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„Red Farmer“ rücken bei Feuer aus


Autor: Fränkischer Tag

, Montag, 03. August 2026

Landwirte unterstützen bei Brandalarm die Feuerwehren – ihre Traktoren sind rot markiert
„Ich helfe den Helfern“ lautet das Motto der „Red farmer“, die dieses Motto auch plakativ zeigen. BBV/Torsten Gunselmann


Die Wälder brennen, das Wasser fehlt. Weitab von Straßen und Hydranten stehen Feuerwehren oft machtlos vor der Flammenwand. Eine neue Allianz in Bayern löst das Problem: Die „Red Farmer“ schicken Landwirte mit schwerem Gerät direkt an die Feuerfront. Freiwillig, effizient und professionell organisiert.

Ein Funke reicht. Der Mähdrescher schlägt auf einen Stein, das Metall blitzt, und Sekunden später steht der staubtrockene Acker in Flammen. Der Wind greift das Feuer und treibt es in den nahen Wald. Wenn die ersten Löschzüge mit heulenden Sirenen anrücken, stoßen die Helfer schnell an ihre Grenzen.

Die Wassertanks der roten Feuerwehrautos fassen oft wenige Tausend Liter. Das reicht für drei, vielleicht vier Minuten. Tief im Forst oder draußen auf den Feldern gibt es keine Hydranten. Das Wasser fehlt. Bis die Einsatzkräfte kilometerlange Schläuche zum nächsten Fluss verlegt haben, frisst das Feuer bereits hektarweise Getreide oder Holz.

Güllefass statt Hydrant

Genau hier greift eine Idee, die so simpel wie zwingend ist. Warum suchen die Retter nicht Hilfe bei denen, die ohnehin vor Ort sind und das passende Gerät besitzen? Landwirte haben Traktoren mit Allradantrieb, die sich mühelos durch Schlamm und Unterholz wühlen. Sie besitzen riesige Fässer, die sonst Gülle auf die Äcker sprühen. Im Sommer füllen kluge Bauern diese Tanks mit Wasser. Und sie spannen Grubber und schwere Pflüge an. Mit diesen Klingen reißen sie rasch metertiefe Gräben in den harten Boden. Sie trennen das brennbare Gras ab und hungern das Feuer aus, bevor es den Wald erreicht.

Netzwerk für den Notfall

Das digitale Projekt, das diese Retter bündelt, heißt „Red Farmer“. Es vernetzt Feuerwehren mit Bauern, die anpacken wollen. Über ein Online-Portal registrieren sich Landwirte. Sie tragen ein, welche Maschinen auf ihren Höfen parken und wo genau diese Fahrzeuge stehen. Brennt der Wald oder ein Feld, blickt die Feuerwehrführung in der Rettungsleitstelle auf das Portal.

Sie sieht sofort, wo der nächste Landwirt mit einem zehntausend Liter fassenden Wasserwagen wohnt. Ein Anruf genügt. Der Pager piept oder das Handy klingelt. Auf dem Display steht: „ Waldbrand , Löschwasser benötigt.“

Der Bauer lässt die Mistgabel fallen, sprintet zum Traktor , startet den Motor. Das Güllefass hat er im Sommer ohnehin mit Wasser gefüllt stehen, genau für diesen Fall. Minuten später pflügt er über das Feld, wo das Feuerwehrauto in dieser Zeit wenig ausrichten könnte.

Die Aktion entstand nicht am Schreibtisch. Bauern- und Winzerverbände erkannten das Potenzial. Aus der Nachbarschaftshilfe in anderen Bundesländern wurde ein landesweites Netzwerk. Es rettet Holz, Ernten und manchmal Menschenleben. Nun zieht Bayern nach.

Auf dem Acker von Landwirt Reinhard Friedrich in Wohlmuthshüll warben Mitglieder des Bayerischen Bauernverbands (BBV) und der Forchheimer Kreisfeuerwehrverband für die rote Flotte. Alle Kreisbrandräte und Leiter der Berufsfeuerwehren können das System für ihren Landkreis freischalten.

Bauer wird Feuerwehrmann

„Im Ernstfall brauchen wir jede helfende Hand“, sagt Kreisbrandrat Oliver Flake bei der Auftaktveranstaltung zu diesem Projekt im Landkreis Forchheim. Feuerwehr und Landwirtschaft trenne ohnehin wenig. Jeder dritte bayerische Feuerwehrmann arbeite im Haupt- oder Nebenerwerb auf einem Hof.

„Wenn heute der Wald oder ein Feld brennt, rufen die Kommandanten oft schon den Nachbarn an, damit der den Pflug anspannt“, erklärt Hermann Greif , Bezirkspräsident des BBV für Oberfranken. Das neue Portal hebe diese Nachbarschaftshilfe nun auf eine professionelle Ebene. „Niemand muss mehr blind herumtelefonieren, während das Weizenfeld brennt oder Bäume lodern“, so der Geschäftsführer des BBV Bamberg-Forchheim, Torsten Gunselmann. Allerdings kann kKein Einsatzleiter den registrierten Landwirt verpflichten, sein Tagewerk liegen zu lassen.

Keine Angst vor Schäden

Aber wer zahlt den Kratzer im Lack? Wer haftet, wenn der Bauer beim Löschen einen Zaun niedermäht? Die Retter haben diese Hürden abgeräumt. Der Gesetzgeber sichert die Helfer ab. Verletzt sich der Landwirt, zahlt die Kommunale Unfallversicherung. Zerstört die Hitze den Traktorreifen oder bricht der Pflug an einem versteckten Felsen, springt die Dienstleistungsversicherung der Gemeinde ein. Sie deckt alle Schäden ab, die die eigene Kaskoversicherung des Landwirts nicht übernimmt. „Niemand soll finanziell bluten, weil er das Eigentum anderer rettet“ betont Kreisbrandrat Oliver Flake .

Sogar die Einsatzkosten fließen zurück. Niemand verlange, dass Landwirte teuren Diesel aus eigener Tasche bezahlen oder beschädigtes Material selbst ersetzen. Die Helfer rechnen ihre Auslagen über die Stundensätze der Maschinenringe ab.

Die Landwirte bilden ein unsichtbares, aber extrem schlagkräftiges Netz. Der Forchheimer Kreisbrandrat Oliver Flake fasst das so zusammen: „Die ,Red Farmer‘ sind die Antwort der Praktiker auf eine Natur, die keine Fehler verzeiht.“