In etwas über einer Woche startet die Fußball-Europameisterschaft - doch die Vorfreude scheint in diesem Jahr deutlich gedämpft zu sein. Durch Einreisebeschränkungen und ein verringertes Ticketkontingent ist es nur wenigen deutschen Fußballfans möglich, die Nationalmannschaft live vor Ort anzufeuern. Damit wenigstens ein bisschen Fußballstimmung aufkommt, ist auch in Coburg der Wunsch groß, die Spiele bei einem Public Viewing verfolgen zu können. Doch wird das in diesem Jahr überhaupt angeboten?

Großes Event wäre "ein falsches Signal"

Sport schauen, wo Sport getrieben wird - das sorgt für eine besondere Atmosphäre. In den letzten Jahren war das Public Viewing an der HUK-Coburg-Arena auf der Lauterer Höhe aus diesem Grund sehr beliebt. In diesem Jahr muss das aber wohl ausfallen. "Bisher hat sich noch kein Anbieter mit uns in Verbindung gesetzt", sagt Sportamtsleiter Eberhard Fröbel. Er könne sich trotz stetig sinkender Inzidenz nicht vorstellen, dass in den Tagen vor der EM noch ein spruchreifes Konzept erarbeitet werden könnte. "Da das Public Viewing ohnehin nur vor der Halle stattfinden könnte, braucht es ein ausgeklügeltes System, um Infrastruktur und Stromversorgung außerhalb der Halle zu gewährleisten. Nun kommen durch die Corona-Pandemie noch Hygienemaßnahmen hinzu, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen", erklärt er. Und selbst wenn es einem Anbieter gelingen würde, alle notwendigen Auflagen zu erfüllen, könne es am Ende doch noch sein, dass das Ordnungsamt dem Vorhaben einen Riegel vorschiebt.

Das Risiko wolle niemand eingehen. "Ein derart großes Event in einer Stadt, die bis vor wenigen Wochen noch ein Corona-Hotspot war - das wäre ohnehin ein völlig falsches Signal", fügt er hinzu. Eberhard Fröbel sagt, er verstehe jeden, der sich nach Normalität sehne, doch er mahnt zur Geduld: "Ich sehe gute Chancen, dass bei der WM 2022 schon wieder alles ganz anders aussieht."Die zweite große Anlaufstelle für Fußballfans in Coburg ist sicherlich der Prinzengarten im Herzen Coburgs. Doch Wirtin Maria Franz hat ebenfalls keine guten Nachrichten für alle, die die EM außerhalb der eigenen vier Wände verfolgen wollen. Auf Nachfrage erklärt sie: "Wir sind in diesem Jahr leider auch raus." Die Entscheidung sei ihr nicht leichtgefallen, doch sie habe keine andere Wahl gehabt. Zurzeit seien die Inzidenzwerte in Coburg zwar im Sinkflug, aber: "Das Risiko, dass wir Zeit und Geld in ein Public Viewing investieren und am Ende coronabedingt doch wieder abbauen müssen, ist einfach zu hoch." Außerdem befürchte sie, dass die Stimmung leiden würde. Fußball, so Maria Franz, sei ein hochemotionaler Sport. "Wie soll das Feeling aufkommen, wenn man Abstand zueinander halten muss oder sich nach einem Sieg noch nicht einmal in die Arme fallen darf? Es wäre einfach nicht dasselbe."

Es scheint so, als wäre ganz Coburg in diesem Jahr eine fußballfreie Zone. Wirklich ganz Coburg? Nein, denn ein paar unbeugsame Kneipenbesitzer lassen sich von der Pandemie nicht unterkriegen und wollen Fußballfans in Coburg ein Public Viewing bieten. Christian Schmidt, Inhaber der Gaststätte "bei Adam", hat auf Nachfrage zugesichert, die Spiele der deutschen Nationalelf in seinem Biergarten zeigen zu wollen, sofern möglich. Und auch das Team der "Wohnzimmer Bar" im Steinweg steht in den Startlöchern. "Wir sind eine Sportsbar, natürlich zeigen wir die EM!", betont Inhaber Nima Khorsandi. Dazu werden im Außenbereich der Bar zwei große Bildschirme angebracht, in der Bar sind die Partien auf einer Leinwand und einem Fernseher zu sehen. "Bei schlechtem Wetter kann der Außenbereich überdacht werden, damit keiner nass wird", erklärt Nima Khorsandi. "In den letzten Jahren war das Angebot sehr beliebt", erzählt er. Wer im "Wohnzimmer" dabei zuschauen wolle, wie sich die deutsche Nationalelf ein letztes Mal unter der Führung von Bundestrainer Joachim Löw schlägt, sollte also auf jeden Fall vorher einen Tisch reservieren: "Das kostet nix und geht ganz fix über unsere Homepage."