Es sitzen an diesem regnerischen Herbsttag Frauen auf dem Podium der Bundespressekonferenz, die schon vieles geschafft haben. Katja Kraus zum Beispiel, einst erfolgreich im Fußballgeschäft tätig, heute Geschäftsführerin einer Sportmarketing-Agentur. Oder Nora Bossong, mehrfach ausgezeichnete Autorin zahlreicher Bücher. Daneben die Schauspielerin und Produzentin Maria Furtwängler, einem breiten Publikum als "Tatort"-Kommissarin bekannt. Sie haben in ihrem Leben einiges erreicht, viele würden sogar sagen: alles erreicht. Aber mindestens eine Sache fehlt noch, und das ist die Gleichberechtigung mit den Männern. "Wir würden hier nicht sitzen, wenn wir glauben würden, es gäbe da einen Fortschritt", sagt Janina Kugel, die für eine Unternehmensberatung arbeitet und vorher Spitzenmanagerin bei Siemens war.

Kugel macht bei dieser Pressekonferenz den Anfang und gleich mächtig Druck. "Wir fordern Einfluss, Macht, Sichtbarkeit und Gerechtigkeit", sagt die gebürtige Schwäbin, die sich zumindest die ersten drei Dinge schon erarbeitet hat und der es, zusammen mit ihren Mitstreiterinnen, nicht in erster Linie um sich selbst geht. "Wir machen das für die, die nach uns kommen."

Parallel zur Pressekonferenz läuft in den sozialen Netzwerken ein Video, in dem weitere prominente Frauen für die gerechte Sache eintreten.

Umrahmt wird das von schlagkräftigen Begriffen und Ausdrücken. "It´s the women, stupid!", heißt es etwa, also übersetzt: Es sind die Frauen, Dummkopf! Oder auch: "#jetztreichts" und vor allem "#ichwill". Es sind dies sichtbare Zeichen eines neuen, täglich wachsenden Netzwerks von Frauen und Männern aus Wirtschaft und Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport.

Sie alle setzen sich unter anderem für mehr Frauen in Führungspositionen ein und haben gelernt, dass da ohne Druck nichts geht. Freiwilligkeit bringe gar nichts, sagt Kugel: "Wir brauchen gesetzliche Vorgaben".

Womit es dann auch um eine Frauenquote geht, von der Nora Bossong, die jüngste Frau auf dem Podium, "vor zehn Jahren noch nichts wissen wollte".

Damals sei sie von Frauen umringt gewesen, die in vielen Dingen Spitze gewesen seien. Doch nun, mit 38 Jahren, seien diese Frauen verschwunden, sie sei oft nur noch von Männern umgeben, sagt die Norddeutsche. Deshalb sei sie nun für eine Quote. Katja Kraus stimmt dem uneingeschränkt zu. Sie, die unter anderem acht Jahre im Vorstand des HSV saß, kennt die Realität. Und die sieht so aus, dass die Führungspositionen in der ersten und zweiten Liga nur zu knapp fünf Prozent von Frauen besetzt werden. "Ich halte eine Quote im Sport für zwingend notwendig", sagt Kraus. Im Fernsehen, berichtet Maria Furtwängler, kommen Frauen nur halb so oft vor wie Männer. Sie verschwinden zudem meist ab einem Alter von 30 Jahren nach und nach von der Bildfläche.

Was auch damit zusammenhänge, dass die Inhalte der Stücke überwiegend von Männern verantwortet würden, wie sie berichtet. Es brauche deshalb "mehr Frauen in kreativen und redaktionellen Schlüsselpositionen".

Einfach abwarten will auch Furtwängler nicht mehr. "Wir haben Jahrhunderte,und ohne uns darüber zu wundern, mit einer impliziten Männerquote gelebt. Es ist höchste Zeit für eine Frauenquote, und zwar in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen".

Das Gesetz für mehr Frauen in Führungspositionen (FüPoG II) könnte den Frauen zufolge Besserung bringen. Es sieht unter anderem eine Ausweitung der Frauenquote in Aufsichtsräten vor, doch der Gesetzentwurf steckt im politischen Betrieb fest. "Ich hoffe sehr auf die Bundeskanzlerin, ich hoffe sehr auf Frau Merkel, dass sie diesen Punkt doch noch anpackt", sagt die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger. Sie kann für den Wissenschaftsbetrieb ebenfalls von Fehlentwicklungen berichten. Etwa davon, dass nicht eines der großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute von einer Frau geleitet wird.

Mit einiger Sicherheit wird auch die nächste Bundesregierung nicht mehr von einer Frau angeführt und nach einigem Zögern - denn es soll bei dieser Pressekonferenz eigentlich nicht so sehr um Parteipolitik gehen - wird dann doch ein großes Bedauern über den Abgang von Kanzlerin Merkel sichtbar und darüber, dass ihr wohl ein Mann nachfolgen wird.

Veränderung, sagt Katja Kraus, sei gerade dringend notwendig. "Und es sind in der Regel nicht die, die die Systeme verändern, die sie selbst geschaffen haben".