Druckartikel: Fleißige Kulmbacher sammeln in der Innenstadt unzählige Zigarettenstummel auf

Fleißige Kulmbacher sammeln in der Innenstadt unzählige Zigarettenstummel auf


Autor: Sonja Adam

Kulmbach, Sonntag, 18. Oktober 2020

Samstag, 10 Uhr. Während andere Jugendliche noch am heimischen Frühstückstisch sitzen, ist Stephanie Hahn schon aktiv. Die Schülerin der Berufsoberschule Kulmbach, die in der 13. Klasse auf ihren Absc...
Gemeinsam mit den Straßenreinigungsprofis sammelten die freiwilligen Helfer Zigarettenkippen, die andere achtlos weggeschnippt hatten.


Samstag, 10 Uhr. Während andere Jugendliche noch am heimischen Frühstückstisch sitzen, ist Stephanie Hahn schon aktiv. Die Schülerin der Berufsoberschule Kulmbach, die in der 13. Klasse auf ihren Abschluss zusteuert, hat sich für eine besondere Sammelaktion angemeldet. "Das war für mich gar keine Frage. Ich bin im sozialen Zweig und opfere gerne meine Freizeit", erklärt Stephanie Hahn. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs reichen ihr einen Abfallgreifer - und sie zieht los durch die Innenstadt.

Mit dem Greifer oder der bloßen Hand pult sie unzählige Zigarettenfilter aus den Fugen des Kopfsteinpflasters. Es ist nicht so einfach, denn die Kippen sitzen fest. "Das ist überhaupt keine Frage, dass ich mitmache. Ich bin selbst Raucherin, allerdings habe ich immer ein Einwegglas für die Kippen dabei", sagt Hahn und appelliert an andere Raucher, es ihr gleich zu tun.

Tatsächlich sind die Stummel nicht nur ein optisches Problem. "Wir waren im Sommer mit dem Enkel im Schwimmbad, und plötzlich hatte er eine Kippe im Mund", erzählt Dieter Hägele. "Man muss wissen, dass schon ein bis drei Kippen bei Kindern Vergiftungserscheinungen hervorrufen können", sagt der Mediziner. Ausgelöst durch das persönliche Erlebnis hat er sich näher mit den unliebsamen Hinterlassenschaften der Raucher beschäftigt. Ein Großteil der rund 75 Milliarden Zigaretten, die Jahr für Jahr allein in Deutschland geraucht werden, landet achtlos in der Natur oder auf der Straße. "Der Filter besteht aus Zelluloseacetat, sogar im Packeis hat man schon Überreste gefunden", mahnt Hägele.

5000 krebserregende Stoffe

Hinzu kommt, dass in Zigaretten 5000 krebserregende Stoffe enthalten sind. Aus Überzeugung, dass ein Umdenken dringend nötig ist, scheut sich Hägele nicht, bei der Aktion des Beirats "Natur, Klima und Umwelt" selbst mit anzupacken.

Dagmar Keis-Lechner und die anderen Freiwilligen wollen am Samstagmorgen ein Zeichen setzen. In Kulmbach gibt es regelrechte Hotspots: Am Omnibusbahnhof, am Soccer-Court, in der Fußgängerzone, in der Basteigasse, aber auch auf den Spielplätzen und in der Grünzone finden sich besonders viele Kippen. Auch durch Verbotsschilder lassen sich die Raucher nicht abschrecken. Normalerweise beseitigt der Bauhof die Hinterlassenschaften. 30 000 Euro gibt die Stadt Kulmbach jedes Jahr für die Müllbeseitigung aus. "Wir haben jetzt erst fünf Minuten gesammelt und haben schon so viele Zigaretten, dass der Boden des Eimers komplett bedeckt ist", wundern sich Karin Göppner und Veronika Reis, die ein Team bilden. Anja und Helene Heinzel sind rund um den Pavillon in der Basteigasse im Einsatz, wo sich allabendlich viele Jugendliche treffen. "Es fällt mir schwer, einen Raucher anzusprechen, wenn ich sehe, dass er eine Kippe wegschnippt", sagt Anja Heinzel. Dass auch ihre 13-jährige Tochter Helene mitmacht, freut die Mama. "Ich hab früher auch geraucht, aber es stört mich sehr, wenn man die Kippen einfach auf die Straße wirft", sagt Monika Friedl. Sie regt an, feste Raucherzonen auszuweisen oder Aschenbecher in der Innenstadt aufzustellen. "Wir würden gerne einen Sammelaschenbecher designen", greift Keis-Lechner die Idee auf.