Headbangen in Neunkirchen

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„JOVI – The Bon Jovi Show“ brachte beim Hemmerleinhalle Revival 2.0 den Sound und das Lebensgefühl der 1980er-Jahre zurück nach Neunkirchen.Eberhard Schorr
„JOVI – The Bon Jovi Show“ brachte beim Hemmerleinhalle Revival 2.0 den Sound und das Lebensgefühl der 1980er-Jahre zurück nach Neunkirchen.Eberhard Schorr

Beim Hemmerleinhalle Revival 2.0 feierten 1200 Besucher die örtliche Rockgeschichte mit sieben Bands

Sieben Tribute-Bands erinnerten in der Mehrzweckhalle beim „Hemmerleinhalle Revival 2.0“ an jene Gruppen, die einst in der legendären Hemmerleinhalle spielten und an Erlebnisse, die viele Fans bis heute nicht vergessen haben.

Halb erfroren kam Thomas damals in Neunkirchen an. Es war der 7. Februar 1984 und der heute 58-Jährige war mit dem Mofa von Forchheim hergefahren. In der Hemmerleinhalle spielte an diesem Abend Venom, eine britische Metal-Band, die später als Wegbereiter des Black Metal gelten sollte. Als Vorgruppe dabei: eine damals noch junge Band namens Metallica.

Vier Langhaarige kamen rein

Vor dem Konzert saß Thomas mit Freunden in einem Neunkirchener Gasthaus. „Wir haben ein Bier getrunken, dann ging die Tür auf, und dann kamen vier so Langhaarige rein“, erinnert er sich. „Das waren dann die vier Herren von Metallica.“ An diesem Abend spielte die Band ihr erstes Konzert in Deutschland. Mehr als vier Jahrzehnte später ist Thomas wieder dabei: Beim „Hemmerleinhalle Revival 2.0“.

Auch Jürgen Duske aus Erlangen hat die früheren Zeiten in Neunkirchen erlebt. Der 62-Jährige ging mit den Geschwistern der Familie Hemmerlein zur Schule und erfuhr deshalb früh, welche Bands nach Neunkirchen kamen.

Nach der Schule half er beim Aufbau und war hinter der Bühne dabei. „Ich war quasi bei jedem Konzert, egal bei welchem“, erzählt er. Mit Bands, „die damals noch sehr, sehr unbekannt waren“, habe er Zeit im Backstage-Bereich verbracht. Zu seinen Erinnerungen gehört eine Szene, die heute kaum vorstellbar ist: Mit Bon Scott und Angus Young von AC/DC spielte Duske in der Umkleide mit Coladosen Fußball.

Jürgen Duske freut sich, die Musik wieder in Neunkirchen zu hören. „Wenn du die Augen zumachst, wenn du nicht weißt, das sind Tribute-Bands, ist es eins zu eins“, sagt er.

Sägende Gitarrenriffs

Für diese Illusion sorgen auch Kleidung und Bühnenshow. Bei „The Big Ones“ erinnerte der Frontmann mit ausladenden Gesten an Aerosmith-Sänger Steven Tyler. Motörblast-Sänger „Dr. Ape“ glich Lemmy Kilmister auch optisch. Mit hoch gestelltem Mikrofon, sägenden Gitarrenriffs und treibendem Rhythmus brachte die Band das Publikum zum Headbangen.

Während in der Halle noch reichlich Platz blieb, wurde in den vorderen Reihen geklatscht, mitgesungen und gefeiert. Das Revival bot diesmal mit sieben Bands ein größeres Programm als im vergangenen Jahr, zog aber weniger Besucher an.

Nach Angaben von Veranstalter Joseph Thomann kamen 2025 mehr als 2000 Besucher, diesmal waren es rund 1200. Die Atmosphäre glich einem großen, herzlichen Wiedersehen, bei dem die Fans gemeinsam in Erinnerungen an die legendären Rockzeiten schwelgten. Das Publikum bestand überwiegend aus älteren Rockfans. Schwarze T-Shirts mit den Logos von Metallica, Motörhead, Judas Priest und anderen Bands gehörten zur Standardkleidung. Doch auch deutlich jüngere Besucher mischten sich unter die Menge.

Carolin mag Rammstein

So war Monika (68) mit ihrer Enkelin Carolin (11) gekommen. Monikas Konzertleidenschaft begann mit Status Quo in der Hemmerleinhalle, heute fährt sie jährlich zum Wacken Open Air. Carolin erlebte erst ihr zweites Konzert. Nach ihrer Lieblingsband gefragt, antwortete sie ohne Zögern: Rammstein.

Jutta und Charly aus Dormitz feierten mit Sabine und Michael aus Heidelberg. Seit ihrem Kennenlernen vor elf Jahren bei der Pyraser Classic Rock Night treffen sich die vier regelmäßig auf Konzerten. Ihr Urteil diesmal: „The Big Ones“ begeisterten Jutta und Charly, von der Metallica-Tribute-Band Sacarium hatten sie sich mehr versprochen.

Dass es überhaupt ein zweites Revival gab, lag laut Joseph Thomann am großen Erfolg des vergangenen Jahres. Viele Besucher hätten sich eine Fortsetzung gewünscht. Gleichzeitig sieht der Veranstalter das bisherige Konzept mit Tribute-Bands als weitgehend ausgeschöpft an: Sechs Gruppen spielten 2025, sieben waren es diesmal.

Künftig mit Originalbands?

Ganz beendet sein muss die Geschichte dennoch nicht. Thomann kann sich vorstellen, künftig Originalbands nach Neunkirchen zu holen, die noch auf Tournee sind. Als mögliche Namen nennt er Uriah Heep, Barclay James Harvest, Manfred Mann’s Earth Band und Saga. Einfacher werde die Organisation solcher Konzerte allerdings nicht. Nach Thomanns Angaben steigen die Sicherheitsauflagen. Das bedeutet mehr Aufwand, mehr Personal und am Ende höhere Kosten.

Jürgen Duske hätte gegen weitere Rockabende in Neunkirchen nichts einzuwenden. Und auch für Thomas, der 1984 halb erfroren auf dem Mofa zu Metallica fuhr, schließt sich an diesem Wochenende ein Kreis: Die Hemmerleinhalle ist als Konzertort Geschichte, ihre Musik und die Erinnerungen an sie aber leben weiter.