Druckartikel: Erinnerung an die letzten Kriegstage im April 1945

Erinnerung an die letzten Kriegstage im April 1945


Autor: Fränkischer Tag

Kirchehrenbach, Sonntag, 11. Januar 2026

Historiker Dr. Manfred Franze


Das Interesse an dem Thema ist auch nach fast acht Jahrzehnten ungebrochen: Der Margareten-Saal im Gasthaus Sponsel war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Historiker Manfred Franze seinen Vortrag „Die letzten Kriegstage im April 1945“ hielt. Eingeladen hatte der Kunst- und Kulturverein Kirchehrenbach – und das am Vorabend des 80. Jahrestages des Beginns der Nürnberger Prozesse .

Im Frühjahr 1945 war der Krieg längst entschieden, wie Franze erläuterte. Mit dem sogenannten Nero-Befehl vom 20. März 1945 hatte Adolf Hitler die Zerstörung der gesamten Infrastruktur im Reich angeordnet. Während die Front unaufhaltsam nach Norden vorrückte, spürte auch die Bevölkerung im Raum Forchheim die bevorstehende Niederlage. Nur noch wenige deutsche Soldaten standen den einmarschierenden US-Truppen gegenüber. Rückzugsgefechte, Verunsicherung und Angst prägten die letzten Tage des Krieges.

Trotz der aussichtslosen Lage versuchten Teile des Regimes, Widerstand zu leisten. Brückensprengungen und hastig organisierte Verteidigungsmaßnahmen des Volkssturms sollten den Vormarsch der Alliierten aufhalten – ein Vorhaben, das Franze als „verzweifelte Kraftakte Einzelner“ beschrieb. Parallel dazu warfen alliierte Flugzeuge Flugblätter ab, die zur Kapitulation aufriefen. In vielen Orten hissten die Bewohner rechtzeitig weiße Fahnen, um weitere Zerstörungen zu verhindern – andernorts kam die Einsicht zu spät.

Besonders tragisch waren Tieffliegerangriffe auf Flüchtlingsgruppen sowie die Sprengung mehrerer Brücken zwischen Bamberg und Forchheim. Noch heute existieren keine vollständigen amtlichen Zahlen über die Opfer dieser chaotischen Endphase, betonte Franze. Viele Tote seien nie erfasst worden, zahlreiche Schicksale bis heute ungeklärt.

Der Historiker legte großen Wert darauf, die Ereignisse nicht nur militärisch, sondern vor allem menschlich zu betrachten. Der Krieg, so Franze, sei bis in die kleinsten Dörfer der Fränkischen Schweiz vorgedrungen und habe tiefe Spuren hinterlassen – in der Landschaft, an Gebäuden und besonders in den Erinnerungen der Menschen.

Zum Abschluss zitierte Franze die amerikanische Historikerin Marci Shore: „Geschichte zeigt nicht, was passieren wird, aber was passieren kann.“

Manfred Wörner , Kunst- und Kulturverein Kirchehrenbach