D as geht unter die Haut. Berührt die Sinne. Gedämpftes Licht, in dem die prunkvollen Exponate aus Gold und Silber hervorleuchten. Das dunkle Rot der Ausstellungsarchitektur schimmert. Und aus den Sphären erklingt Vespergregorianik vom Feinsten. Lateinische Choräle, die diesen Schauraum im Landesmuseum Mainz in eine Kathe-drale verwandeln. Mit Heinrich II. im Mittelpunkt.

Mit diesem letzten Kaiser der Ottonen. "Kein Held, aber Chiffre für die Idee, dass das Reich ein Haus Gottes ist, dass das Kaisertum ein sakrales ist." So begründet Professor Bernd Schneidmüller die prominente Stellung, die Kaiser Heinrich II., aber auch seine Gemahlin Kunigunde in dieser rheinland-pfälzischen Landesausstellung einnehmen. Kein Wunder, wurde doch der eigentlich mit Bamberg eng verbundene Heinrich im Mainzer Dom von Erzbischof Willigis zum König gesalbt.

Der Papst krönte ihn später zum Kaiser, der das lateinische Europa prägte - bei allen Grenzen seiner "von Gott gegebenen" Handlungsmacht: "Heinrich II. sah sich als Sachwalter Gottes für das Reich", so Professor Schneidmüller. Er hat die wissenschaftliche Leitung der Präsentation inne: "Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa".

Der Historiker, der auch einige Jahre mittelalterliche Geschichte an der Universität Bamberg lehrte, führt in diese spektakuläre Ausstellung von rund 300 herausragenden Exponaten internationaler Leihgeber auf 1.200 Quadratmetern ein. Noch nie gab es so eine Zusammenstellung von mittelalterlichen Zeitzeugen, und wird es auf Jahrzehnte allein schon aus konservatorischen Gründen nicht mehr geben.

Da ist zum Beispiel die berühmte Heidelberger Liederhandschrift Codex Manesse (um 1300) zu sehen. Das Armreliquiar Karls des Großen aus dem Pariser Louvre (1165-1173). Die Mainzer Goldene Bulle (1356) aus Wien, die die politische Ordnung des Heiligen Römischen Reiches bis 1806 fixierte. Die seidengewebte Kasel des Erzbischofs Willigis (um 1000). Der Gotische Prunkkelch (Kaiserkelch) (um 1470/80) aus dem Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal, mit den Brustbildern des heiliggesprochenen Kaiserpaares Heinrich II. und Kunigunde. Und für Lokalpatrioten aus Franken steht der silberne Pettstadter Becher (um 800) aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg in einer Vitrine, der bei Bamberg in der Regnitz gefunden wurde.

Noch viele Einzelstücke müssten genannt werden. Zusammen ergeben Urkunden, Münzen, Buchmalerei, Goldschmiedearbeiten, Skulpturen, Steinfragmente, Waffen, Chroniken, Gebrauchsgegenstände aus etwa 500 Jahren Mittelalter ein staunenswertes Kompendium. Zumal die Texttafeln das außergewöhnlich reiche kulturelle Erbe mit einer hochspannenden Geschichte um Herrscher und Untertanen nahe bringen. Um Thronfolgen und Thronkämpfe, "Games of Thrones" also, die fromme und weniger fromme Könige und Kaiser als "Beauftragte Gottes" ausfechten mussten.

"Wir wissen, dass die vom Papst gesalbten Kaiser nicht unumstritten mit absoluter Macht über ihr Reich herrschten", erklärt Professor Schneidmüller. Vielmehr hätten sie sich in einem spannungsvollen Machtgefüge der anderen weltlichen und geistlichen Stände bewegt - "bis das brüchige Kaisertum abstürzt".

Die sehenswerte Landesausstellung lässt die Zeit der Karolinger, Ottonen, Salier und Staufer erstehen. Und mit ihnen die Fürsten und Feldherren, Bischöfe, Ritter und Bürger als "Säulen der Macht" in einem Netzwerk der kaiserlichen Herrschaft, das durchaus fragil war. Und das die Voraussetzungen für das föderale System in Deutschland schuf.

Mittelalterhistoriker Schneidmüller bezeichnet die Region zwischen Aachen und Basel, zwischen Metz und Frankfurt a.M. als die "politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrallandschaft Europas" über Jahrhunderte hinweg: "Hier formte sich im Mittelalter eine Schwerpunktlandschaft fränkischer, deutscher und europäischer Geschichte."

Darin hätten auch die jüdischen Gemeinden eine herausragende Rolle gespielt, so ergänzt Dr. Stefanie Hahn vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. Speyer, Worms und Mainz "gelten heute als Wiege des aschkenasischen Judentums", weiß Hahn, die gemeinsam mit Thomas Metz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz die Gesamtverantwortung für die Ausstellung trägt. Und darin auch die reiche jüdische Vergangenheit eindrucksvoll mit einbezieht.

Wer diese Schau im Landesmuseum Mainz besucht, findet darin den idealen Ausgangspunkt für weitere Entdeckungsorte. "Korrespondenzorte" nennen die Ausstellungsmacher die 15 mittelalterlichen Originalschauplätze in der ganzen Region sowie Nachbarschaft. Mit ausgewählten Aspekten bereichern sie die Landesausstellung. "Wir machen Geschichte lebendig", verspricht ein Slogan der Generaldirektion.