von unserer Mitarbeiterin Sonny Adam

Untersteinach — Die kleinste "Orgel", die Orgelbaumeister Thomas Eichfelder für seine Stippvisite in der Untersteinacher Kirche mitgebracht hatte, hatte gerade einmal acht Pfeifen: Kleine, kurze Pfeifen in gedeckter Stimmung - das bedeutet, dass die Pfeifen nur halb so lang sein müssen wie normalerweise. Sie war mit einem Blasebalg ausgestattet, mit einer Mini-Klaviatur. Gespielt wird sie, indem man sie auf einen Tisch stellt oder einfach umhängt. "Eigentlich kann ich besser Orgeln bauen als spielen", stapelte der Orgelbaumeister aus Bamberg tief.
Tatsächlich spielt Eichfelder seit seinem 13. Lebensjahr. "Für mich war immer klar, dass ich Orgelbauer werden will", erzählt er. Bei Null habe er angefangen, inzwischen haben er und seine Frau Monika - ebenfalls Orgelbauerin - 49 neue Orgeln gebaut und konzipiert sowie mehr als 200 Orgeln restauriert. "Ich stamme aus einem musikalischen Elternhaus. Mein Vater war Lehrer und es war klar, dass der Lehrer oder eben sein Sohn die Orgel spielt", erzählte Eichfelder.
Bei seinem Besuch in Untersteinach hatte Eichfelder aber noch mehr Raritäten dabei: eine Truhenorgel - ideal, um Orchester und Sänger zu begleiten. Er zeigte ein Harmonium, eine Drehorgel und natürlich spielte Eichfelder auch auf der Untersteinacher Kegelladenorgel.
Besonders interessant war der Ausflug in die Historie. Die ersten Orgeln wurden nämlich nicht mit Luft betrieben, sondern mit Wasser. Schon 250 vor Christus konzipierte Ktesibios solch eine Wasserorgel. Die Römer entwickelten die Orgeln weiter, nahmen sie auf Schlachtwagen mit, um Feinde in die Flucht zu schlagen. "Erst in der Gotik kam die Orgel in die Kirchen", erklärte Eichfelder. Doch die gotischen Orgeln hatten sehr breite Tasten, teilweise waren drei und mehr Organisten nötig, um die Orgel "zu schlagen".
Sogar Einblicke ins Innenleben gewährte der Bamberger Orgelbaumeister. Er hatte aufgeschnittene Orgelpfeifen dabei und einen offenen Körper einer Schleifladenorgel mit freiem Blick auf die Ventile. Noch lange nach dem Vortrag stand der Orgelbaumeister Rede und Antwort. "Die Orgel wird nicht nur Königin der Instrumente genannt, weil sie unglaublich komplex ist", konstatierte Pfarrer Wolfgang Eßel und freute sich über die Vielzahl Interessierter, die sich für das Instrument, das "nur dazu da ist, den Herrn zu loben", interessierten.