Druckartikel: Fetzige Musik, flotte Lieder, freche Sprüche

Fetzige Musik, flotte Lieder, freche Sprüche


Autor: Klaus-Peter Gäbelein

Herzogenaurach, Freitag, 30. August 2019

Seit 25 Jahren greift Emmi Weiß in die Tasten ihres Akkordeons und nimmt gleichzeitig kein Blatt vor den Mund.
Emmi Weiß im Jahr 2007 mit (von links) Konrad Grasser, Hanni Nagel und Ludwig Spieß  Foto: Klaus-Peter Gäbelein


Klaus-Peter Gäbelein Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal Emmi Weiß live erlebt? Mussten Sie sich auch die Tränen aus den Augen wischen ob der Lieder und fetzigen Sprüche der umtriebigen Künstlerin?

Emmi Weiß ist eine waschechte Fränkin, in Großhabersdorf im Landkreis Fürth wuchs sie auf, und sie fiel auch auf, weil sie das besitzt, was man im Fränkischen "a Goschn wie a Schwert" nennt. Für Nichtfranken: Sie ist eine scharfzüngige Zeitgenossin!

Das spürt man spätestens dann, wenn "die Emmi" in die Tasten greift und am Akkordeon ihre Zuhörer und deren Eigen- oder Besonderheiten besingt. "A Göschla hodd sie scho, die Klaa", so ein Zuhörer, und "des Göschla geht wie gschmiert". Ihr fällt immer etwas ein, manchmal provozierend, aber niemals unter der Gürtellinie. Und bei all dem Applaus und all der Begeisterung, die sie vermittelt: Emmi Weiß ist und bleibt bescheiden und zurückhaltend bei allen Ovationen gemäß ihrer Devise: "Des hätt´s fei nedd brauchd!"

Dabei ist sie eine "Autodidaktin"! Genauer gesagt: Sie hat sich alles selbst angeeignet: das "Quetschnspieln", das "Gsedsla singa" - der Altbayer nennt solche "Gschdanzln". Und beides versteht sie inzwischen perfekt.

Entdeckt wurde sie in ihrer zweiten Heimat in Niederndorf und in Herzogenaurach, wo sie im Sportheim oder beim Hellers Hans in Herzogenaurachs guter Stube manch müde Wirtshausbrüder zum Mitsingen animierte. Das brachte ihr Auftritte in vielen Regionen Frankens, in Slowenien und in Kärnten. Mehrfach unterhielt sie zusammen mit Thomas Fink und weiteren Musikern und Sängern, das Publikum in der Partnerstadt Wolfsberg. Wer weiß, wie Emmis Laufbahn weitergegangen wäre, hätte sie das Angebot angenommen, bei der New Yorker Steubenparade zu spielen.

Vom Nürnberger Atrium Hotel bis in den Bayerischen Landtag, vom Musikantenstadl in Wachenroth bis zu Fernsehaufnahmen bei einer RTL-Show in Tuchenbach oder bei fränkischen Abenden im Redoutensaal in Erlangen hat sich die Stimmungskanone einen Namen gemacht. Die Rückblicke auf ihre musikalisch-künstlerische Laufbahn sind bisweilen so heiter, wie die Musikerin selbst! Beispiel gefällig? Bei einem Auftritt im Raum Lüneburg erhielt sie als Gage einen Sack bester Speisekartoffeln - auch nicht schlecht, wie sie im Nachhinein befunden hat.

Vielen Herzogenaurachern sind die Auftritte von Emmi Weiß bestens vertraut - schließlich ist sie seit einem Vierteljahrhundert dabei, wenn der Heimatverein in der Gaststätte Heller seinen Fasching abhält. Welch soziale Ader die Künstlerin besitzt, beweist die Tatsache, dass sie oftmals ohne Gage oder für "ein Butterbrot" spielt, wie bei Seniorennachmittagen in Stadt oder Landkreis.

Oft wird die Jubilarin von "ihren Männern" musikalisch begleitet. Mit "Hanni" Nagel und seinen verschiedenen Mundharmonikas sowie mit Ludwig Spieß und seiner Teufelsgeige kannte man sie früher. Später kamen die Bläser Johannes Friedrich und der Alt-Erlanger Konrad Grasser dazu; und inzwischen begleitet Fritz Rabenstein aus Schornweisach Emmi Weiß bei ihren Engagements.

Bei all diesem Talent hat die umtriebige Musikerin in den letzten Jahren auch noch ihre kabarettistische Ader entdeckt. Am 21. September startet sie mit ihrem neuen, humoristisch musikalischen Wirtshauskabarett "... wenn ich des vorher gwissd hädd...!" in der Kulturkneipe "Zum Schwarzen Adler" in Frauenaurach. Weitere Gastspiele in Mittelfranken folgen. Sie sind dem Flyer zu entnehmen, der in der "Kräuterhexe" in Herzogenaurach ausliegt.

Ist für Emmi Weiß ein Leben ohne Musik denkbar? Eigentlich nicht - Musik und Unterhaltung sind bei ihr Charaktersache: Was gibt es Schöneres, als Menschen zum Lachen zu bringen!? Denn: "Das Leben ist ernst genug", so Weiß.

Und das spürt man auch, wenn man sie als medizinisch-technische Angestellte und Heilpraktikerin in ihrer Praxis erlebt, wo sie ihren Patienten auch mit Akupunkturen und Fußreflexmassagen immer wieder auf die Beine hilft.