Es ist Nebensaison auf dem großen Campingplatz. Der Bäcker, der sonst täglich um 7.20 Uhr an der Schranke mit seinem Bäckerauto steht, hat Winterpause, das Restaurant "Aqua-Riese" hat geänderte Öffnungszeiten, und auch einige sanitäre Anlagen sind im "Winterbetrieb geschlossen" - so sagt es das provisorische Schild. Dennoch herrscht immer leichte Bewegung auf dem großen Areal zwischen Badesee und Riedsee.

Zum Jahresende kommt keiner

Tanja Heller vom "Aqua-Riese"-Team steht an der Rezeption des "Aqua-Riese"-Bades. Hier ist in den Monaten von November bis März die Anmeldung, das Einchecken für den Campingplatz, der wenige Meter daneben hinter der Schranke beginnt. Sie sieht im Computer nach: "20 Reservierungen sind es heuer. Die meisten sind am zweiten Weihnachtsfeiertag angereist und bleiben bis zum 2. Januar. Spontan kommt zum Jahresende keiner", sagt sie.

Als Gast des Campingplatzes gibt es 20 Prozent Rabatt auf den Eintritt im Sport- und Spaßbad und 20 Prozent Rabatt in der Gastronomie des "Aqua-Riese". Das kleine, aber gemütliche Restaurant hat von 10 bis 16 Uhr geöffnet, es gibt Wienerle, Salate, Currywurst, Schnitzel und Fisch; auch hausgemachter Kartoffelsalat steht auf der Speisekarte. Den Brötchenservice gibt es in der Nebensaison nicht, ebenso wenig den kleinen Kiosk.

Einen guten Tipp hat ein junger Mann mit Bayreuther Kennzeichen. Er campt zwar zum ersten Mal in Bad Staffelstein, weiß aber schon aus dem Internet, wo es täglich frische Eier zum Frühstück gibt: Eier, Marmeladen, Kartoffeln und Nudeln holt nicht nur er bei den "Wanderhühnern", dem Automaten eines Direktvermarkters in der Bischof-von-Dinkel-Straße.

Heidrun und Peter  Spiller  sind mit dem Wohnwagen angereist. Das Ehepaar aus dem Rems-Murr-Kreis war schon im Sommer in der Badstadt. Über Silvester sind die beiden zum ersten Mal da. "Unsere Junge könne gar net verstehe, dass wir mit dem Wohnwage reise: Ihr hätt' doch genüget Geld für ein richtige Urlaub, sage sie", schwäbelt Heidrun vergnügt. Auch Ehemann Peter ist gut gelaunt. Nach mehr als drei Stunden Anfahrt sind die beiden hier gut angekommen, alles Notwendige im Gepäck.

Seit mehr als 30 Jahren sind sie schon Camper, da kennt man sich aus, hat alles dabei: Aufbackbrötchen und eine "Kaffeemaschine" zum Drücken, Wurstgläser, Obst, Getränke - und eine Flasche Sekt zum Feiern. Mit dabei sind auch frische Eier von ihrem Landbauern. Das reicht bis Neujahr.

Einen Tag länger möchte Sven Schlipf   bleiben. Der junge Mann ist ebenfalls am zweiten Weihnachtsfeiertag angereist, zusammen mit einem gut befreundeten Ehepaar. Die haben praktischerweise gleich den Stellplatz nebenan, leider aber auch den gleichen matschigen Boden. Da könnte man im Winter doch etwas ausbessern, vielleicht ein bisschen Kies aufschütten. Darüber würden sich die drei Camper freuen.

Auch über die "Winterpause" einiger sanitärer Anlagen und über den im Winter fehlenden Brötchenservice sind die Gäste aus Baden-Württemberg nicht so glücklich. "Vielleicht sind wir auch zu verwöhnt", lenkt Frau Bayer ein.

Einladung zum Mitfeiern

Silvester feiern? "Kommen Sie zu uns, Sie sind herzlich eingeladen", sagt sie fröhlich.

Wie er den letzten Tag des Jahres 2019 verbringt, interessiert den jungen Nachbarn Sven jetzt auch nicht unbedingt. "Ah, ich bin froh, wenn ich kein'  Krach hab, wenn ich meine  Ruhe hab'", hofft er auf ein bisschen Erholung vom Alltag und schält grinsend seine Orange. Die Therme besucht er auf jeden Fall. Das wollen auch seine Bekannten, das Ehepaar  Bayer, ebenfalls aus dem Raum Ludwigsburg. Nur, wer holt die Frühstücksbrötchen? Dieses Mal haben die Camper keine Räder in ihren Wohnmobilen mit dabei.

Alles schon geplant

Ganz entspannt wollen Resi und Sigi Klein  aus Neumarkt in der Oberpfalz die letzten Tage des Jahres verbringen. Entspannt, weil durchgeplant: "Erst gehen wir in die Therme, die hat bis 17 Uhr offen; dann ein bisschen spazieren, und dann gut essen, erklärt das Ehepaar. Einen Tisch in der Pizzeria "Bei Manu" in der Innenstadt haben sie längst reserviert. Die beiden verbringen den Jahreswechsel normalerweise in Südtirol. In Bad Staffelstein sind sie zum ersten Mal. Gute Idee der beiden: Um mobiler zu sein, haben sie zusätzlich zum sperrigen Wohnmobil ihren Pkw mit dabei.