von unserem Mitarbeiter Helmut Will

Haßfurt — Warum sie eigentlich zugeschlagen hat, wurde in der Hauptverhandlung gegen eine 24-jährige Verkäuferin aus einer Ortschaft im westlichen Landkreis nicht bekannt. Diese hatte im April letzten Jahres in der Diskothek "Rainbow" in Knetzgau eine 20-jährige Kinderpflegerin in der Toilette an den Haaren gezogen und ihr das Knie ins Gesicht gerammt. Dafür erhielt die 24-Jährige jetzt eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen, insgesamt 1600 Euro.
Staatsanwalt Ralf Hofmann warf der Angeklagten vor, die Kinderpflegerin ins Gesicht getreten und sie mehrmals mit der Hand gegen den Kopf geschlagen zu haben, was die 24-Jährige nach Angaben ihres Verteidigers, Rechtsanwalt Alexander Wessel, auch einräume. Auch habe sie bereits an die Geschädigte 1700 Euro Schmerzensgeld überwiesen. "Das entspricht der Forderung, die gegen meine Mandantin geltend gemacht wurde", erklärte der Anwalt.
Die Geschädigte beschrieb im Zeugenstand, dass sie die Angeklagte gar nicht kannte. Auf der Tanzfläche in der Disco hätte ihr jemand plötzlich den Inhalt eines Glases ins Gesicht geschüttet, weshalb sie die Toilette aufgesucht habe. Dort sei dann die Angeklagte zu ihr gekommen, wohl um Streit zu suchen.
"Sie hat zu mir gesagt, du hast dich mit der Falschen angelegt", sie anschließend an den Haaren nach unten gezogen und mit dem Knie ins Gesicht gestoßen. Dadurch sei sie benommen gewesen. Ihre Freundin habe nach Hilfe gerufen und sie aus der Toilette rausgezogen.

Verdacht auf Jochbeinbruch

Wie die Geschädigte weiter erklärte, habe sie ein dickes Auge und einen schmerzenden Kopf davongetragen, im Krankenhaus wurde sogar erst von einem Jochbeinbruch ausgegangen. Das habe sich nicht bestätigt.
Richterin Ilona Conver stellte fest, dass von der Geschädigten Strafantrag gestellt wurde. Das Bundeszentralregister wies für die Angeklagte einen Eintrag aus dem Jahr 2013 wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung aus. Damals war sie zu 60 Tagessätzen je 30 Euro verurteilt worden. Im Gerichtssaal entschuldigte sich die Angeklagte bei dem Opfer.
Was den Staatsanwalt Hofmann aber wohl nicht beeindruckte. Er führte in seinem Plädoyer aus, dass er schon "mehr von Reue getragene Entschuldigungen" als die von der Angeklagten gehört habe. Auch seien die Verletzungen der Zeugin erheblich gewesen. "Einem das Knie ins Gesicht zu stoßen, zeugt schon von erheblicher Gewaltanwendung." Auch falle die Vorstrafe mit ins Gewicht.
Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, sowie eine Geldauflage von 600 Euro und die Auferlegung der Kosten der Verhandlung.
Das wertete Verteidiger Wessel als "etwas happig". Für eine einfache Körperverletzung reichten 50 Tagessätze aus. Die Angeklagte reagierte achselzuckend in ihrem letzten Wort: "Tut mir halt leid."
Richterin Ilona Conver verhängte eine Geldstrafe, die an den Tagessätzen gemessen streng ausfiel. Der letzte Voreintrag und die mit "erheblicher Brutalität" ausgeführte Tat mache das erforderlich, sagte sie. Dass die Verurteilte schon beim Täter-Opfer-Ausgleich an die Geschädigte 1700 Euro bezahlt habe, habe sie finanziell schon erheblich getroffen. Ob es der jungen Angeklagten klar ist? Die Richterin sagte ihr in aller Deutlichkeit, dass beim nächsten Mal eine Freiheitsstrafe fällig ist.