Der Ärger ist nicht zu überhören, wenn Hildburghausens Landrat Thomas Müller (CDU) zu den Gerüchten um Schließungen bei Regiomed-Kliniken in Südthüringen Stellung bezieht. Der Regiomed-Aufsichtsratsvorsitzende ist sauer auf fünf Mitglieder des Kreistages von Hildburghausen. Die nahmen an einer Sitzung teil, bei der das Zukunftskonzept des Klinikverbundes Regiomed für den Standort Hildburghausen besprochen wurde. Teile dieser vertraulichen Gespräche wurden nach außen getragen. Allerdings - wie Müller betont - falsch.

Thema war das Krankenhaus in Hildburghausen. Dass der Konzern dort jährlich ein Defizit einfährt (2020 rund 3,5 Millionen Euro), ist nicht neu. Daher wird an einem Sanierungskonzept gearbeitet, das ebenfalls nicht neu ist. Es wurde weitgehend schon im Oktober besprochen. Was auch immer an Gerüchten verbreitet wird - Regiomeds Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke stellte gestern gegenüber Medien klar, was für Hildburghausen geplant ist. Tatsächlich wird es dort strukturelle Veränderungen geben. Labor und Sterilisation werden ausgelagert. Davon sind jeweils sieben Beschäftigte betroffen. Ihnen soll an anderer Stelle im Konzern eine Beschäftigung angeboten werden. Eine Schließung des Krankenhauses oder der Intensivstation ist aber nicht vorgesehen.

Erstversorgung, Grundversorgung und Notfallversorgung wird es weiterhin geben. Das Konzept sieht für die Zukunft 150 Betten für das Haus vor. "Diese können bei Bedarf auf 180 Betten als Maximalbelegung erweitert werden", sagte Alexander Schmidtke. Damit bleibt die Bettenzahl ungefähr gleich zum aktuellen Stand. Gleichzeitig wird Hildburghausen Zentrum für Altersmedizin im Südthüringer Raum. Schmidtke sprach von einer großen Chance, die sich damit für den Standort ergibt. Dass die Geburtsstation aufgegeben werden muss, liege nicht nur daran, dass sich kein Chefarzt finden lässt. Die Zahl der Entbindungen ist mit um die 200 zu klein. Generell haben kleine Krankenhäuser mit weniger als 200 Betten das Problem, dass zu wenige Patienten zu vielen Ärzten und Pflegekräften gegenüberstehen, sagt Schmidtke. In Hildburghausen liegt die Personalkostenquote von 78 Prozent mit Abstand am höchsten unter allen Regiomed-Standorten. Auch hier etwas zu verändern ist das Ziel des künftigen Konzeptes, denn auf Dauer kann das Unternehmen ein jährliches Defizit in Millionenhöhe nicht tragen.

Thomas Müller sieht das Krankenhaus mit dem angestrebten Konzept "auf einem guten Weg". Damit das Krankenhaus das Ziel einer "schwarzen Null" erreichen kann, braucht es aber Patienten. Dass die jetzt gestreuten Gerüchte über Schließungen das Vertrauen in der Öffentlichkeit schädigen, bringt den Aufsichtsratsvorsitzenden in Rage: "Das mit Veröffentlichungen aufs Spiel zu setzen, die auf Halbwissen basieren, ist abenteuerlich, fährlässig und dumm." Wenn er auch aktuell gute Chancen für die Zukunft des Krankenhauses in Hildburghausen sieht, so spricht Müller doch auch von einer "nach wie vor ernsten Lage".

Die Diskussion um die Zukunft in Hildburghausen hatte Kommunalpolitiker in Sonneberg auf den Plan gerufen. Sie forderten umgehend, die Kliniken in Sonneberg und Neuhaus am Rennweg zu stärken. Dort wurden aber Zukunftskonzepte schon umgesetzt und Schließungen oder erneute große Umstrukturierungen sind nicht geplant, sagt Alexander Schmidtke.

Zur wirtschaftlichen Situation des Regiomed-Konzerns wird das Unternehmen bei einer Bilanzpressekonferenz am Mittwoch, 9. Juni, Stellung nehmen. Alexander Schmidtke ging aber bereits vorab mit der Bundesregierung und dem Gesundheitsministerium hart ins Gericht. Dass die Ausgleichszahlungen, die Kliniken für das Vorhalten von Kapazitäten auf Covid-Stationen bekommen, nun schon zum 15. Juni eingestellt werden, beschert ein Minus gegenüber geplanten Einnahmen, was für Regiomed auf 18 Millionen Euro beziffert wird. "Einen Erlösausgleich für 2021 wird es erst 2022 geben, das führt zu einem Liquiditätsproblem", sagte Schmidtke.

Insgesamt sieht er den Klinik-Verbund wirtschaftlich stabil: "Wir sind in einer Sanierungsphase und in einer Pandemie, trotzdem sehen wir eine positive Entwicklung." Doch die Pandemie hat wirtschaftliche Spuren in vielen Bereichen hinterlassen. Das wird in die Planung weiterer Investitionen einfließen müssen.

So gingen während der vergangenen Monate die Zahlen der ambulant und stationär behandelten Patienten stark zurück. Wie schnell sich das ändern wird, wenn die Pandemie an Bedeutung verliert, wird die Zukunft zeigen müssen.