Der Arm der EU reicht weit. Manchem gelegentlich zu weit. Er reicht aber auch weit, wenn es um Förderung geht - bis hin zu kleinen Dingen. Stadt und Land Coburg profitieren von einem Kleinprojektefonds des Leader-Förderprogrammes der Union. Seit 2017 wird daraus bürgerliches Engagement für die Gestaltung der Heimat unterstützt. Jetzt wurden die Vorhaben präsentiert, die in diesem Jahr Geld aus dem Fonds bekommen.

Leader ist ein Programm, das bereits sehr lange existiert. "Wir haben die Initiative Rodachtal in den ersten Jahren praktisch nur mit Leader-Fördermitteln aufgebaut", sagt Hendrik Dressel, der damals Bürgermeister in Seßlach und einer der Initiatoren des grenzüberschreitenden Zusammenschlusses war.

"Hendrik Dressel war damals der Mister Leader der Region, das kann man so sagen", bestätigt Michael Busch. Coburgs früherer Landrat ist jetzt Abgeordneter der SPD im Bayerischen Landtag und noch Vorsitzender des Vereins Coburg Stadt und Land aktiv. Der Verein wählt die Vorhaben aus, die jedes Jahr aus dem Fonds für Kleinprojekte unterstützt werden. 25 000 Euro sind das Budget für fünf Jahre. 5000 Euro können also jedes Jahr vergeben werden.

"Wir haben Projektaufrufe 2017, 2018 und 2019 gestartet", sagt Tobias Gruber, LAG-Manager für die Leader-Region Coburger Land. 31 Anfragen bekam der Verein darauf. Zwölf wurden bisher ausgewählt, acht davon sind abgeschlossen. "Das zeigt, dass Bedarf da ist", sagt Gruber.

Leader-Förderung soll es für die Region auch nach 2021 geben. Die Region weiter im Programm zu halten, unterstützt Michael Busch. Ebenso soll versucht werden, weiterhin auch Mittel aus dem Kleinprojektefonds zu erhalten. "Hier engagieren sich Menschen direkt für ihre Heimat, das sollte weiter gefördert werden", ist Michael Busch überzeugt.

Beispiele unterstützter Projekte nennt Tobias Gruber. Etwa eine Quellfassung bei Großgarnstadt, eine Wanderstation am Neustadter Muppberg oder den Naturlehrpfad bei Fürth am Berg. In diesem Jahr gehen Fördergelder an das Netzwerk Bad Rodach begeistert, das Informationstafeln an historischen Orten in Rodacher Stadtteilen aufstellen möchte. 2000 Euro gibt es dafür aus dem Fonds. Die Neugestaltung des historischen Dorfbrunnens im Rödentaler Stadtteil Thierach durch die Dorfgemeinschaft Kipfendorf/Thierach bekommt 2500 Euro. "Wir wollen den Brunnen wieder funktionstüchtig herrichten", erklärt der Vorsitzende des Vereins, Christian-Bernd Reinhardt.

Jugendlager sucht Sponsoren

500 Euro gehen schließlich an den Verein Gmünder in Europa, dessen Präsident Hendrik Dressel ist. Er möchte im Spätsommer ein internationales Jugendzeltlager ausrichten. Bis zu 200 Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern sollen dazu auf die Freizeitanlage in Autenhausen kommen. "Grenzenlos" heißt das Motto des Jugendcamps. "Wir wollen jungen Leuten vor Ort zeigen, was die Grenze früher für die Region bedeutet hat", nennt Dressel seine Beweggründe. Bei geschätzten Kosten von 25 000 Euro sind die 500 aus dem Fonds der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Hendrik Dressel ist daher auf der Suche nach Sponsoren.

Wohlhabende profitieren mehr

Beim Blick auf die Statistik des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten fällt auf, dass die Bezirke Oberbayern und Niederbayern deutlich mehr Projekte in der eigentlichen Leader-Förderung (nicht im Kleinprojektefonds) gefördert bekamen. "Es ist so, dass die großen Projekte oft beispielsweise 60 Prozent Zuschuss bekommen, wenn die nötigen Eigenmittel dann nicht da sind, dann kann die Förderung nicht abgerufen werden. Regionen, die finanziell besser dastehen, profitieren dann davon. Die haben ja die Eigenmittel", erklärt Michael Busch. So profitieren wohlhabende Regionen stärker von der Förderung als weniger wohlhabende. Für Busch "ein Problem".