Es gibt Erlebnisse, die vergisst man einfach nicht. Und ein solches Erlebnis war für den Gärtnermeister und bayerischen Chefjuror Roland Ramming die Teilnahme an den Worldskills vor zwei Wochen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo rund 1300 Teilnehmer aus 59 Ländern und Regionen die Berufe-Weltmeister ermittelten. Roland Ramming betreute dabei die beiden Landschaftsgärtner aus Oberbayern, Vitus Pirschlinger und Michael Schmidt, die als bayerischer und deutscher Meister an den Start gingen und in ihrem Beruf immerhin den sechsten Platz eroberten.
In 51 verschiedenen Berufen, vom Automechaniker bis hin zum Krankenpfleger, wurden die Weltmeister gekürt. Allein 24 Nationen schickten ihre besten Landschaftsgärtner ins Rennen. Den Sechstagestrip ins ferne Abu Dhabi kann Ramming ganz einfach umschreiben: "Es war ein Riesenhype, eigentlich wie im Traumland, aber dennoch irgendwie unwirklich. Zum einen ist man mitten in der Wüste und dann die Stadt Abu Dhabi mit ihren 1,5 Millionen Einwohnern. Allein in einem Hochhaus leben 13 000 Menschen. Es ist unglaublich."
Ein Land der Gegensätze, in dem mittlerweile viele deutsche Firmen Niederlassungen aufgebaut haben. Ramming: "Die deutschen Firmen können alle steuerfrei arbeiten, also null Abgaben, sie müssen lediglich die Infrastruktur bezahlen." Im Land sei viel Kapital vorhanden. So habe allein das Emirate Palace Hotel sechs Milliarden Dollar gekostet. Den 1,3 Kilometer langen Sandstrand holte die Hotelkette Ramming zufolge nicht etwa aus der eigenen Wüste, sondern aus Venezuela. Zumindest die oberen Schichten lebten hier in "Saus und Braus". 80 Prozent der arbeitenden Bevölkerung der Vereinigten Arabischen Emirate sind Gastarbeiter.


Der Sieg ging nach Südtirol

Die Worldskills werden alle zwei Jahre weltweit ausgerichtet. Vor zwei Jahren fanden die Weltmeisterschaften in Sao Paulo/Brasilien statt, die nächsten werden in Kasan/Russland ausgetragen. Die Teilnehmer müssen sich dann in einem viertägigen Wettbewerb beweisen. Ramming: "Der Wettbewerb ist für die jungen Teilnehmer von Vorteil, weil sie auch sehen, wie die Berufskollegen aus anderen Ländern arbeiten." Die Landschaftsgärtner aus 24 Nationen kämpften unter teilweise schwierigen Bedingungen mit hohem Engagement, wie Ramming berichtet. Und die beiden deutschen Teinehmer vom Ausbildungsbetrieb Gaissmaier in Freising mischten ganz oben mit.
Auf das Siegertreppchen hat es für die beiden Bayern zwar nicht gereicht, aber Trainer Johannes Gaugel und auch Bayerns Chefjuror Roland Ramming waren mehr als stolz auf die Leistung, die das deutsche Team in Abu Dhabi zeigte. Die Goldmedaille ging zum zweiten Mal in Folge an Südtirol, Silber in die Schweiz und Bronze an Estland und China. Auf Platz fünf folgte Großbritannien und danach kam Deutschland.
Ramming: "Das Ergebnis war für mich ein Stück weit ernüchternd, weil man ja meint, unser duales Ausbildungssystem ist das Beste, was es gibt, und die deutsche Technologie ist ganz oben, aber in vielen Bereichen wurden wir schon überholt."
In den 22 Stunden Wettbewerbszeit galt es, vier verschiedene Gärten zu gestalten. Dabei ging es um die die Entwicklung der Stadt Abu Dhabi. Ramming: "War es am Anfang nur eine geschützte Feuerstelle in der Wüste, die durch Mauern aus Betonstein und den Dünencharakter der Pflanzung dargestellt wurde, so sah der Garten vom zweiten Wettbewerbstag schon viel mehr nach Sesshaftigkeit und Siedlung aus: Die einfachen Mauern entwickelten sich zu Hochbeeten, die Pflanzung enthielt mehr Grün und in den Innenhof führten Stufen aus Sandsteinplatten. Der dritte Tag bildete das aktuelle Abu Dhabi ab mit vielen Grünflächen, die allerdings ohne Bewässerung nicht überleben würden."
Die Abschlussfeier fand in der Ferrari-Arena statt und am Ende stellte sich Kasan, Austragungsort der kommenden Weltmeisterschaften vom 18. bis 23. August 2019, mit einer Folklore-Einlage vor. Danach ging es für alle Teilnehmer und Experten zur großen Party. Roland Ramming zusammenfassend: "Es war für mich ein Riesenerlebnis, wenn man die jungen Leute sieht, wie die sich freuen, wie sie sich engagieren und was da alles geleistet wurde. Unglaubliche Eindrücke habe ich aber auch vom Land mit nach Hause genommen. Es war für mich eine ganz andere Welt."