Der Mordfall von Effeltrich 1950
Autor: Fränkischer Tag
, Freitag, 14. August 2026
Ahnenforschung: Als ein Kirschendiebstahl tödlich endete. Kathrin Heimann begibt sich als Enkelin auf Spurensuche /
Ein Korb Kirschen, eine Verfolgung, zwei Messerstiche: Am 9. Juni 1950 wurde der Effeltricher Bauer Johann Bayer getötet. 76 Jahre später sitzt seine Enkelin Kathrin Heimann, geborene Bayer, mit Ahnenforscher Christian Zametzer über ihrem Stammbaum. Mit Zametzers Recherche begeben sich beide weit in die Vergangenheit.
Der Fränkische Tag berichtete am 12. Juni 1950 unter der Überschrift „Die Bluttat von Effeltrich aufgeklärt“. Bayer half seinem Nachbarn beim Kirschenpflücken, als zwei Brüder aus Erlangen Kirschen verlangten. Nachdem die Bauern die Forderung abgewiesen hatten, nahm einfach einer der Männer einen gefüllten Korb und floh damit. Bayer lief ihnen nach.
Am Waldrand kam es zum Handgemenge; einer der Brüder stieß ihm zweimal einen Hirschfänger in die Herzgegend. Bayer brach zusammen.
Dank Hinweisen aus der Bevölkerung wurden die Täter wenig später festgenommen. Bis heute erschreckt, dass ein Streit um einen Korb Kirschen tödlich endete.
Der Mord geschah fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Erlangen und Nürnberg trugen noch Kriegsschäden; Lebensmittelkarten, Tauschhandel und „Hamsterfahrten“ aufs Land waren vielen gegenwärtig.
Johann Bayer war 1891 im Deutschen Kaiserreich geboren worden. Dass ihr Großvater im Ersten Weltkrieg gewesen war, war Heimann bekannt. Von Zametzer gefundene Kriegsranglisten liefern nun Hinweise darauf, wo er eingesetzt war: in Frankreich, nach mündlichen Überlieferungen auch bei Verdun. Sie deuten zudem auf Verwundungen und eine spätere Auszeichnung hin. Einzelheiten sind noch nicht abschließend belegt. „Ich wusste überhaupt nichts, wo mein Opa im Ersten Weltkrieg war“, sagt Heimann.
Nach dem Krieg musste Bayer wieder als Bauer arbeiten. Laut Heimann lag die Verantwortung für den Familienhof in Effeltrich auf ihm; seine jüngere Schwester Margarete lebte im Nachbarhaus. Heimann lebt heute auf diesem Familienhof weiter, den ihr Großvater damals bewirtschaftete. Nach ihren Angaben besteht er seit 1672 am selben Platz.