Viele Branchen kämpfen mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Auch Familie Bethäuser vom Circus-Luna-Hof in Langendorf ist davon betroffen. Lange Zeit drohte dem Kinder- und Jugendzirkus der Familie Bethäuser das finanzielle Aus. Seit über 18 Monaten jonglieren die Zirkus-Pädagogen häufiger mit Förderanträgen als mit Bällen. Aber mit Erfolg: In den vergangenen zwei Jahren hat das Ehepaar einiges erreicht - nicht nur für ihren Zirkus.

"In Bayern fällt alles, was nicht als Hochkultur zählt, in den Bereich Wirtschaft und wird somit nicht als wichtige Kultureinrichtung angesehen und gefördert", schildert Peter Bethäuser das Problem. Davon betroffen ist auch der Zirkus. Bedeutet: Der Kinder- und Jugendzirkus der Familie Bethäuser wird von den meisten Behörden als Unterhaltungsgewerbe angesehen und scheidet damit beinahe aus allen Förderprogrammen aus.

Wenige Monate nach Beginn der Pandemie startete der Zirkusdirektor deshalb eine Petition: "Öffentliche Förderung für den Circus-Luna-Hof als kulturelle Kinder- und Jugendbildung". In kürzester Zeit kamen 10.898 Unterschriften zusammen. Bethäuser liegt allerdings nicht nur die Förderung seines Circus Luna am Herzen. Durch die Petition erhofft er sich vor allem politische Aufmerksamkeit. Besonders wichtig ist ihm dabei die Anerkennung der zirkuspädagogischen Arbeit im Bereich der kulturellen Bildung in Bayern. Aber auch die allgemeine Stärkung von Kultureinrichtungen im Bereich Bildung sind für den Zirkusdirektor von großer Relevanz.

Zweiter Anlauf brachte den Erfolg

Mit der Unterstützung des SPD-Abgeordneten Volkmar Halbleib war es ihm möglich, die Petition im Bayerischen Landtag einzureichen. Hier durchlief sie nacheinander die Bereiche Soziales, Schule, Wissenschaft/Kunst und Wirtschaft - zunächst ohne Erfolg. Der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst hat sich allerdings, im Oktober vergangenen Jahres, erneut mit dem Anliegen der Bethäusers befasst. Beim zweiten Anlauf gab es gute Neuigkeiten für den Circus Luna. Alle Fraktionen waren sich einig, dass es sich bei der Zirkuspädagogik im Allgemeinen und speziell bei der Arbeit des Circus-Luna-Hof in Langendorf um einen wertvollen Bestandteil der kulturellen Bildung handelt.

Bayernweit bedeutet dies eine Gleichstellung der zirkuspädagogischen Arbeit mit anderen kulturellen Einrichtungen, wie zum Beispiel den Musikschulen oder der Theaterpädagogik. Dadurch sind für den Zirkus künftig auch die angebotenen Förderprogrammen leichter zugänglich. Auf anderer politischer Schiene erreichten die Bethäusers, dass der Circus-Luna-Hof als eine feste Spielstätte eingestuft wurde - vergleichbar mit einem Theater. Dadurch war es Bethäuser möglich, die Überbrückungshilfen in Form der bayerischen Spielstättenförderung zu beantragen.

Im September 2021 rief ebenfalls die Bundesvereinigung Kulturelle Bildung (BKJ) ein Förderprogramm ins Leben. Das "Aufholpaket Kulturelle Bildung", welches im Speziellen auch Hilfe für Theater, Tanz und Zirkus mit abdeckt. Inhaltlich ist dieses genau auf die Arbeit des Circus Luna in Langendorf zugeschnitten. Zur Beantragung wird lediglich ein öffentlicher oder freier Träger benötigt. Bethäuser wandte sich daraufhin an die Allianz des Fränkischen Saaletals.

Aber: Er bekam eine Absage. Holger Becker, von der Allianz macht deutlich: Ihnen ist bewusst, dass es sich bei dem Zirkus um eine wichtige kulturelle Einrichtung handle, deshalb habe die Allianz Bethäuser zu Beginn der Pandemie bereits einmal geholfen. "Wir hatten im September nicht die Möglichkeit Fördermittel für ihn zu beantragen, haben ihm aber andere Wege und Mittel aufgezeigt, um ihn bestmöglich zu unterstützen", betont er. Ein Träger fand sich schließlich aber trotzdem noch: Gemeindereferentin Monika Hufnagel von der katholische Pfarreiengemeinschaft Saalekreuz aus Elfershausen kam auf den Zirkusdirektor zu und bot ihm Unterstützung an.

Lockdown verhindert

"Wir nehmen natürlich viel lieber Förderung in Anspruch für praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die wir erledigen dürfen, anstatt in den Lockdown zu gehen und dafür Hilfe zu beantragen", begründet der Zirkus-Direktor. Ohne die Hilfe des SPD-Abgeordneten und der Pfarreiengemeinschaft Saalekreuz hätte Bethäuser auch im ersten Halbjahr 2022 wieder in den Lockdown gehen müssen, um einen erneuten Anspruch auf Überbrückungshilfe zu erhalten.

Mit Hilfe des Förderprogramms "Aufholpaket Kulturelle Bildung" finden derzeit acht wöchentliche Kursangebote mit über 110 Kindern und Jugendlichen statt. Außerdem haben Jugendliche ab 15 Jahren die Möglichkeit am Kurs "Qualifizierung zum Zirkusjugendleiter" teilzunehmen. In den vergangenen sechs Wochen nahmen bereits 40 junge Erwachsene aus ganz Franken - und darüber hinaus - teil. "Wir verstehen uns als sozialräumliche Kultur- und Bildungseinrichtung und möchten unseren Beitrag für einen, auch für Familien, lebenswerten Landkreis leisten", betont der Zirkuschef. Die Nachfrage sei enorm, macht der Direktor deutlich. Ab 1. Mai darf er auch wieder Schulklassen in seinem Zirkus begrüßen. Bislang haben sich 19 vierte Klassen aus dem Landkreis Bad Kissingen angemeldet.

Auch seine Circuscamps sollen in den Pfingst- und Sommerferien wie gewohnt stattfinden. Geplant sind acht Sommercamps mit bis zu 55 Teilnehmern. Auch hier freut sich der Zirkusdirektor bereits über mehr als 250 Anmeldungen. Es seien aber noch genügend Plätze frei, macht Bethäuser deutlich, speziell in den Pfingst- und Mitte der Sommerferien.

Detaillierte Konzepte

Die Planung des Hygienekonzeptes für die Veranstaltungen im Sommer ist zwar noch nicht möglich. Bethäuser ist allerdings positiv: "Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt lief immer sehr gut." Das individuelle Hygienekonzept war bislang immer sehr detailliert ausgearbeitet. Vereinfachend hinzu kommt, dass sich die Teilnehmer stets in konstanten Gruppen befinden. Dadurch war es der Familie möglich, die Camps auch in den vergangenen zwei Jahren stattfinden zu lassen. "Für Kinder und Jugendliche ist gerade jetzt das Recht auf kulturelle Bildung und Selbstentfaltung sehr wichtig, weil sie durch die coronabedingten Einschränkungen stark in der gesunden und altersgemäßen Entwicklung beeinträchtigt wurden", verdeutlicht er.