Für dreieinhalb Jahre muss ein 33-jähriger Rumäne hinter Gitter. Zudem muss er 1100 Euro Geldstrafe zahlen. Das Landgericht Bamberg verurteilte den Wanderarbeiter aus einer Gemeinde im westlichen Landkreis Bamberg für mehrere Attacken auf seine 35-jährige Ehefrau, die dabei schlimme Verletzungen erlitt. Das Opfer der brutalen Angriffe wollte dennoch nicht gegen den Peiniger aussagen.

Seit drei Jahren lebt das Paar zusammen. Es sind Jahre voller Gewalt. Daran haben auch die Heirat und ein gemeinsames Kind nichts ändern könen. Immer wenn Valerian (Name geändert) trinkt, wird er aggressiv. Und er trinkt oft. Neben Bier auch Whisky, Wodka und Cognac. Dennoch hält seine Ehefrau zu ihm. Sie liebe ihn noch immer, hörte man während des Prozesses. Gemeinsam wolle man den Alkohol bekämpfen.

Erkennen konnte man es daran, dass sie sich weigerte, im Zeugenstand gegen ihn auszusagen. Ob es vielleicht auch daran lag, dass er das gemeinsame Kind zu seinen Eltern nach Rumänien gebracht hatte, das konnte nicht geklärt werden.

In Fällen häuslicher Gewalt befragt ein Ermittlungsrichter die Ehefrau. Das soll verhindern, dass die Straftat nicht verurteilt werden kann, wenn die Ehefrau vor Gericht nicht aussagt, um ihren Ehemann nicht zu belasten. Dann kann der Ermittlungsrichter als Zeuge all das zu Protokoll geben, was die Geschädigte ihm erzählt hat. So kam es, dass Amtsrichter Matthias Bachmann diesmal als Zeuge auftrat.

Los geht es an Weihnachten

Die Serie, die nun vor der Zweiten Strafkammer aufgearbeitet wurde, beginnt am Heiligen Abend 2019. Schon länger wirft Valerian ihr vor, sich nicht genug um das Kind zu kümmern. Die Lage eskaliert bei der privaten Weihnachtsfeier. Plötzlich spürt sie einen Schlag ins Gesicht. Die Folge ist eine Platzwunde am Auge.

Im Laufe der Zeit wird es immer schlimmer. Die Schläge werden mehr, und sie werden brutaler. Im Mai 2020 etwa kommt nach Überzeugung des Gerichts ein Besenstiel zum Einsatz, der an der Wucht der Schläge zu Bruch geht. Danach ist die Ehefrau, die auf dem Wohnzimmersofa liegt, an einer Körperseite von all den Prügeln buchstäblich grün und blau, kann nicht einmal mehr laufen. Von den Ausholbewegungen bleiben Löcher in der Zimmerdecke übrig.

Den Höhepunkt der häuslichen Gewalt erlebt die Ehefrau Mitte Juni 2020. Als Valerian mit mehr als zwei Promille aus der Kneipe heimkommt, bekommt sie all seinen Frust ab. Mit Faustschlägen und Fußtritten malträtiert er sie. An ihren langen Haaren zerrt er sie so herum, dass sie diese büschelweise verliert. Zuletzt demütigt er sie, indem er die wehrlos am Boden liegende und wimmernde Frau anpinkelt.

Erst durch das Flehen der Ehefrau, um des gemeinsamen Sohnes willen nicht weiter zuzuschlagen, lässt er ab. Anschließend versucht er, seine Spuren zu verwischen, indem er sie im Bad abwäscht und neu einkleidet. Nur den Einsatz einer Rohrzange, wie noch von der Staatsanwaltschaft Bamberg angeklagt, konnte man Valerian nicht nachweisen. Sein Pflichtverteidiger Thomas Gärtner aus Bamberg deutete an, dass solch ein gefährliches Werkzeug auf Grund der "kräftigen Arbeiterhände" auch nicht notwendig gewesen sein dürfte.

Lebensgefährlich verletzt

Trotzdem reichte es angesichts der mindestens 19 Treffer am ganzen Körper für eine gefährliche Körperverletzung. "So viele Schläge in dieser Intensität sind lebensgefährlich", so Oberstaatsanwalt Michael Hoffmann. "Es braucht eine deutliche Strafe, wenn jemand danach so aussieht". Die Ehefrau kann sich gerade noch außer Haus zu einem Nachbarn retten.

Als die Polizeistreife eintrifft, hat Valerian bereits damit begonnen, den Tatort zu reinigen. Doch er kann nicht alle Blutspritzer an Wänden und Möbeln und die Haarbüschel auf dem Boden beseitigen. Auch ihre Verletzungen sind deutlich sichtbar. Neben Schürfwunden und Blutergüssen am ganzen Körper, massiven Prellungen und Schwellungen im Gesicht, einer Platzwunde über dem Auge und kahlen Stellen an der Kopfhaut ist es besonders eine gebrochene Rippe, die große Schmerzen verursacht.

"Ich bin nicht aggressiv"

Valerian selbst beteuerte immer wieder, ein liebender Ehemann zu sein. "Ich bin nicht aggressiv." Er gab seiner Ehefrau und deren Alkoholkonsum aber auch eine Mitschuld an den Vorfällen. Von einem "krassen Fall häuslicher Gewalt" sprach der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt, als er die dreieinhalb Jahre Haft verkündete. "Es wurde Zeit, dass er eingesperrt wurde. Man möchte sich die nächste Steigerung gar nicht vorstellen."