"Das Erbsenzählen muss aufhören!" Hermann Hugel ist es leid. Seit fast 20 Jahren kämpfen er und seine Frau Ingeborg um ihre Anerkennung als Landwirte. Nun fand erneut eine Begehung des Gehöfts bei Ebersbach in der Gemeinde Ködnitz durch Mitarbeiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg-Kulmbach statt. Zwar waren sowohl Amtsmitarbeiter als auch das Ehepaar Hugel um einen sachlichen Umgangston bemüht, doch man spürte den Frust über die unendliche Geschichte.

Neuer Start nach der Insolvenz

Weiß man um die Hintergründe, kann man das auch verstehen. Denn eigentlich hatte das Ehepaar Hugel vor mehr als 20 Jahren Glück im Unglück. Die beiden bewirtschafteten den Röhrleinshof, den Herrmann Hugel von seinem Onkel gekauft hatte. Doch der Betrieb ging insolvent und die beiden verloren neben den Betriebsflächen auch ihr Wohnhaus.

In eine Stadtwohnung ziehen wollten sie nicht. Daher war die Freude groß, als ein befreundeter Landwirt ihnen sechs Hektar Grünland verkaufte, die sie vorher gepachtet hatten. Dass es gerade diese Flächen waren, hatte seinen Grund: Dort oben am Hang, etwas außerhalb der Ortschaft, standen bereits seit den 1980er Jahren zwei Gebäude: überdachte Heulager, die Hugel gebaut hatte, genehmigungsfrei als landwirtschaftliche Gebäude. Eines davon gestaltete sich das Ehepaar zur Hütte um. Sie legten einen Gemüsegarten an, einen Kartoffelacker, hielten Hühner und Schafe und versorgen sich so selbst. Ein Mitarbeiter des damaligen Landwirtschaftsamts riet ihnen zur Weidehaltung mit Pferden.

Den Rat nahmen sie sich zu Herzen, legten sich eigene Pferde zu und stellten gegen Bezahlung auch die von anderen Leuten mit ein. Derzeit sind es 14, Platz hätten sie für 20. Über die Direktvermarktung von Eiern, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Honig, bauten sie sich ein zweites Standbein auf. Fast alles in Eigenleistung geschaffen.

Eigentlich wäre die "Direktvermarktung und Pferdepension Hugel" ein Erfolgskonzept, wäre da nicht die Bürokratie. "Wir sind nicht im wilden Westen, bei uns gibt es Vorschriften", sagte AELF-Betriebswirtin Annegret Weber bei der jüngsten Ortsbegehung. Gemeinsam mit Landwirtschaftsdirektor Klaus Schiffer-Weigand wurde sie vom Landratsamt beauftragt, ein Wirtschaftlichkeitsgutachten erstellen. Denn es muss entschieden werden, ob das Ehepaar Hugel den Betrieb, den es nun seit mehr als 20 Jahren führt, überhaupt gründen darf. Landwirtschaftliche Betriebe haben laut Baugesetzbuch das Privileg, im Außenbereich von Ortschaften zu bauen. Die Hütte, in der die Hugels wohnten, wurde 2010 wegen fehlender Baugenehmigung abgerissen. Jetzt leben die beiden in einem umgebauten Viehhänger, einem selbst gezimmerten Tiny House.

Im Moment laufen drei Gerichtsverfahren zu bereits seit 2013 gestellten Bauanträgen. Es geht darum, zwei kleine Betriebsgebäude zu bauen und die Überdachung des Pferdestalls zu erweitern. Durch den Umbau eines Heulagers zum Pferdestall und die zusätzliche Überdachung, die die Hugels im Jahr 2010 anfügten, wird das Gebäude von Amts wegen eher als Schwarzbau betrachtet. Dabei hatten die Hugels nach eigenen Angaben immer versucht, die Vorschriften einzuhalten. Ingeborg Hugel sagt: "Für alle Gebäude auf dem Hof haben wir einen Bauantrag gestellt. Keiner wurde genehmigt oder gar bearbeitet."

2008 hatten sie eine kleine Halle gebaut, um Winterfutter für Pferde zu lagern, 2018 eine Mehrzweckhalle für Maschinen, allen voran Traktor, Koppelpflegegeräte und Miststreuer.

Hoffen auf Anerkennung

Vor Gericht muss entschieden werden, ob die "Direktvermarktung und Pferdepension Hugel" als landwirtschaftlicher Betrieb anerkannt wird. Falls ja, könnten die Hugels ihr Leben wie bisher weiterführen. Falls nein, müssten wahrscheinlich alle ungenehmigten Gebäude abgerissen werden - auch der Pferdepension droht das Aus. Für die Amtsmitarbeiter ist die Stellungnahme keine leichte Sache. "Es geht darum, ob das Betriebskonzept nachhaltig ist", erklärt Weber. Was ein landwirtschaftlicher Betrieb ist, definiert der Gesetzgeber nicht. Doch es gibt einen Leitfaden. Die gemeinsame Bekanntmachung zum Bauen im Rahmen land- und forstwirtschaftlicher Betriebe (Gembek) interpretiert das Baugesetzbuch. Darin steht, dass ein land- oder forstwirtschaftlicher Betrieb im Sinne des Baugesetzes eine organisatorische Einheit ist, gekennzeichnet von den Produktionsfaktoren Boden, Betriebsmittel und menschliche Arbeitskraft - nach einem langfristigen Plan. Der Betrieb muss "nachhaltig, ernsthaft und betriebswirtschaftlich sinnvoll" geführt werden von einem sachkundigen Leiter. Dabei zählt Hermann Hugels langjährige Tätigkeit auf dem Familienbetrieb durchaus. Nun geht es um Details, wie viele Stunden genau sie auf dem Hof arbeiten, was sie pro Pferd im Monat bekommen, für wie viel Geld sie ihre Kartoffeln verkaufen oder was ein Glas Honig kostet. Weber bestätigt: "Es ist eine Nische, die sie hier entwickelt haben."

Amt will "belastbare Zahlen"

Doch beim Amt brauche man "belastbare Zahlen". Im Vergleich zu einigen Nebenerwerbsbetrieben in der Region, schneiden die Hugels betriebswirtschaftlich sicherlich gut ab, mit Großbetrieben sind sie nicht vergleichbar. In der Gembek steht, dass es keine Mindestanforderungen im Hinblick auf Betriebsgröße und -intensität gibt, sondern, dass das "im Einzelfall anhand der allgemeinen Anschauung der jeweiligen Fachkreise, unter Berücksichtigung etwaiger regionaler Besonderheiten, zu bestimmen" ist. Landwirtschaftsdirektor Klaus Schiffer-Weigand sagt: "Bei bestehenden Nebenerwerbsbetrieben wird das lockerer gesehen. Wir müssen Neugründungen kritisch betrachten." Wenn man Ausnahmen mache, befürchte man Nachahmer. Die Hugels sehen reine Amtswillkür. "Wir sind ein normaler Bauernhof. Warum uns das Landratsamt seit 20 Jahren die Betriebseigenschaft versagt, ist nicht nachvollziehbar", betont Ingeborg Hugel mit Nachdruck.