Eine denkwürdige Ära ging in der von tiefer Tradition geprägten Pfarrei Leutenbach zu Ende. Die Seelsorge der Pfarrei Sankt Jakobus erfolgt künftig durch Pfarrer Oliver Schütz, der diese Aufgabe zusätzlich zu seiner Pfarrei St. Bartholomäus in Kirchehrenbach wahrnimmt. Pfarrer Alfred Beißer tritt nach fast 34 Jahren seines segensreichen Wirkens in Leutenbach aus gesundheitlichen Gründen seinen Ruhestand an.

Noch im Mai 2021 feierte Leutenbach im Beisein des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick das 400-jährige Bestehen seiner Pfarrei . Pfarrgemeinderatsvorsitzende Lydia Heilmann gab dabei einen kurzen Einblick in die Geschichte einer Glaubensgemeinschaft mit 1400 Mitgliedern in 13 Ortschaften. Im November 1620 hatte sich der lang ersehnte Wunsch einer eigenständigen Pfarrei Leutenbach , losgelöst von Kirchehrenbach, erfüllt. Sie hatte seitdem immer ihren eigenen Pfarrer .

Jetzt eröffnete Pfarrer Beißer zum letzten Mal den Gottesdienst. Er begrüßte dazu Pfarrer Florian Stark als Leiter des Seelsorgebereichs Fränkische Schweiz, Pfarrer Oliver Schütz, Pfarrerin Carina Knoke (Egloffstein) sowie die vielen kirchlichen Helfer der Pfarrei und Vertreter Gemeinde, an ihrer Spitze Bürgermeister Florian Kraft. Sein Dank galt allen kirchlichen Helfern der Pfarrei mit den zwei Filialen St. Moritz und Mittelehrenbach.

Treffend wählte Beißer die Lesung aus dem 1. Buch der Könige, wo Elija den Elischa salbte und den Mantel überwarf, der ihm dann spontan als Prophet und Diener folgte. Sinnbildlich erfolgte die Übergabe der Dienste nach diesem alttestamentlichen Ritus. Pfarrer Florian Stark zeigte den Kirchenbesuchern zunächst eine Urkunde von Erzbischof Schick, wonach er mit Wirkung 1. Januar 2022 zum Pfarradministrator der Pfarreien Leutenbach und Weingarts-Regensberg ernannt worden ist.

Den Schlüssel weitergegeben

Die Kirchenpflegerin Erika Roth ( Leutenbach ) und Reinhard Weber vertrauten ihm dann den Schlüssel an, stellvertretend für die Pfarrkirche und die Filialgemeinden. Stark gab den Schlüssel weiter an Johannes Körber , der für die künftige Verwaltung zuständig sein wird und in Ebermannstadt residiert. Der Schlüssel, so Stark, soll auch ein Schlüssel zum Öffnen der Herzen sein. In Anlehnung an die alttestamentliche Lesung warfen dann Pfarrer Beißer und Pfarradministrator Stark dem Nachfolger Pfarrer Oliver Schütz symbolisch das Messgewand über. Dieser zelebrierte dann auch die festliche Messfeier in Konzelebration. Ihren Dank für das ökumenische Miteinander überbrachte Pfarrerin Carina Knoke von der evangelischen Nachbargemeinde Egloffstein. Mit einem kleinen Präsent auch an Pfarrer Schütz und Florian Stark drückte sie ihren Wunsch nach weiterer guter Zusammenarbeit aus.

Bürgermeister Florian Kraft dankte dem scheidenden Pfarrer für fast 34 Jahre Wirken in der Gemeinde. Er würdigte die Arbeit im Kindergarten und die Spuren, die der Seelsorger hinterlassen habe. „Glaube und Kirche bleiben weiterhin ein fester Bestandteil unseres Lebens, auch wenn wir keinen Pfarrer mehr haben“, bekräftigte Kraft und sicherte Pfarrer Schütz in seinem künftigen Wirken ein offenes Herz und jede Unterstützung zu.

Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Lydia Heilmann verwies in ihrem Grußwort an Schütz auf die mannigfachen Aufgaben einer flächengroßen Gemeinde von Mittelehrenbach über Egloffstein bis Unterzaunsbach. Dazu gehören unter anderen ein Pfarrhaus, zwei Filialkirchen und eine sechsgruppige Kindertageseinrichtung. Beißer habe den Ehrenamtlichen immer einen großen Vertrauensvorschuss gegeben und viel Eigenverantwortung zugetraut. Ministrantin Marie Reck dankte anschließend mit einem kleinen Geschenk im Namen aller Ministranten.

Am 19. Februar 1988 trat Pfarrer Beißer seinen Dienst in Leutenbach an. Die Leutenbacher, ebenso wie die Weingartser, lernten sein ausgleichendes Wesen lieben und schätzen. Corona verhinderte eine große Verabschiedung, viele konnten der Feier aus Gründen der behördlichen Vorschriften im Kirchenraum nicht beiwohnen. Noch mehr denn bisher werden Laien gefordert sein, sich einzubringen.

Weingarts an Pinzberg übertragen

Bisher wurde auch die Pfarrei Weingarts von Pfarrer Beißer mitbetreut. In einem feierlichen Übergabezeremoniell waren dort die Verantwortlichkeiten vor kurzem von Pfarrer Beißer an Pfarrer Michael Gehret ( Pfarrei Pinzberg) übertragen worden.