Andreas Lösch

Bier. Es geht allein ums Bier. Es dürfte also normalerweise ein Bestseller werden, dieses Buch. Hat es doch das Lieblingsgetränk vieler Franken zum Thema, noch dazu spielt eine Episode daraus in Zeil.
Der Münchner Volk-Verlag hat den Band herausgebracht (ISBN 978-3-86222-209-4), weil das bayerische Reinheitsgebot heuer seit 500 Jahren besteht. Der ebenfalls in München angesiedelte Verein "comicaze" nahm sich der Sache an und trug Material und Ideen zusammen, um der jahrhundertealten Braukunst zu huldigen.
"Bier - Alles über den Durst" heißt das Werk, an dem über 40 Zeichner und Texter mitgewirkt haben. Sie erzählen Kurzgeschichten in Comicform, mal witzig, mal düster, mal fränkisch, mal international, mal mit und mal ohne historischen Bezug. Und? Es ist gut geworden.
Herausragend dabei, zumindest aus heimatlicher (aber auch aus künstlerischer) Perspektive: Die Geschichte von der "Alten Freyung" in der Zeiler Speiersgasse. Hier braut heute die Brauerei Göller ihr Bier, aber schon ab dem 16. Jahrhundert war dort ein Dreh- und Angelpunkt des mittelalterlichen Stadtgeschehens, seit 1514 gibt es das Brau- und Schankrecht in der Freyung. Und eine Besonderheit, die sich der aus Burgpreppach und heute in München lebende Texter Rainer Schneider zu Nutze machte: Gemäß eines bischöflichen Erlasses darf "kein Mensch verfolgt werden, solange er darinnen weilt". Ein Zufluchtsort also für alle, die was auf dem Kerbholz hatten. In dem launischen Comic kommt das dem Protagonisten zu Gute. Für die einheimischen Leser gibt es noch Insider-Gags: So tauchen unter anderem die stark mit Zeil verbundenen Namen Leisentritt und Winkler auf.
Texter Rainer Schneider (54, Künstlername "Sastre", spanisch für Schneider) und Mitbegründer des Vereins "comicaze" hat damit seiner Heimatregion ein schönes Tribut gezollt. Mitgeholfen hat Heimatforscher Ludwig Leisentritt, der Schneider einiges an Recherchematerial zum Thema Bier und über Zeil zur Verfügung gestellt hat, was auch im "Abspann" des Comics gewürdigt wird.
"Wobei sich die Forscher uneinig sind, ob es in der Freyung ein Asylrecht wirklich gab", sagt Leisentritt. Die Ironie dabei sei ohnehin, dass im 17. Jahrhundert ausgerechnet die Hexenrichter in dem Haus untergebracht waren. Als ob dort eine als Hexe bezichtigte Bürgerin jemals Unterschlupf gesucht hätte... Aber um Hexen geht es in dem Comic ja auch gar nicht. Sondern, wie schon erwähnt, allein ums Bier.