Der Muppberg mit der Arnoldhütte ist für waschechte Neustadter ein Inbegriff von Heimat. Am Sonntag, 16. Mai, kann die "alte Dame" ihren 95. Geburtstag feiern: Aus der ehemals reinen Schutzhütte für Wanderer und Spaziergänger entwickelte sie sich zu einem der beliebtesten Ausflugsziele Neustadts und des gesamten Coburger Landes.

Gebaut in schweren Zeiten, ist die Arnoldhütte von ihren jetzigen Wirtsleuten unter ebenfalls schwierigen Bedingungen übernommen worden: Jetzt hoffen die Betreiber, dass viele Neustadter der Hütte zu ihrem 95. Geburtstag einen Besuch abstatten. Sie ist außerdem derzeit Donnerstag bis Sonntag ab 11 Uhr bewirtschaftet, Tel. 09568/5917. Während der Öffnungszeiten kann der Prinzregententurm bestiegen werden.

Start mit Schließung

Die Wirtsleute Hans-Jürgen und Michaela Ühlin mit Geschäftsführer Torsten Klein starteten den Betrieb Anfang Oktober 2020. Kurz danach kam der Lockdown. Die Wirtsleute hatten sich auf eine langjährige Bewirtschaftung eingestellt und wollten wieder "Leben in die Bude" bringen. Optimismus, Mut und Ideenreichtum waren ihre Devise. Unterstützung erfuhren sie vom Verschönerungs-Verein, dem Eigentümer der Arnoldhütte, und der Stadtverwaltung. Selbst über die Wintermonate stiegen viele treue Gäste Neustadts Hausberg hinauf und nutzten die To-go-Angebote.

Inzwischen haben sich die Wirtsleute auf eine baldige Öffnung des Biergartens vorbereitet. Neue Biergartengarnituren warten darauf, von Wanderern und Spaziergängern genutzt zu werden. Außerdem wurde eine Außenschankanlage aufgebaut. Das Hüttenteam hat zusätzlich die Außenanlagen aufgehübscht. Die Wirtsleute wollen demnächst Spielgeräte auf dem Platz oberhalb der Arnoldhütte aufbauen.

Dem in der Ferne lebenden Neustadter lässt bei einem Heimatbesuch der erste Blick auf den 516 Meter hohen Muppberg das Herz höher schlagen. Zu einer Wanderung auf den Neustadter Hausberg gehört dann auch, so weit es die Fitness noch zulässt, der Aufstieg auf den 28 Meter hohen Prinzregententurm dazu. Von der Plattform des majestätisch über den Muppberggipfel ragenden Wahrzeichens von Neustadt bietet sich eine einmalig schöne Rundumsicht auf den Thüringerwald und ins Fränkische. In normalen Zeiten gehört danach eine zünftige Einkehr in der Arnoldhütte ganz selbstverständlich dazu.

Dass die Arnoldhütte überhaupt errichtet wurde, ist ein Verdienst des Verschönerungsvereins Neustadt, der damals unter seinem Vorsitzenden, Geheimrat Max Oscar Arnold, den Bau auch in die Tat umsetzte. Schon bald nach der Fertigstellung des Prinzregententurms 1905 tauchte der Gedanke auf, einen Schutzbau zu errichten. Der Verschönerungsverein wollte einen Anbau an den Turm. Ein Modell dafür gab es auch schon. Das gefiel zwar allen, aber die Ausführung wäre zu teuer gewesen. Der Erste Weltkrieg und die Nöte der Nachkriegszeit taten ein Übriges, den vielfach gehegten Traum zu zerstören.

Schutzbau benötigt

Allerdings blieb der Ruf nach einem Schutzbau in der Nähe des Turms. Der damalige Forstmeister Schlee trug den Wunsch der Neustädter dem Verschönerungsverein vor. Am 15. Februar 1926 wurden in der Gaststätte "Kröckelei" Nägel mit Köpfen gemacht: Es wurde der Beschluss gefasst, noch im gleichen Jahr eine Schutzhütte zu errichten.

Das oberhalb der Ottilienquelle gelegene Gelände in nur 80 Meter Entfernung vom Prinzregenten-Aussichtsturm wurde als Standort auserkoren. Es wurde festgelegt, den Unterbau in Sandsteinmauerwerk auszuführen. Auf diesem Grund sollte die Blockhütte zwölf Meter breit und sechs Meter tief ruhen. Die eine Hälfte sollte einen vollkommen geschlossenen Raum bilden, während der andere Teil nur eine Überdachung tragen sollte.

Stadtbaumeister Otto Töpfer, Kassierer des Vereins, bezifferte in einer Ausschuss-Sitzung am 23. März 1926 die Kostenvoranschläge auf insgesamt 2600 Mark. Tatkräftige Unterstützung bei der Ausführung des Baues kam vom damaligen Thüringerwald-Verein Neustadt, der auch 100 Mark zuschoss.

Die Coburger Landesstiftung gewährte 250 Mark und die Stadt Neustadt 300 Mark.

Auch die Brauerei Werner ist mit einem Darlehen und diversen Leistungen eingesprungen. Ungedeckte Ausgaben in Höhe von 1400 Mark mussten über ein Sparkassendarlehen finanziert werden.

Die Schlusssteinlegung am Sonntag, 25. April 1926, so wurde seinerzeit berichtet, war begleitet von goldenem, sonnigem Wetter. Pünktlich um 15 Uhr kündeten drei Böllerschüsse der Schützengesellschaft den Beginn des Festakts an.

Es ging schon los mit Rostbratwürsten

Turmwart Ernst Roßbach, der auch erster Hüttenwirt wurde, versorgte anschließend die Gäste mit Neustadter Bier und Rostbratwürsten. Schon drei Wochen später, am 16. Mai 1926, fand die Schutzhüttenweihe in feierlicher Weise und unter großer Teilnahme der Neustadter Bevölkerung statt: Auf dem Muppberg waren rund 200 Besucher hinaufgekommen. Schon am Samstagabend wurde der Aussichtsturm festlich beleuchtet und kündigte so die Einweihung an.

Geheimrat Arnold hielt eine ebenso kurze wie packende Weiherede. Darin brachte er die Erwartung zum Ausdruck, dass "die Schutzhütte eine Stätte des Friedens sein soll, der Eintracht und Einigkeit, eine Stätte allen Naturfreunden gewidmet und ihrem Schutz empfohlen". Das ist sie geblieben.