50,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind Frauen, doch im bayerischen Landtag machen die Frauen mit 51 von 180 nicht einmal ein Drittel aus. Im Bunde...
50,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind Frauen, doch im bayerischen Landtag machen die Frauen mit 51 von 180 nicht einmal ein Drittel aus. Im Bundestag sind es etwas mehr, in den Stadt- und Gemeinderäten meist wesentlich weniger. Daran, dass die Parlamente künftig wirklich ein Abbild der Gesellschaft sind, arbeiten die 115 Frauen aus ganz Unterfranken, die sich am Samstag in der Festung Marienberg in Würzburg zum zweiten interkommunalen Aktionstag "Politik braucht Frauen" trafen.
Die unterfränkischen Gleichstellungsbeauftragten haben mit Unterstützung des bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familien und Integration diesen Aktionstag organisiert. Eingeladen waren erfahrene Kommunalpolitikerinnen und an der Politik interessierte Frauen jeden Alters.
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Die Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Christine Stühler nahmen aus dem Landkreis Haßberge auch Breitbrunns Bürgermeisterin Gertrud Bühl, Kreisrätin Sabine Weinbeer (Oberaurach) sowie Barbara Schweinfest, Wilma Frey und Sonja Müller aus Haßfurt an. Sie alle kamen mit dem Ziel, Netzwerke zu knüpfen, sich gegenseitig zu unterstützen sowie "Bündnisse für den Erfolg" zu schließen, wie Manuela Möller von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft ihr Referat nannte.
Auf den ersten Blick könne man eigentlich sagen, ein Drittel Frauen in den Parlamenten sei gar kein schlechter Wert "Aber der Wert stagniert seit den 90er Jahren und das weist auf ein strukturelles Problem hin", erklärte sie. Eines dieser strukturellen Probleme sei wohl auch die Wahrnehmung der Frauen selbst.
"Frauen glauben nämlich zu sehr an die Macht von Argumenten und Wissen und unterschätzen die Macht von Bündnissen", erläuterte Möller.
Nicht hinnehmbar
Diese Stagnation ist für Hildegund Rüger, die Präsidentin des Bayerischen Landesfrauenrates, nicht hinnehmbar, denn die gleichberechtigte Teilhabe stehe sowohl im Grundgesetz als auch in der bayerischen Verfassung. Daher werde ein Aktionsbündnis noch im November Verfassungsklage einreichen mit dem Ziel, das Wahlgesetz zu ändern. "Wir warten mit Spannung auf das Ergebnis", erklärte Rüger.
Kontrovers diskutierten die Frauen das Instrument der Quote. Viele scheuen eher davor zurück, weil sie nicht als "Quotenfrau" gesehen werden wollen. Dennoch werde es wohl ohne dieses Vehikel nicht gehen, meinte Hildegund Rüger.
sw