Einen Schmatz für Mamaschatz
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, Mittwoch, 06. Mai 2020
Solange sie klein sind, ist es der Karottenbrei an der Wand. Das neue Lieblingsspiel "Frisör". Oder das Wasserschöpfen aus der Kloschüssel. Sobald sie größer werden, ist es der spontane Wutanfall beim...
Solange sie klein sind, ist es der Karottenbrei an der Wand. Das neue Lieblingsspiel "Frisör". Oder das Wasserschöpfen aus der Kloschüssel. Sobald sie größer werden, ist es der spontane Wutanfall beim Abendessen. Das stundenlange Badbesetzen. Der erste Rausch. In jedem Alter sorgen Kinder großzügig für Gelegenheiten, dass ihre Eltern fast der Schlag trifft.
Vieles, was im ersten Moment den Blutdruck auf 200 schnellen lässt, entwickelt sich im Lauf der Zeit freilich zur fantastischen Familienanekdote. Bei uns sind das zum Beispiel Erlebnisse früherer Muttertage. Da Mama, ein Kind der 60er, Konsum zu Muttertag ablehnte, beschlossen wir Geschwister, ihr eine ideelle Freude zu bereiten. Zumindest einmal im Jahr sollte sie nicht selbst das Frühstück richten müssen, sondern sich "in aller Ruhe" an eine Festtafel setzen. Um halb sechs ratterte der Kinderwecker. Zu dritt - den kleinen Bruder ließen wir schlafen - machten wir uns kichernd auf den Weg zur Küche. Dort hatten wir großen Spaß dabei, Kuchen zu backen (wie der Teig spritzt!), gefüllte Eier zu kreieren (ups, schon wieder ein Dotter am Boden), Wurst- und Käseplatten zu legen. Als wir Mama Stunden später wecken gingen, freuten wir uns wie die Schneekönige darüber, dass sie die Augen aufriss und uns überglücklich in die Arme schloss.
Viele Jahre später hat sie uns erzählt, dass sie einfach froh war, alle wohlauf zu sehen. Seit dem Schellen des Weckers sei sie bei jedem Klirren und Scheppern zusammengezuckt. Und es habe viel geklirrt und gescheppert. Am Ende sei sie erleichtert gewesen, als drei kleine Schlafanzugmonster ihr mit pappigen Fingern um den Hals fielen...
Warum ich das erzähle? Nun, weil irgendein Weiser es so eingerichtet hat, dass morgen nicht nur Muttertag ist, sondern auch Anti-Schlaganfall-Tag. Für alle Kinder, die irgendwann mal dafür gesorgt haben, dass ihre Mutter fast der Schlag traf, heißt das: Gebt ihr heute einen besonders großen Schmatz. Sie hat's verdient. Wer das nicht sieht, der hat schon einen Schlag.