Der Stadtrat hat für die künftige Entwicklung des Areals Bahnhof einschließlich des ehemaligen BayWa-Geländes (Jägergrundstück) die Weichen gestellt. Alle vier Beschlüsse zur sogenannten Bauleitplanung fielen einstimmig. Damit gehört nun auch das gesamte Areal zum Stadtumbaugebiet, wodurch hohe Zuschüsse im Rahmen der Städtebauförderung "Stadtumbau West" möglich werden. Wichtig dabei: Die Regierung von Unterfranken sieht das Bahnhofsumfeld als zur Innenstadt zugehörig an.

Ein Grundsatzbeschluss

Die Beteiligung der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange und die Würdigung derer Stellungnahmen waren in früheren Jahren bei Stadtratssitzungen extrem zeitraubend gewesen. Dann hatten sich die Kommunalpolitiker darauf verständigt, mit einem Grundsatzbeschluss über sämtliche Stellungnahmen das Verfahren abzukürzen. Auf Nachfrage von Bürgermeister Helmut Blank (CSU) waren die Stadträte auch diesmal mit der Vorgehensweise einverstanden. Zur Klärung eventueller Fragen hatte das Stadtoberhaupt Evi Mohr vom Büro der Sanierungsbeauftragten Schlicht Lamprecht Architekten eingeladen.

Aber zur Beteiligung der Träger öffentlicher Belange bezüglich der Rahmenplanung hatten die Kommunalpolitiker keinerlei Fragen. Das änderte sich beim nächsten Punkt, dem Beschluss des Rahmenplans mit Entwicklungs- und Neuordnungskonzept für den Umgriff des Bahnhofs mit Jägergrundstücks. Dieter Petsch (Freie Wähler) wollte wissen, ob auch der ehemaligen Güterbahnhof in die Planung aufgenommen ist. Sonst müsste das ja nachgeholt werden, falls sich irgendwann an der derzeitigen Nutzung etwas ändert. Der ehemalige Güterbahnhof sei schon bei den vorbereitenden Untersuchungen vor vielen Jahren dabei gewesen, sagte Evi Mohr dazu.

Bahnhof gehört zur Innenstadt

Leo Pfennig (Freie Wähler) wollte nicht, dass auch dieser Beschluss völlig kommentarlos gefasst wird. Er verwies auf die seiner Meinung nach sehr wichtige Stellungnahme der Regierung von Unterfranken. Entgegen anderslautender Argumente sehe die Regierung die Altstadt und das Gebiet um den Bahnhof als Einheit. Aus dem Sachgebiet Städtebau bei der Regierung heißt es: "Die Stärkung der Innenentwicklung in Münnerstadt durch die Aktivierung der oben genannten Flächen ist von besonderer Bedeutung für die städtebauliche Entwicklung der Gesamtstadt, insbesondere auch für die potenzielle Entlastung der Altstadt in Hinblick auf die verkehrliche Infrastruktur." Die "Übersicht über die nächsten Schritte" zeige die geplanten Bau- und Ordnungsmaßnahmen zur funktionalen Stärkung und gestalterischen Aufwertung des Bahnhofs mit angrenzendem Areal auf. Es sei ja erklärtes Ziel gewesen, das Areal Bahnhof so zu überplanen, dass es zur Innenstadt dazugehört, meinte Helmut Blank.

Der Beschluss über den Rahmenplan fiel ebenso einstimmig wie über die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange bezüglich der Erweiterung des Stadtumbaugebietes. Schließlich stand noch die Entscheidung über die Erweiterung des festgelegten Stadtumbaugebietes an. Bereits vor vier Jahren war das Gebiet nach Osten erweitert worden, damit ein Neuordnungskonzept für den Karlsberg (Hallenbad, BBZ) möglich wird. Mit Schließung der BayWa-Filiale auf dem Jägergrundstück ist vor einigen Jahren eine großflächige Brache entstanden, die einen erheblichen städtebaulichen Missstand darstellt. Um gezielt Vorhaben umsetzten zu können, wurde nun das bestehende Stadtumbaugebiet um das Jägergrundstück erweitert. Auch dieser Beschluss fiel einstimmig.

Parkplätze geplant

Auf dem Jägergrundstück unmittelbar gegenüber dem Gymnasium soll ein Parkplatz entstehen, der mit Eröffnung des neuen Berufsbildungszentrums zwingend notwendig wird. Ebenfalls ein Parkplatz ist auf einer Freifläche neben dem Netto-Markt vorgesehen. Ob das ein Provisorium wird oder eine dauerhafte Lösung, muss der Stadtrat noch entscheiden. Für die Nutzung des Bahnhofsgebäudes, das sich im Eigentum der Stadt befindet, ist ein Ideenwettbewerb vorgesehen, bei dem die Münnerstädter beteiligt werden sollen.

Im Tagesordnungspunkt "Anfragen" rückte der Bahnhof noch einmal in den Blickpunkt. So lange die Bahnagentur von Adolf Kieslich geöffnet hatte, stand auch der kleine Warteraum im Bahnhof offen, erinnerte Dieter Petsch. Nun sei das Zimmer verschlossen, die Wartenden sind nun im Winter dem Wetter ausgesetzt. Die Verwaltung solle prüfen, ob das Zimmer nicht geöffnet werden kann. "Wir haben zwei Probleme, denn wir bräuchten auch eine Toilette", sagte Helmut Blank dazu. Die Öffnung des Raumes ließe sich nur über einen Schließdienst regeln, meinte er.

Rosina Eckert (Forum aktiv) wollte wissen, ob der Bahnhof als Quartier für Obdachlose genutzt wird. Das sei zwischenzeitlich der Fall gewesen, antwortete der Bürgermeister, seit zwei Monaten aber nicht mehr. Eigentlich gebe es einen Beschluss, den Bahnhof so nicht zu nutzen, hakte Rosina Eckert nach. Er habe keine andere Möglichkeit gehabt, einen Obdachlosen unterzubringen, deshalb habe er das so gehandhabt, betonte Helmut Blank. Und diese Entscheidung sei auch gut so gewesen.