Grüne loben den Kreis Haßberge als "weitsichtig"
Autor: Redaktion
Hofheim i. UFr., Mittwoch, 20. April 2016
In den Genuss kommt er wohl nicht allzu oft: "Eike, ich begrüße Sie!" Mit diesen Worten öffnete Professor Eike Uhlich, Vorsitzender des Freundeskreises Asyl...
In den Genuss kommt er wohl nicht allzu oft: "Eike, ich begrüße Sie!" Mit diesen Worten öffnete Professor Eike Uhlich, Vorsitzender des Freundeskreises Asyl in Hofheim, seinem Besucher Eike Hallitzky, seit 2015 Landesvorsitzender der bayerischen Grünen, die Tür. Hallitzky ist derzeit im Rahmen der Aktion "Best Practise" der bayerischen Grünen unterwegs, um gelungene Integrationsprojekte für Flüchtlinge im Freistaat kennenzulernen. Die beiden Träger eines seltenen Vornamens trafen sich zum Erfahrungsaustausch in Hofheim.
Dabei wurde schnell klar, dass die Flüchtlingsarbeit in Hofheim ein solches "Best Practise"-Beispiel ist. Uhlich sieht, wie er sagte, besonders die enge Zusammenarbeit des Freundeskreises Asyl mit den kommunalen Institutionen des Landkreises als einen wichtigen Schlüssel zur erfolgreichen Integration der zugewiesenen Flüchtlinge: "Wenn Flüchtlingsfamilien hier Arbeit und Wohnung finden und sich
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dauerhaft niederlassen, stärkt das unseren stets von Abwanderung bedrohten ländlichen Raum", sagte er.
Feste Ansprechpartner
Ruth Nicklas vom Vorstand des Freundeskreises erläuterte, dass die Struktur als gemeinnütziger Verein ihrer Erfahrung nach für die ehrenamtlichen Helfer Sicherheit gebe, da jeweils feste Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Auch die Möglichkeit der steuerlichen Berücksichtigung von Spenden biete Vorteile gegenüber einer offenen Helferkreisstruktur.Hallitzky, der von 2003 bis 2013 für die Grünen im bayerischen Landtag saß, würdigte die parteipolitisch neutrale Arbeit des Hofheimer Freundeskreises im Sinne der Menschlichkeit. Er betonte aber, dass die Helferkreise in Bayern sich durchaus auch politisch artikulieren sollten, wenn sie ihre Integrationsarbeit durch Vorgaben der Staats- oder Bundesregierung erschwert sehen: "Die Staatsregierung wirft den Helfern, aber auch den kommunalen Behörden immer wieder Knüppel zwischen die Beine."
Zudem erzeuge die Rhetorik der Staatsregierung, die auf Abgrenzung Bayerns setze, wissentlich bei vielen Menschen diffuse Ängste vor Flüchtlingen: "Ministerpräsident Seehofer hat damit dem Rechtspopulismus den roten Teppich ausgerollt", sagte der Gast. Damit werde es auch für CSU-Landräte oder Bürgermeister zunehmend schwerer, um Akzeptanz für Flüchtlinge zu werben, kritisierte Hallitzky.
Dagegen lobte er ausdrücklich die weitsichtige Strategie des Landratsamtes Haßberge, im Kreis auf dezentrale Unterkünfte zu setzen statt auf Gemeinschaftsunterkünfte. Doch der grüne Politiker aus Passau ist durchaus realistisch: "Wir werden tatsächlich nicht alle Flüchtlinge aus den Krisengebieten der Welt bei uns aufnehmen können; es wäre naiv, das zu glauben."
Eine der wichtigsten Ursachen, die die Menschen nach Europa treibt, seien die erbärmlichen und hoffnungslosen Bedingungen in den Flüchtlingslagern des Libanon und der Türkei. Hier müsse Deutschland endlich seine Zusagen einlösen und sich mit gezielten Finanzhilfen, aber auch mit Unterstützungsprojekten wie zum Beispiel Schulunterricht beteiligen, forderte Eike Hallitzky. red