Zum Hallenneubau der Firma CS- Trans bei Grundfeld ging uns folgende Lesermeinung zu: Die Schönheit des Dreiecks Vierzehnheiligen-Staffelberg-Banz ist einzigartig. Nur ganz wenige andere Orte in Deutschland sind so reizvoll. Darum folge ich heute nach 20 Jahren in großen Städten gern dem Appell unseres ehemaligen Landrats Reinhard Leutner an die Jugend: "Kommt zurück in die Heimat!"

Als Heimkehrer möchte ich gerne eine Außenperspektive auf den Streit um die Logistikhalle in Grundfeld einbringen. Der persönlichen unternehmerischen Leistung des Logistikers wurde im Bürgerentscheid zu Recht Respekt gezollt. Das heißt aber vermutlich nicht, dass die Leute unbedingt eine große Halle im Maintal möchten. Reinhard Leutner hat über 25 Jahre lang dafür gekämpft, dass Staffelstein in den Rang eines Heilbades erhoben wird. Die Erhaltung der Natur in ihrer Schönheit ist für dieses Konzept die Grundlage.

Wer verstehen will, warum diese Schönheit einen hohen Marktwert hat, der blicke in die Lebensräume, in denen inzwischen die meisten Menschen wohnen: Man denke zum Beispiel an einen Stau auf der Landshuter Allee in München. Oder an das schöne Paris: Über der Stadt sieht man vom Mont- martre aus immer eine gelblich-braune Abgasglocke hängen. In London kann man sich nach einer Radtour von der Tower Bridge zum Parlament den Dieselruß von Bussen und Taxis aus den Augen kratzen. In Stuttgart stauen sich unten im zubetonierten Kessel der Innenstadt ausweglos Hitze und Abgase. Der Radler in Frankfurt atmet gleich drei giftige Gemische: Diesel- und Benzinabgase in der Innenstadt, Schweröl von Fracht- und Kreuzfahrtschiffen am Ufer des Mains und im Westen der Stadt Kerosinabgase vom nahegelegenen Flughafen.

Der Wert eines unbebauten Ackers liegt schon heute (und künftig noch viel mehr) genau im Kontrast zu diesen Eindrücken. Auch ist in Zeiten von Fridays for Future und neuen politischen Konstellationen nicht davon auszugehen, dass die politischen Rahmenbedingungen den rentablen Betrieb einer Logistikhalle für dieselgetriebene Lkw über die steuerliche Abschreibungszeit von 33 Jahren (also bis 2052!) hinweg erlauben werden. Für eine Investitionsruine wäre der Gottesgarten auf jeden Fall zu schade.

Deshalb ist der Bau einer 200 Meter langen Logistikhalle aus hässlichen Beton-Fertigteilen für die Abfertigung von großen Lkw zwischen Grundfeld und Lichtenfels keine gute Idee. Wer als Fan des Frankenliedes im Tal zwischen Lichtenfels und Staffelstein noch die Weite erleben will, die Viktor von Scheffel in der dritten Strophe besingt, der tut gut daran, sie nicht durch allzu viele und allzu hässliche Funktionsbauten aus der Welt zu schaffen. Eine bekannte, grellweiß in der Landschaft stehende Wäscherei am Fuße des Staffelbergs wird vielen als mahnendes Beispiel im Bewusstsein sein. Kluge Markenkern-Politik sollte darum weiter Bestand haben: Eine klare funktionale Trennung zwischen Bad Staffelstein als Kur- und Badeort und Lichtenfels als Schul-, Ämter-, Klinikums- und neuerdings Industriestandort ist ein Schlüssel zum Erfolg für beide Städte.

Die Politik sollte gemeinsam mit dem Unternehmer ein zukunftsfähiges Konzept erarbeiten, das auf die regionale Verteilung von Gütern, die über den Lichtenfelser Bahnhof in den Landkreis kommen, setzt. Mit den Ideen der 1980er Jahre die Kulturlandschaft der 1780er Jahre zu beschädigen und die Zukunft der 2080er Jahre als weithin begehrte Kur-Oase zu gefährden, ist jedenfalls nicht visionär, sondern traurig. Viele Menschen spüren das. Darum gibt es so viel Protest gegen den geplanten Hallenbau.

Rolf Hollering

Offenbach am Main/Lichtenfels