Matthias Einwag

Was kann ein Musiker zu Hause selbst an seinem Instrument machen? Wie sollten Holz- und Metallblasinstrumente gewartet werden, welche Pflege ist ratsam und welche kleinen Justierungen kann jeder selbst vornehmen? Diese und ähnliche Fragen beantwortet der Instrumentenbauer Andreas Pratsch den Kunden seiner Werkstatt normalerweise beim persönlichen Kontakt. Doch die Pandemie erschwert solche Zusammenkünfte. Der 35-Jährige kam deshalb auf die Idee, Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten - in Form von Online-Seminaren.

Von seinem Wohnort Nedensdorf aus beantwortet Andreas Pratsch die Fragen der Musiker. "Ich gebe Tipps, wie kleine Probleme zu beheben sind. Wenn etwas am Instrument nicht geht oder schwergängig ist, gebe ich Hinweise, ob der Mangel vom Musiker selbst zu beheben ist oder ob er doch eine Werkstatt aufsuchen sollte."

Der Instrumentenbauer weiß, dass er mit dieser Methode gute Kunden halten kann, denn sie müssen keine lange Fahrzeit auf sich nehmen wegen einer kleinen Reparatur, die fünf Minuten dauert. Gerade auch in Pandemiezeiten sei das ein Service für Musikerinnen und Musiker, die nun viel zu Hause sind und Zeit haben, ihre Instrumente zu pflegen.

Videoseminar aus Nedensdorf

Gemeinsam mit seiner Schwester Mirjam Pratsch, die bei der Nordbayerischen Bläserjugend aktiv ist, bietet er die Online-Seminare über die Regierungsbezirksgrenzen hinweg an. Am jüngsten Workshop, den Andreas Pratsch von Nedensdorf aus virtuell ausrichtete, nahmen rund 30 Blasmusiker teil. Den Kurs teilte er nach den Instrumentengruppen in "Holz" und "Blech" ein.

Dieser Kurs, den er schon mehrmals im Präsenzunterricht angeboten hatte, fand nun erstmals per Videoschaltung statt, "weil derzeit die Zusammenkünfte etwas schwierig sind". Gebucht wurde das Online-Seminar von der Nordbayerischen Bläserjugend. "Die Teilnehmer sollten ihre Instrumente und Hilfsmittel zurechtlegen, um selber gleich etwas daran machen zu können", sagt Andreas Pratsch. "Fairerweise muss man sagen, dass es besser ist, die Musiker mit ihren Instrumenten vor Ort zu haben, weil die Details mit der Kamera nicht so schön einzufangen sind", fährt er fort.

Doch die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer bestärken ihn: Das sei ein Super-Angebot zu dieser stillen Zeit des Lockdowns, denn es sei wundervoll zu erfahren, was man alles reinigen kann und wo sich überall Schmutz ablagert.

Staub, Kalk und sogar Zahnstein

Der Fachmann weiß genau, wo ein Musiker suchen sollte: "Das ist instrumentenbezogen", sagt er. "Der Schmutz sitzt in den Tonlöchern der Klarinette, auf den Polstern, auf den Klappen, auf dem Korpus. Bei Blechblasinstrumenten in den Stimmzügen, Innenrohren und in den Ventilgelenken." Besonders bei Trompeten, Tenor- und Parforcehörnern seien die Ventile anfällig. Dort lagern sich Staub und Kalk ab - und sogar Zahnstein aus dem Speichel der Musiker sei dort zu finden.

Doch auch äußerlich brauche ein Instrument Pflege: "Man sollte von scharfen Reinigungsmitteln Abstand nehmen", empfiehlt Andreas Pratsch, "am besten pflegt man mit einem weichen Baumwolltuch." Es gebe zu Lackpflege von Blechblasinstrumenten spezielle Emulsionen - aber Genaueres dazu sollte der Musiker im Fachhandel erfragen.

"Vieles geht ineinander über"

Ein Videoseminar mit Andreas Pratsch sieht folgendermaßen aus: Wenn sich alle in den Videokonferenzraum eingeloggt haben, spricht der Veranstalter einleitende Worte zum aktuellen Kurs. Andreas Pratsch stellt sich jenen vor, die ihn noch noch nicht kennen. Dann geht er darauf ein, was bei der Instrumentenpflege generell wichtig ist. Dabei verfolgt er kein festgelegtes Schema. Er beginnt bei den Holzblasinstrumenten zum Beispiel mit der Querflöte und geht das Instrument vom Kopfstück über den Korpus in allen Teilen durch. Manches muss er nicht zweimal erzählen, wenn er beim "Blech" über das Saxophon spricht, denn vieles geht ineinander über.

Kein Fachchinesisch

Zwischenfragen sind immer erwünscht. "Ich versuche, keine Fachbegriffe rauszuknüppeln, sondern verständlich zu erklären", sagt er. "Man merkt, dass die Leute zuhören und sich mit dem Thema befassen. Es kommen auch Fragen auf, an die ich so gar nicht gedacht habe." Und auch kleine Erfolgserlebnisse stellen sich ein. Die Wattestäbchen, die jeder vor dem Seminar bereitlegen sollte, wurden sofort eingesetzt: "Noch während des Seminars tauchten in der Chatgruppe die ersten Bilder von extrem verschmutzten Wattestäbchen auf." Das zeige, dass der Workshop den Charakter eines Forums hat - jeder trage seine Erlebnisse bei und der Dozent kommentiere es.

Andreas Pratsch spielt alle Blechblasinstrumente selbst. Holzblasinstrumente kann er zumindest anspielen, um zu prüfen, ob alles funktioniert. Blech und Holz mit Spezialölen zu pflegen sei ratsam, sagt er. Das fachgerechte Überholen der Ventile und Einfetten der Züge führe sicher zu größerer Freude am Musizieren.

Fachwerkstatt eröffnet

Andreas Pratsch erlernte den Beruf des Instrumentenbauers und machte sich 2016 mit einer Fachwerkstatt selbstständig. Er bietet Blasmusikern der Region alle Arten der Reparatur, Wartung und Pflege an. Der gelernte Metallblasinstrumentenmacher stellte fest, dass über 4500 Musiker aller möglichen Formationen in Westoberfranken, Ostunterfranken und Südthüringen aktiv sind. An diese Klientel wendet er sich mit der Instrumentenwerkstatt und den Seminaren.

Bereits als Junge spielte Andreas Pratsch Bariton bei der Weisachtaler Blasmusik in Maroldsweisach, wo er aufwuchs. Irgendwann ergab sich ihm die Möglichkeit, einen Instrumentenbaubetrieb zu besuchen. Von diesem Augenblick an war er sicher: "Genau das willst du machen." Er begann eine dreijährige Lehre als Metallblasinstrumentenbauer in Waldkraiburg, besuchte die Geigenschule in Mittenwald und arbeitete als Instrumentenmacher in Waldkraiburg, Tütschengereuth und Kronach. Während dieser Zeit bildete er sich fort und widmete seine Freizeit der Blasmusik - unter anderem als Dirigent beim Musikverein Wallenfels.

"Ein Instrument hat eine Seele"

Den Instrumentenbau lernte Andreas Pratsch von Grund auf. "Man fängt wirklich mit einer Blechtafel an", sagt er. Aus diesem Stück Messing schneidet der Instrumentenbauer die Teile aus und verlötet sie dann sorgfältig. "Wer reparieren will, muss wissen, wie ein Instrument aufgebaut ist", fährt er fort, doch grundsätzlich seien die Herstellung und die Reparatur zwei unterschiedliche Berufe. "Ein Instrument hat eine Seele" - das sagt einer, der all die vielen Arbeitsschritte genau kennt, die erforderlich sind, um aus einem Stück Messing eine Tuba zu erschaffen.

Jeder Verein kann seine Kurse buchen - online oder auch im Präsenzunterricht. Näheres dazu finden Sie auf der Seite www.die-instrumentenwerkstatt.de von Andreas Pratsch.