Ein Leben ganz für Heiligenstadt

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Der Heiligenstadter Altbürgermeister Helmut Krämer feiert am Sonntag 70. Geburtstag. Josef Hofbauer
Der Heiligenstadter Altbürgermeister Helmut Krämer feiert am Sonntag 70. Geburtstag. Josef Hofbauer

Der Altbürgermeister Helmut Krämer wird 70 – Er bleibt aktiv mit E-Bike und Wanderschuhen

Das Fahrrad, das Helmut Krämer , Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Heiligenstadt, zu seinem 50 Geburtstag von der Gemeinde geschenkt bekommen hat, gibt es zwar noch, hat aber zwischenzeitlich ausgedient. Aber Krämer, der am Sonntag seinen 70. Geburtstag feiert, radelt fleißig weiter.

Jährlich legt er über 2000 Kilometer zurück. Jetzt auf einem E-Fahrrad. In diesem Jahr ist er mit Freunden über die Alpen bis nach Verona geradelt.

Die Gemeinde arrangiert zu Ehren des Altbürgermeisters einen Stehempfang. Das sei in Ordnung, aber eine große Feier hätte er abgelehnt. „Das passt nicht in unsere Zeit“, findet er. Der Tag beginnt für den fest im Glauben stehenden Jubilar mit einem Gottesdienst in der St Veits-/Michaelskirche.

Und nach dem Empfang nimmt sich Helmut Krämer ein paar Stunden Zeit für die Familie, seine Frau Brigitte, seine vier Kinder und die sieben Enkel. Am Abend wird dann mit Verwandten und Freunden gefeiert. „Besonders freut mich, dass ich meinen Geburtstag mit meinem sieben Jahre älteren Bruder feiern kann, der exakt am gleichen Tag Geburtstag hat“, freut sich der Jubilar.

Kein „großer Bahnhof“

Der Unterschied zu dem „großen Bahnhof“ anlässlich seines 50. Geburtstags, der mit viel Prominenz in der Oertelscheune gefeiert wurde. „Es ist familiärer geworden, ich stehe nicht mehr so sehr im Mittelpunkt. Und ich danke jeden Tag meinem Herrgott, dass es mir gesundheitlich gut geht.“

Helmut Krämer sagt, er lebe bewusster, schätze die persönlichen Freundschaften noch mehr und genieße die Zeit. Der Abschied von der Politik sei ihm nicht schwergefallen, denn er habe das Ende seiner politischen Laufbahn bewusst gewählt, blickt der Träger des Goldenen Ehrenringes der Gemeinde Heiligenstadt zurück.

„Als ich als Bürgermeister aufgehört habe, hat Corona voll zugeschlagen und das öffentliche Leben lahmgelegt“, erinnert sich Helmut Krämer . Als Bauernsohn und sehr naturverbundener Mensch hat er diese Zeit genutzt und alle Flüsse der Fränkischen Schweiz von der Quelle bis zur Mündung abgewandert.

Deshalb weiß er genau, dass die Aufseß 30, Püttlach und Leinleiter 20 Kilometer lang sind. Für die 78 Kilometer Wiesent von der Quelle bei Steinfeld im Landkreis Bamberg bis zur Mündung in Forchheim gönnte er sich drei Tage, an denen er die Natur bewusst erleben konnte.

Mit Folgen: Helmut Krämer engagiert sich seither als Wanderführer. Für den, im Heiligenstadter Gemeindeteil Siegritz geborenen Agrartechniker und Altbürgermeister sind Naturschutz, Landschaftspflege, Tourismus und Landwirtschaft keine Gegensätze, sondern ergänzen sich. So will er Interessierten die Besonderheiten der Region, die intakte Kulturlandschaft, die Kulturgüter und die Schönheiten im Naturpark Fränkische Schweiz und dem Frankenjura nahebringen.

Auch als Fahrer des Bürgerbusses lebt Krämer das Motto: „Was kann ich für die Allgemeinheit tun?“ Erst in diesem Jahr hat er den 2020 erworbenen „gelben Führerschein zu Fahrgastbeförderung“ erneuert.

Als Fahrer im Bürgerbus

Das Projekt wurde während seiner Amtszeit ins Leben gerufen, um den Bewohnern ohne eigenes Auto in den 24 Orten der Marktgemeinde die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Arztbesuche und Einkäufe im Hauptort sind dank des Kleinbusses und der ehrenamtlichen Fahrer kein Problem mehr.

Dankbar ist der für die Liste „Einigkeit“ angetretene Altbürgermeister, dass Parteipolitik während seiner Amtszeit im Rathaus so gut wie keine Rolle gespielt habe. „Geschmerzt hat mich aber, dass die Bevölkerung in Oberngrub total gespalten war, als dort die ersten Windräder errichtet wurden“, erinnert sich Krämer, der ein Vorreiter von Energie aus Windkraft war.

Zusammen mit 430 (ehemaligen) Kollegen hat er einen Bürgermeister-Appell ins Leben gerufen, der die Energiepolitik verändert habe. „Windkraft ist heute Staatsräson“, betont Krämer.

Bei einer fränkischen Brotzeit im Trabelsdorfer Windrad hätten Krämer und seine Mitstreiter Wirtschaftsministerin Katharina Reiche ( CDU ) verdeutlicht, was an der neuen Gesetzgebung in Sachen Energie nicht passe. „Wir sind mit der Energiewende in der zweiten Halbzeit, wir liegen in Führung, und deshalb muss jetzt ohne Verzögerung und ohne Trinkpause zu Ende gespielt werden“, verwendet der Club-Fan eine Formulierung aus dem Fußball.

Fan des 1. FC Nürnberg

Als ehemaliger Fußballer und FCN-Anhänger versucht er auch bei den Spielen des SC Markt Heiligenstadt dabei zu sein. Schließlich ist da sein jüngster Sohn Johannes als Spieler und Fußball-Abteilungsleiter aktiv. Darüber hinaus ist der Altbürgermeister als Opa seiner in Uttenreuth, Litzendorf und Freiburg lebenden Enkel gefordert.

Glücklich und erleichtert zeigt sich Helmut Krämer , dass die Großprojekte seiner Bürgermeister-Ära Positives für die Bürger der Marktgemeinde gebracht hätten. Stellvertretend nennt er die Hochwasserfreilegung in Heiligenstadt. „Als ich angefangen habe, war bei Hochwasser der ganze Marktplatz überflutet“, erinnert sich Krämer.

Das Bauherrenmodell, bei dem die Kommune Gelände erwarb und zu vergünstigten Konditionen an Bauwillige aus der Gemeinde verkaufte, ermöglichte es, junge Familien am Ort zu halten. „Auch der Glasfaseranschluss aller Gemeindeteile war eine richtige und weitsichtige Entscheidung“, blickt Helmut Krämer zurück.

Und was wünscht sich der ehemalige Gemeindechef für die Zukunft? „Wieder mehr miteinander“, lautet die spontane Antwort. „Als ich Kind war, stand vor jedem Haus eine Bank. Da saßen die Leute am Feierabend und haben sich mit den Nachbarn unterhalten.“ Diese Gemeinschaft sei weitgehend verschwunden, bedauert Helmut Krämer .

Geblieben ist ihm der Glaube und das Engagement für die Kirche. So wünscht sich Krämer statt persönlicher Geschenke eine Spende für die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden historischen Pfarrhauses aus dem Jahr 1663. Von den geschätzten Kosten – rund 300.000 Euro – muss die Pfarrgemeinde rund 100.000 Euro selber aufbringen.