Bei der Veranstaltung "Perspektive Oberfranken" der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) diskutierten Kapitalmarktexperte Christoph Kaserer und Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender der vbw-Bezirksgruppe Oberfranken und der Kaeser Kompressoren, über das Thema "Regional - global: Herausforderungen im Welthandel".

Thomas Kaeser plädierte für europäische Bemühungen, um die Unsicherheiten der globalen Wirtschaft beizulegen, die auch Einfluss auf die oberfränkische Konjunktur hätten: "Wir als Vereinigung der bayerischen Wirtschaft sind der Ansicht, dass die Bemühungen um Reform und Veränderung an den Verhandlungstisch gehören. Die Eskalation von Strafzöllen und Gegenzöllen bringt keine Lösung. Hinzu kommen das gefühlt endlose Brexit-Chaos und der Handelskonflikt zwischen den USA und der Europäischen Union. Beides sorgt für große Verunsicherung bei den bayerischen Unternehmen." Die EU muss laut Kaeser alles tun, um die Handelsstreitigkeiten mit den Vereinigten Staaten vollständig auszuräumen. "Wir müssen den EU-Binnenmarkt vollenden und sein volles Potenzial ausschöpfen. Wir müssen zudem die Arbeitskräftemobilität mit praxisnahen Maßnahmen stärken und Hürden im Dienstleistungsverkehr weiter abbauen. Zudem muss Europa weiter auf den Abschluss bilateraler Handelsabkommen wie CETA oder JEFTA setzen."

Christoph Kaserer beurteilte die Situation im Welthandel mit Blick auf die Kapitalmärkte: "Wenn man den Prognosen, die man aus der Börsenkursentwicklung ableiten kann, Glauben schenkt, scheint man aktuell davon auszugehen, dass weder der Brexit noch der Handelskonflikt mit den USA dramatische wirtschaftliche Folgen haben werden." Viel bedeutender ist laut Kaserer, dass eine grundlegende Skepsis im Hinblick auf die wirtschaftliche Dynamik Deutschlands und Europas herrsche. "Dieses fehlende Vertrauen wiederherzustellen, liegt in unserer eigenen Hand und würde positive Wachstumsimpulse auslösen, die uns zumindest teilweise gegen die möglichen negativen Folgen des schwelenden Handelskonfliktes absichern würden. Für den Mittelstand wäre dies von besonderer Bedeutung." red