Warum viele Kirschbauern in der Fränkischen Schweiz aufgeben
Autor: Fränkischer Tag
, Donnerstag, 06. August 2026
Was nach einer Kleinigkeit klingt, entscheidet am Ende über den Preis für Kirschbauern wie in Igensdorf.
Die Blätter rascheln im Wind, die Kirschen leuchten in der Sonne. Im Kirschgarten hoch über Igensdorf fühlt sich Martin Friedrich fast wie im Paradies. „Die Aussicht ist schon herrlich“, sagt Friedrich und zeigt auf die malerischen Hügel der Fränkischen Schweiz. Doch die Idylle hat einen Haken.
Die Bäume hängen voll, doch die anhaltende Trockenheit hat Spuren hinterlassen. Während Friedrich hoch oben auf der Leiter pflückt, sortiert seine Frau Anja die Früchte am Boden und legt einige Kirschen auf eine rote Messschablone. Die meisten erreichen einen Durchmesser von 24 Millimetern. Für viele Supermärkte sind sie damit zu klein.
Die Folgen lassen sich in Euro und Cent messen. Für Kirschen dieser Größe erhält Friedrich bei der Genossenschaft derzeit nur zwischen 1,50 und 1,70 Euro pro Kilogramm. Erreichen die Früchte dagegen 28 Millimeter und damit die Extra-Klasse, steigt der Erlös auf bis zu 3,20 Euro pro Kilo. Nur vier Millimeter mehr – und der Betrag verdoppelt sich nahezu. „Die Hitze und Trockenheit haben unseren fränkischen Kirschen zugesetzt“, sagt Herbert Hubmann, stellvertretender Vorsitzender der Absatz- und Verwertungsgenossenschaft für Obst- und Gartenerzeugnisse Igensdorf und Umgebung.
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Viele Erzeuger hätten Schwierigkeiten, die von den Handelsketten geforderten Größen zu erreichen. Die meisten Supermärkte verlangten Kirschen der Klasse „1 plus“ oder „Extra“ mit einem Durchmesser von mindestens 26 beziehungsweise 28 Millimetern. Die Genossenschaft vertritt rund 1200 Kirschanbauer und betreibt Sammelstellen von Bieberbach im Norden bis Spalt (Landkreis Roth) im Süden. Jährlich vermarktet sie rund 1000 Tonnen Kirschen.
Doch die Größe der Früchte ist nur ein Teil des Problems. Gleichzeitig geraten die fränkischen Obstbauern durch steigende Kosten und die Konkurrenz aus dem Ausland zunehmend unter Druck. „Es kommt sehr viel Ware aus dem Ausland rein“, sagt Hubmann. Die Produktionsbedingungen seien dort sehr viel günstiger. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die heimischen Betriebe.
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„Bei uns wird alles sehr streng geprüft.“ Allein für Zertifizierungen zur Lebensmittelsicherheit gebe die Genossenschaft jährlich bis zu 40.000 Euro aus. Die Folgen zeigen sich auch bei den Erzeugern. Während die Genossenschaft in den 1970er-Jahren noch mehr als 2000 Mitglieder zählte, sind es heute nur noch rund 1200 Obstbauern. Die Region rund um Nürnberg gilt laut Genossenschaft weiterhin als eines der größten Süßkirschenanbaugebiete der Europäischen Union.
Wie viele seiner Berufskollegen ist auch Josef Arnold aus Großweingarten bei Spalt von dieser Entwicklung betroffen. Der 69-Jährige hat bereits Konsequenzen gezogen: „Ich bringe meine Kirschen schon seit Jahren nicht mehr zur Genossenschaft .“ Die Erlöse seien einfach zu gering. Stattdessen vermarktet Arnold seine Kirschen direkt ab Kirschgarten an die Kundschaft. Seine drei Töchter helfen in der Saison fleißig mit – wollen den Kirschgarten aber später einmal nicht mehr weiterführen.