Niklas Schmitt Für Johanna Blum war es nicht die erste goldene Hochzeit - aber die erste, die sie selbst feiert. Als Reporterin für den Fränkischen Tag hat sie in über zehn Jahren schon so manches Jubelpaar porträtiert. Nun also sitzt sie auf der anderen Seite des Tisches und muss dem Reporter vom Fränkischen Tag ein paar Fragen zu den 50 Ehejahren mit ihrem Mann Bernhard beantworten.

"Jedem seinen Freiraum geben und trotzdem zusammenhalten", fasst sie das Geheimnis ihrer Ehe zusammen. Wie wichtig das bei den beiden ist, kann man an den vielfältigen Interessen erkennen, denen die ehemalige Grundschullehrerin und der Elektroingenieur nachgehen.

Da ist etwa sein Engagement für den Pfadfinderstamm Raubvögel in Adelsdorf, den er seit 1982 mit aufgebaut hat und weiterhin als beratender Altpfadfinder unterstützt. Oder ihre prägende Unterstützung für die Städtepartnerschaft von Adelsdorf mit dem italienischen Uggiate-Trevano, die sie von 1997 bis 2015 als Erste Vorsitzende begleitet hat. Da bedarf es der Freiheit, den eigenen Interessen nachzugehen, aber eben auch der gegenseitigen Unterstützung.

Die Jubilarin weiß, worauf es bei solchen Terminen für die Zeitung ankommt. Einzelne Eckdaten zum gemeinsamen Leben hat sie sich im Vorfeld notiert, um dem Reporter das Aufschreiben der Antworten etwas leichter zu machen. Dennoch kann sie auch als Porträtierte nicht ganz aus ihrer Rolle der Reporterin herausschlüpfen. Man könnte durchaus das Gefühl haben, sie interessiere sich auch als Befragte mehr für ihr Gegenüber als für ihre eigene Geschichte.

Erfahrung mit "Goldenen"

Leicht plaudert sie über die ein oder andere goldene Hochzeit, über die sie schon schreiben durfte, über umgefallene Bierlaster und Bekannte bei der Feuerwehr, die sie selbst früher unterrichtet hat.

Nicht ohne Grund wird sie in Adelsdorf liebvoll als "Karla Kolumna vom FT" gerufen. "Mir macht es unheimlich viel Spaß, für die Zeitung zu schreiben", sagt die 1947 in Würzburg geborene. Währenddessen hält sich ihr Mann Bernhard, der 1946 in Kitzingen zur Welt kam, bescheiden zurück.

Kennengelernt haben die beiden sich in der Kirche in Kitzingen. Sie war Organistin, er Ministrant. "Er hat mir immer die Lieder raufgebracht, die ich spielen musste", sagt Blum. Das war 1966, vier Jahre später, am 30. April heirateten die beiden zunächst standesamtlich, noch rechtzeitig, damit Blum die Stelle als Lehrerin antreten konnte. Am 18. Juli folgte dann die kirchliche Trauung.

Die Motoren der Partnerschaft

Ruhig geht Blum, die 2000 ihre Stelle als Lehrerin krankheitsbedingt aufgeben musste, wichtige Wegstationen der 50-jährigen Ehe durch. 1978 haben die beiden in Adelsdorf gebaut. Da sind die Zwillinge Markus und Kerstin schon fünf Jahre alt. Im Jahr darauf fing Ehemann Bernhard bei Siemens an und auch Johanna bekam glücklicherweise gleich eine Stelle an der Grundschule in Adelsdorf. Dort hat sie sich dann stark musisch engagiert und die Orff-Gruppe gegründet. Auch als Organistin tat sie sich erneut hervor.

Eine gemeinsame Leidenschaft ist die irische Partnerstadt Castlebar, der die beiden seit 2000 verbunden sind. Jedes Jahr ist das Ehepaar seitdem einmal im Herbst auf der grünen Insel. "Wir sind die Motoren der Partnerschaft mit Castlebar", sagt Blum. Ob sie es in diesem Jahr noch dorthin schaffen, ist wegen der coronabedingten Umstände unklar.

Dennoch, die Wünsche für die weitere Zukunft stehen fest: "Ich hoffe", sagt Blum, während ihr Mann sich vornehm zurückhält, es aber wahrscheinlich kaum anders sagen würde, "dass wir noch lange zusammenbleiben können." Von Reue keine Spur, viel eher von Freude.