Druckartikel: Nach zwei Jahren wieder freie Fahrt in Gößweinstein

Nach zwei Jahren wieder freie Fahrt in Gößweinstein


Autor: Fränkischer Tag

, Mittwoch, 14. Oktober 2026

Die letzte Straßenabsperrung in der Pezoldstraße wurde beiseite getragen. Zweiter von rechts Zweiter Bürgermeister Manfred Hänchen. Thomas Weichert


Große Erleichterung und ein Hauch von Feierstimmung herrschten in Gößweinstein. Mit einem symbolischen Akt wurde die letzte Absperrung der Ortsdurchfahrt inmitten der Petzoldstraße beiseite geräumt. Nach einer langen und nervenaufreibenden Bauzeit ist der Kernort nun wieder komplett frei befahrbar.

„Ich glaube, es ist nicht vermessen zu sagen: Heute ist ein ganz besonderer Tag für Gößweinstein“, betonte der Zweite Bürgermeister Manfred Hänchen ( CSU ). Er vertrat den Bürgermeister Georg Rodler (FW/BMG/SPD), der sich auf einem Bürgermeisterlehrgang befand. Sichtlich erleichtert rief Hänchen in Richtung der versammelten Bürger und Projektbeteiligten aus: „Die Baustelle kommt weg – wir haben fertig!“

„Dekorativer Charakter“

Damit geht eine langwierige Phase der Einschränkungen zu Ende. Die Zeit der Absperrungen sei nun endgültig vorbei. Dass sich zuletzt ohnehin kaum noch jemand an die Barrieren gehalten hatte und diese laut Hänchen teilweise nur noch „dekorativen Charakter“ besaßen, spielte beim feierlichen Banddurchschnitt keine Rolle mehr.

Seit 2024 glich Gößweinstein einer einzigen, großflächigen Baustelle . Für viele Betroffene vor Ort zog sich die Maßnahme gefühlt wie eine Ewigkeit hin.

Ihren Anfang nahm die Großbaustelle am Behringersmühler Berg. Von dort aus fraßen sich die Bagger schrittweise durch den gesamten Ort. Als die mit Abstand größte logistische und nervliche Herausforderung entpuppte sich im Verlauf der Arbeiten die Petzoldstraße. Während deren Vollsperrung blieb dem Verkehr lediglich die Ausweichstrecke über den schmalen Finsterweg. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich dieser zu einem viel befahrenen Nadelöhr im gesamten Landkreis Forchheim.

Besonders hart traf die monatelange Sperrung die direkten Anwohner sowie die lokalen Geschäftsleute. Sie mussten erhebliche Behinderungen, logistische Hürden und nicht zuletzt spürbare finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. „Deshalb möchte ich mich ganz herzlich für euer Verständnis und ganz besonders für eure starken Nerven bedanken“, richtete Hänchen das Wort direkt an die Bürgerschaft. Die Menschen hätten viel aushalten müssen, das Megaprojekt aber dennoch solidarisch mitgetragen.

Marode Rohre

Der zwingende Grund für die Millioneninvestition war eine tiefgreifende Kanalsanierung. Ein Aufschub der Maßnahme war aus drei zentralen Gründen unmöglich: Zum einen waren die Rohre knapp 50 Jahre alt und marode. Zum anderen waren sie für die heutigen Anforderungen viel zu klein dimensioniert. Drittens galt es an strikte Fristen gebundene, erhebliche Fördermittel des Landes zu sichern.

Die Gesamtkosten der Baumaßnahme belaufen sich auf rund fünf Millionen Euro. Da es sich bei der Ortsdurchfahrt um eine Staatsstraße handelt, beteiligte sich der Freistaat Bayern mit rund einer Million Euro an den reinen Straßenbauarbeiten inklusive der Straßenentwässerung.

In diesem Zuge sprach Hänchen dem Projektleiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, Bernd Firmbach, seinen Dank aus. Die eigentliche Kanalsanierung wurden vom Freistaat zudem mit einer Förderquote von rund 40 Prozent bezuschusst.

Ein großes Lob ging auch an die bauausführenden Betriebe, allen voran an die Firma AS Bau aus Hof. Deren Geschäftsführer Thomas Dick war zur Verkehrsfreigabe angereist. Er bedankte sich für die Kooperation auf der Baustelle . Zugleich entschuldigte er sich für die Unannehmlichkeiten: Eine Baumaßnahme dieser Größenordnung lasse sich niemals völlig ohne Beeinträchtigungen abwickeln.

Ein ganz besonderes Lob der Gemeinde ging an den Polier Thomas Luding. Der Baustellenleiter hatte für die Sorgen der Anwohner stets ein offenes Ohr. „Dadurch wurden die Einschränkungen zumindest etwas erträglicher. Es lief so, wie man es sich für so ein Projekt nur wünschen kann“, lobte Hänchen.

Ebenfalls im Rampenlicht stand Bauamtsleiter Manfred Neuner. Als Gößweinsteiner war er rund um die Uhr als Ansprechpartner vor Ort und fungierte oft als Blitzableiter für den Unmut der Bürger . Neuner richtete Dank an die Bevölkerung sowie an die Fahrer der Müll- und Entsorgungsfahrzeuge: Sie hätten es stets geschafft, jede Tonne im Ort pünktlich zu leeren.