Die regionale Wirtschaft setzt nach einem Dämpfer zum Jahresbeginn ihren Pfad der konjunkturellen Erholung fort. Das meldet die IHK Mainfranken. Die Corona-Pandemie präge das wirtschaftliche Geschehen in Mainfranken allerdings nach wie vor, wenn auch unterschiedlich stark.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die Beurteilungen der aktuellen und zukünftigen Geschäftslage in einem Wert zusammenfasst, klettert im Vergleich zur Vorbefragung zum Jahresauftakt um 21 Punkte nach oben und erreicht mit 120 Punkten sogar ein höheres Niveau als zu Jahresbeginn 2020 - der letzten Befragung vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland.

"Die mainfränkische Wirtschaft ist auf Erholungskurs. Lage- und Erwartungsmeldungen haben das Vor-Corona-Niveau bereits wieder erreicht, dennoch zeigt unsere Befragung Licht und Schatten zugleich", erläutert Elena Fürst, IHK-Referentin für Konjunktur und Statistik.

Gut jedes zweite mainfränkische Unternehmen (45 Prozent) beurteilt die laufenden Geschäfte als gut, während 16 Prozent über schlechte Geschäfte klagen. Per Saldo erreichen die Lagebeurteilungen 29 Punkte - zu Jahresbeginn waren es noch zehn Punkte gewesen.

Heterogenes Bild

Doch ein Blick in die einzelnen Branchen zeigt ein sehr heterogenes Bild: Während Industrie, Bauwirtschaft, Großhandel und weite Teile des Dienstleistungsgewerbes von deutlich besseren Geschäften berichten, leiden Einzelhandel, Tourismus und von den Corona-Beschränkungen betroffene Dienstleistungsbereiche weiterhin stark, so Fürst. Jene Betriebe berichten von deutlichen Umsatzeinbußen, die sich nach und nach auch in ihrer Finanzlage bemerkbar machen. So verzeichnen 40 Prozent der Einzelhändler und 70 Prozent der Tourismusbetriebe Liquiditätsengpässe. Über alle Branchen hinweg liegt der Anteil mit 14 Prozent deutlich niedriger.

Die Aussichten auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten lässt auf eine weitere Erholung der mainfränkischen Wirtschaft hoffen. Der Anteil der Unternehmen, die mit besseren Geschäften rechnen, ist gegenüber der Vorbefragung von 22 auf nun 28 Prozent angestiegen. Gleichzeitig ist der Anteil der Pessimisten deutlich gesunken - von 32 auf nun 17 Prozent. Der Saldo bewegt sich mit elf Punkten erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder im positiven Bereich.

Die Unternehmen setzen künftig auf eine stärkere Inlandsfrage. Zudem erwartet die exportorientierte mainfränkische Industrie steigende Auftragszahlen aus dem Ausland, insbesondere aus der Eurozone, aus Nordamerika sowie dem asiatischen Raum.

Durch Investitionen sind außerdem neue Impulse für die Konjunktur möglich: 29 Prozent der Unternehmen möchten ihre Investitionsausgaben steigern, 15 Prozent reduzieren. Zu Jahresbeginn hatten positive und negative Investitionsplanungen noch gleich auf gelegen.

Auf dem regionalen Arbeitsmarkt zeichnet sich für die kommenden Monate jedoch kaum Bewegung ab, bei ihrer Belegschaftsgröße setzen die Betriebe auf Stabilität. "Langsam kehrt die Zuversicht nach Mainfranken zurück. In nahezu allen Branchen haben sich die Erwartungsmeldungen gegenüber Jahresbeginn zumindest etwas aufgehellt", so Fürst.

Dennoch sei die Entwicklung maßgeblich von positiven Prognosen der Industrie und weiten Teilen des Dienstleistungssektors getrieben. "Zwar hoffen viele der von den Corona-Beschränkungen betroffenen Branchen auf bessere Geschäfte aufgrund des Impf-Fortschritts und der bevorstehenden Sommermonate, dennoch fehlt vielen bislang eine klare Perspektive", meint die IHK-Konjunkturexpertin.

Außerdem würden steigende Energie- und Rohstoffpreise, Materialknappheit sowie unterbrochene Lieferketten viele mainfränkische Betriebe aus Industrie und Bauwirtschaft vor große Herausforderungen stellen. Ob Kunststoffe, Metalle oder Holz, viele Rohstoffe seien derzeit kaum zu beschaffen und wenn, dann nur mit deutlichen Preisaufschlägen - teilweise um mehr als 100 Prozent. Fürst hofft, dass die beiden Zugpferde der mainfränkischen Konjunktur nicht in voller Fahrt ausgebremst werden. "Steigende Impfzahlen, verstärkte Tests und gute Hygienekonzepte sind dabei wichtige Stützpfeiler, damit endlich alle Betriebe wieder ihre Arbeit aufnehmen können." Die Befragung wurde im Zeitraum vom 19. bis 29. April durchgeführt. Von 713 befragten Unternehmen haben sich 259 beteiligt. red