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Gemeinderat will Mittelzentrum erweitern


Autor: Werner Reißaus

Neuenmarkt, Dienstag, 08. November 2016

Der Gemeinderat Neuenmarkt gibt sich mit dem Entwurf zum Landesentwicklungsprogramm Bayern vom 12. Juli noch nicht geschlagen. Im Rahmen des Anhörungsverfah...
SiegfriedDecker


Der Gemeinderat Neuenmarkt gibt sich mit dem Entwurf zum Landesentwicklungsprogramm Bayern vom 12. Juli noch nicht geschlagen. Im Rahmen des Anhörungsverfahrens wird der Antrag gestellt, das geplante Dreifachmittelzentrum Bad Berneck, Himmelkron und Gefrees um die drei Kommunen Marktschorgast, Neuenmarkt und Wirsberg zu einem Sechsfachmittelzentrum zu erweitern. Die Bayerische Staatsregierung und der Bayerische Landtag wurden zugleich gebeten, "antragsgemäß zu entscheiden", wurde im Gemeinderat bekannt gegeben.
Wie Bürgermeister Siegfried Decker ausführte, versuchten die Kommunen Bad Berneck, Himmelkron, Marktschorgast, Neuenmarkt und Wirsberg, eine Aufstufung zum gemeinsamen Mittelzentrum zu erreichen. Die aktuelle Landesplanung sieht eine künftige Einstufung der Orte Bad Berneck, Gefrees und Himmelkron als Mehrfachmittelzentrum vor, während Marktschorgast, Neuenmarkt und Wirsberg keine Berücksichtigung finden. 1#googleAds#100x100 "Das neue Landesentwicklungsprogramm ist kein großer Wurf, wir haben uns mehr erhofft", sagte Decker.
Die inflationäre Entwicklung bei der Festlegung von Ober- und Mittelzentren sollte nach Ansicht von Decker grundsätzlich überdacht werden. "Wir wollen möglichst gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle Bürger schaffen", sagte er.
Neuenmarkt-Wirsberg war im alten Landesentwicklungsplan ein gemeinsames Unterzentrum. Seitdem habe sich viel verändert: das Mobilitätsverhalten der Einwohner, der Strukturwandel in der Landwirtschaft, die Globalisierung, der Wegfall des "Eisernen Vorhangs", die demographische Entwicklung und die Flüchtlingszunahme. "Das hat zu ganz unterschiedlichen Entwicklungen, vor allem in Oberfranken, geführt. Deshalb müssen wir die Unterschiede zwischen wachsenden und schrumpfenden, zwischen armen und reichen Regionen abbauen", meinte Decker. Investitionsdefizite bei der kommunalen Infrastruktur und in der Daseinsvorsorge wolle man ausgleichen. Dazu brauche man mehr Regionalentwicklung und eine nachhaltigere interkommunale Zusammenarbeit.
Der Bürgermeister ist überzeugt, dass mit dem beantragten Mehrfachmittelzentrum ein erfolgreicher Beitrag dazu geleistet werden könnte. "Gemeinsam könnten wir eine dauerhafte Versorgung unserer Bevölkerung mit zentralörtlichen Einrichtungen in zumutbarer Entfernung vorhalten. In einem Unterzentrum, oder neuerdings in einem Zentrum der Grundversorgung, ist das für eine Gemeinde unserer Größenordnung alleine nicht zu machen", sagte er. Die sechs Kommunen haben circa 18 500 Einwohner und rund 5320 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.
Decker stellte ergänzend fest: "Die gute Zusammenarbeit in dem ILE-Projekt Fränkisches Markgrafen- und Bischofsland, dem alle sechs Kommunen angehören, könnte fortgesetzt und vertieft werden."
Auch eine Studie von Professor Manfred Miosga der Universität Bayreuth komme zu diesem Ergebnis. Die Sprecher der einzelnen Fraktionen sahen es ähnlich, machten aber auch deutlich, dass die interkommunale Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen unabhängig davon verstärkt werden müsse. Gemeinderat Roland Fischer (FW) erklärte dazu kritisch: "Wir bringen es ja nicht einmal fertig, einen Rasenmäher gemeinsam zu kaufen."