Die Grundschule Stockheim ist Umweltschule und die Schüler waren begeistert, als sie von der Aktion "Deckel drauf gegen Polio und Leben retten" hörten. Ja Hartplastikverschlüsse können Leben retten. Die erst kürzlich gegründete Initiative in Kronach von einigen Privatleuten sorgt für Furore.
"Es sind bereits 35 000 Deckel im Zwischenlager in Birkach", verrät einer der Initiatoren, Klaus Stengl aus Friesen. Von dort werden die Kapseln durch die Zentrale des gemeinnützigen Vereins "Deckel-drauf" in Nürnberg der Verwertung zugeführt. Die Mitarbeiter dort engagieren sich alle ehrenamtlich. Er holt gerade weitere 8000 Deckel an der Grundschule Stockheim im Schulhaus in Reitsch ab. Drittklässler zeigen, wie fleißig die Grundschüler waren. In nur wenigen Tagen haben sie 8000 Plastikverschlüsse gesammelt.
Aus dem Erlös dieser Deckel werden Schluckimpfungen gegen die Kinderlähmung in der Dritten Welt finanziert. Ein kleiner privater Kreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, für die bundesweite Aktion gegen Polio in der Dritten Welt ehrenamtlich auch im Raum Kronach aktiv zu sein. Es geht dabei um das Sammeln von Hartplastikverschlüssen, vor allem auf Einweg- und Mehrwegflaschen, aber auch auf Kosmetik- oder Zahnpastatuben, die meistens nicht wiederverwertet und als Müll entsorgt werden. Mit dem Sammelgut aus Polyethylen werden durch den Verkaufserlös Schluckimpfungen finanziert. Ungefähr 500 Deckel entsprechen dem Gegenwert einer Impfung gegen Kinderlähmung - 500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung, erklärt Stengl. Mit den 8000 Deckeln können 16 Schluckimpfungen finanziert werden, wodurch 16 Kindern das Leben gerettet werden kann. Ziel ist es, weitere Partner im Raum Kronach - vor allem Vereine, Schulen, Kindergärten, Getränkemärkte und Gaststätten - zu gewinnen, bei denen es möglich ist, in ihren Räumlichkeiten oder vorübergehend bei Festen kostenlos Sammelbehälter für Deckel aufzustellen. Dabei geht es von kleinen Eimern bis hin zu entsprechend gestalteten Grünen Tonnen mit einem Volumen von 120 Litern, die der Verein zur Verfügung stellen. Das Sammelgut wird bei Bedarf von den Initatoren wieder abgeholt, kann aber auch direkt im Wertstoffhof Birkach entleert werden. Natürlich kann auch jeder eigene Sammelbehälter befüllen. "Über jede Empfehlung oder Anfrage an unsere Kronacher Kontaktadresse freuen wir uns", sagt Stengl.
Nicht nur finanziell unterstützt wird die Initiative von der Präsidentin des Rotary Clubs Kronach, Anne Spörl, und von der Kronacher Stadträtin, Marina Schmitt. Sie freuen sich über jede weitere Unterstützung, die gegen Kinderlähmung geht und damit Leben retten wird. Mittlerweile machen bei der Aktion mehrere Schulen aus dem Landkreis Kronach und mehrere Betriebe mit. "Auch in Privathaushalten hat sich der Sammelvirus verbreitet", freut sich die gemeinnützige Initiative.