einen Rasenmäher zwar nicht zusammenbauen, aber zeichnen. "Da musst froh sein, wenn der eine Hilti nicht für ein Reisgericht aus Afrika hält."

Erst kommt das Rindvieh

Stattdessen bricht der Niederbayer, der bereits eine ganze Reihe von Preisen einheimsen konnte, eine Lanze für alle, die keinen Bachelor haben. Frank bleibt bodenständig, wenn sich in der Großstadt Menschen vordrängeln. Dann denkt er an Omas Bauernregeln, von denen eine lautet: "Erst kommt das Rindvieh, dann kommst du."

Nur kurzfristig zeigt sich Martin Frank angesichts einer laut telefonierenden Managerin in der U-Bahn irritiert. Dann rückt er die Verhältnisse wieder zurecht, indem er die Dame antippt und ihr erklärt: "Der is' an der letzten Station schon ausgestiegen." Auf deren Frage von wem die Rede sei, erklärt Frank nachdrücklich: "Der, den das interessiert, was Sie da erzählen." Weiter gehen tut's immer. "Wenn eine Tür zugeht, aber keine andere auf, musst halt a Fenster ei'schlagn, hat ihn sein Vater gelehrt."

Geschäftsmodell

Dazu gelernt hat der arbeitslose Schauspieler und singende Kabarettist nicht nur in München, sondern auch auf dem heimischen Friedhof, wo es einen Secret Code für Rentner beim Gräbergießen gibt. "Zeigt die Düse nach oben, heißt's laufen; dann ist die Lust auf geschlechtliche Zuwendung groß." Was der Sänger mit einer Arie aus der Operette "Gasparone" unterstreicht, wenn er von "dunkelroten Rosen" singt.

Zum Höhepunkt des Abends werden aber die Patenschaften fürs Federvieh. Weil für Stadtmenschen Hühnchen nicht einfach so verrecken, sondern sterben, hat Frank daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Er bietet Beerdigungen für tote Hennen auf dem Misthaufen an. Samt Trauerprozession und "ombra mai fu", dem Largo aus der Oper "Xerxes". Trauermusik von Händel fürs Hendl.