Fetzige Musik, flotte Lieder, freche Sprüche
Autor: Klaus-Peter Gäbelein
Herzogenaurach, Freitag, 30. August 2019
Seit 25 Jahren greift Emmi Weiß in die Tasten ihres Akkordeons und nimmt gleichzeitig kein Blatt vor den Mund.
Klaus-Peter Gäbelein Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal Emmi Weiß live erlebt? Mussten Sie sich auch die Tränen aus den Augen wischen ob der Lieder und fetzigen Sprüche der umtriebigen Künstlerin?
Emmi Weiß ist eine waschechte Fränkin, in Großhabersdorf im Landkreis Fürth wuchs sie auf, und sie fiel auch auf, weil sie das besitzt, was man im Fränkischen "a Goschn wie a Schwert" nennt. Für Nichtfranken: Sie ist eine scharfzüngige Zeitgenossin!
Das spürt man spätestens dann, wenn "die Emmi" in die Tasten greift und am Akkordeon ihre Zuhörer und deren Eigen- oder Besonderheiten besingt. "A Göschla hodd sie scho, die Klaa", so ein Zuhörer, und "des Göschla geht wie gschmiert". Ihr fällt immer etwas ein, manchmal provozierend, aber niemals unter der Gürtellinie. Und bei all dem Applaus und all der Begeisterung, die sie vermittelt: Emmi Weiß ist und bleibt bescheiden und zurückhaltend bei allen Ovationen gemäß ihrer Devise: "Des hätt´s fei nedd brauchd!"
Dabei ist sie eine "Autodidaktin"! Genauer gesagt: Sie hat sich alles selbst angeeignet: das "Quetschnspieln", das "Gsedsla singa" - der Altbayer nennt solche "Gschdanzln". Und beides versteht sie inzwischen perfekt.
Entdeckt wurde sie in ihrer zweiten Heimat in Niederndorf und in Herzogenaurach, wo sie im Sportheim oder beim Hellers Hans in Herzogenaurachs guter Stube manch müde Wirtshausbrüder zum Mitsingen animierte. Das brachte ihr Auftritte in vielen Regionen Frankens, in Slowenien und in Kärnten. Mehrfach unterhielt sie zusammen mit Thomas Fink und weiteren Musikern und Sängern, das Publikum in der Partnerstadt Wolfsberg. Wer weiß, wie Emmis Laufbahn weitergegangen wäre, hätte sie das Angebot angenommen, bei der New Yorker Steubenparade zu spielen.
Vom Nürnberger Atrium Hotel bis in den Bayerischen Landtag, vom Musikantenstadl in Wachenroth bis zu Fernsehaufnahmen bei einer RTL-Show in Tuchenbach oder bei fränkischen Abenden im Redoutensaal in Erlangen hat sich die Stimmungskanone einen Namen gemacht. Die Rückblicke auf ihre musikalisch-künstlerische Laufbahn sind bisweilen so heiter, wie die Musikerin selbst! Beispiel gefällig? Bei einem Auftritt im Raum Lüneburg erhielt sie als Gage einen Sack bester Speisekartoffeln - auch nicht schlecht, wie sie im Nachhinein befunden hat.
Vielen Herzogenaurachern sind die Auftritte von Emmi Weiß bestens vertraut - schließlich ist sie seit einem Vierteljahrhundert dabei, wenn der Heimatverein in der Gaststätte Heller seinen Fasching abhält. Welch soziale Ader die Künstlerin besitzt, beweist die Tatsache, dass sie oftmals ohne Gage oder für "ein Butterbrot" spielt, wie bei Seniorennachmittagen in Stadt oder Landkreis.