In Bayern lauern sie überall, in Franken erst recht: kulturelle Fettnäpfchen. Die Buchautorin, Journalistin und Bloggerin Nadine Luck ist ihnen nicht aus dem Weg gegangen, sondern hat so viele wie möglich aufgespürt und daraus ein Buch gemacht, den "Fettnäpfchenführer Bayern". Herausgekommen ist eine amüsante Mischung: einerseits vergnüglicher Roman über Jochen aus Wuppertal, der sich erst in Magdalena aus München und dann - nach einigen Missverständnissen - in Bayern verliebt, andererseits aufklärender Reiseführer über die Sitten, Gebräuche und Klischees des Freistaats angereichert mit historischen Fakten. Die 42-jährige Luck ist prädestiniert für ein solches Projekt - geboren im niederbayerischen Eggenfelden hat sie in München studiert und lebt seit sieben Jahren in Bamberg. So kann sie in den auf ein Lesezeichen gedruckten je zehn "Dos und Don"ts" auch darauf hinweisen, dass man Franken gegenüber besser nicht erwähnen sollte, "dass sie Bayern sind". Im Interview spricht die Wahl-Bambergerin über ihre eigenen Erfahrungen mit Fettnäpfchen in Bayern und Franken.

Wo lauern für eine gebürtige Niederbayerin die Fettnäpfchen in Bamberg - und in welches sind Sie als erstes getreten?

Nadine Luck: In den ersten Fettnapf bin ich gleich am Morgen nach unserem Umzug von München nach Bamberg getreten, als ich beim Bäcker Semmeln holen wollte und mit Brödla aus dem Laden gekommen bin. Auf dem Fuß folgte damals Fettnapf Nummer 2: Ich hab mich laut darüber gewundert, warum es keine Semmeln gibt, obwohl ich doch immer noch in Bayern wohne. Auf die Reaktion der Bäckerin hin habe ich erst kapiert, dass ich mich gar nicht mehr in Bayern befinde, sondern in Franken! Das war schon erstaunlich, aber inzwischen fühl' ich mich ganz wohl zwischen Brödla statt Semmeln, Klößen statt Knödeln und einem kurzen Ade zum Abschied.

Wie sind Sie auf die Idee für dieses Buch gekommen?

Mein Verlag hat schon viele Fettnäpfchenführer für diverse Länder von Japan bis Südafrika im Programm - für eine deutsche Region aber gab es noch keinen. Da ich bereits das Buch "Die Nabel der Welt" über Babybräuche aus aller Welt für den Verlag geschrieben habe und der Verleger auch wusste, dass ich in Nieder- und Oberbayern gelebt habe und jetzt seit sieben Jahren Wahlfränkin bin, hat er mich gefragt, ob ich das Bayern-Buch übernehmen will. Immerhin weiß ich ja sehr genau, wo der Weißwurstäquator verläuft. In meinem Fettnäpfchenführer geht es darum, dass Jochen aus Wuppertal zur Liebe seines Lebens - ausgerechnet einer Münchnerin - reist und an ihrer Seite den Freistaat kennenlernt, von Passau bis zum Spezikeller, vom Club bis zur Wiesn. Dass mein Mann wie der Held im Buch ein Zugereister aus Nordrhein-Westfalen ist, tat der Geschichte keinen Abbruch...

Bamberg hat in ihrem Buch einen Gastauftritt - welche Rolle haben Sie Ihrer Wahlheimat zugedacht?

In Bamberg feiert Jochen aus Wuppertal seinen Junggesellenabschied, er lernt hier das Rauchbier kennen und die Tatsache, dass Keller nicht immer unten sein müssen. Er bewundert den Popstar unter den gotischen Statuen - und kämpft gegen "haddes" und weiches B. Klar könnte er sich auch vorstellen, hier zu leben - doch Bambergs beste Lage ist ja schon durch ein Gefängnis besetzt...

In Ihrem erfolgreichen Blog www.mama-und-die-matschhose.de schreiben Sie über Ihr Leben als Mutter. Sind Ihnen dabei auch schon Missgeschicke passiert?

Wenn Sie meine Kinder fragen: dann ständig. Alles, was ich anpacke, findet vor allem die Erstklässlerin ganz schön peinlich: Wenn ich mir die Haare anders schneiden lasse, als sie sich das vorstellt, wenn ich mit anderen Eltern tratsche oder sie zu früh von einer Spieleverabredung abhole. Und klar passieren mir auch echte Missgeschicke, etwa wenn ich mich dabei erwischen lasse, wenn ich heimlich die Schokolade der Kinder klaue. Und mal ehrlich: Wir tappen doch alle ständig in Fettnäpfchen, oder?

Haben Sie einen Tipp für alle, die in ein Fettnäpfchen getreten sind, wie man am besten mit dieser Peinlichkeit umgeht?

Na klar: Am besten ist es, die Flucht nach vorne anzutreten und herzlich über sich selbst und die Situation zu lachen. Dann klappt es auch mit den Einheimischen. Die Fragen stellte

Michael Memmel