Druckartikel: Die Epilepsieberatungsstelle gibt Unterricht in der Hofheimer Altenpflegeschule

Die Epilepsieberatungsstelle gibt Unterricht in der Hofheimer Altenpflegeschule


Autor: Martin Schweiger

Hofheim i. UFr., Montag, 22. Juni 2020

Martin schweiger Fünf Prozent aller Menschen weltweit erleiden einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Bei einem Prozent der Bevölkerung treten diese Anfälle wiederholt auf. Bezogen auf den ...
Sozialpädagogin Henrike Staab informiert die elfte Klasse der Berufsfachschule für Pflegeberufe in Hofheim einmal jährlich über das Thema Epilepsie. Jetzt kam sie wieder nach Hofheim.  Foto: Martin Schweiger


Martin schweiger Fünf Prozent aller Menschen weltweit erleiden einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Bei einem Prozent der Bevölkerung treten diese Anfälle wiederholt auf. Bezogen auf den Landkreis Haßberge sind dies rund 850 Menschen. Mehr als ein Drittel der Erkrankten sind Personen jenseits des 60. Lebensjahres, Tendenz mit zunehmender Lebenserwartung steigend.

Um angehenden Altenpflegern und Altenpflegehelfern das Thema nahe zu bringen, unterrichtet Henrike Staab von der Epilepsieberatungsstelle am Juliusspital in Würzburg einmal jährlich an der Caritas-Altenpflegeschule in Hofheim - wie dieser Tage geschehen.

Laut Landesverband Epilepsie Bayern sind in Deutschland derzeit etwa 300 000 Menschen im höheren Lebensalter an einer Epilepsie erkrankt. Allein in Bayern leben rund 40 000 betroffene Senioren. Grundsätzlich kann jeder Mensch zu jeder Zeit in jedem Alter einen epileptischen Anfall bekommen. Epileptische Anfälle sind kurze vorübergehende Funktionsstörungen des Gehirns aufgrund vermehrter synchroner Entladungen, ähnlich denen eines Gewitters. Es gibt zahlreiche Formen, die sehr unterschiedlich aussehen können, von kurzen Bewusstseinspausen (Absencen), sinnlosen Handlungen (Umhergehen), kurzen isolierten Zuckungen bis hin zum bekannten großen Anfall mit Sturz und Bewusstseinsverlust (Grand Mal), der auf den Betrachter sehr dramatisch und erschreckend wirken kann. Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems und eine rein organische Störung. Im Alter über 60 sind epileptische Anfälle die dritthäufigste Ursache einer stationären neurologischen Behandlung im Krankenhaus, nach Demenz und Schlaganfall. Mit Medikamenten werden circa 70 Prozent der Patienten langfristig anfallsfrei. Die Mehrzahl der Betroffenen kann auch im Alter ein normales Leben ohne Einschränkung der Lebensqualität führen.

Bei kaum einer anderen chronischen Erkrankung sind in der Gesellschaft so viele Vorurteile und falsche Vorstellungen in den Köpfen verankert - und, damit verbunden: Diskriminierung sowie Stigmatisierung von Betroffenen. Die häufigsten Ursachen für Epilepsie bei älteren Menschen sind Durchblutungsstörungen des Gehirns, hervorgerufen durch Erkrankungen des Herzens oder Veränderungen der Blutgefäße, die das Gehirn versorgen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder bei Demenz. Epilepsien bei Senioren werden leicht verkannt. Verwirrtheitszustände, Gedächtnislücken, Sprach- oder Empfindungsstörungen, unsinnige Handlungsweisen wie unvermitteltes Schmatzen, Kauen oder Nesteln, verändertes Verhalten, Kopf- oder Muskelschmerzen, Schwindel und Gangunsicherheit werden eher dem Alter zugeordnet und führen nicht zu der entsprechenden Diagnostik. Die Folge ist ein erhöhtes Verletzungsrisiko bei Stürzen im Anfall sowie Hilflosigkeit bei Betroffenen, Angehörigen und Pflegenden. Dabei kann Epilepsie gerade in diesem Lebensabschnitt mit Medikamenten gut behandelt werden.

Neben Schulungen bietet die Epilepsieberatung auch kostenlose Außensprechtage an. Der nächste Termin ist am Dienstag, 30. Juni, von 13 bis 18 Uhr im Ärztehaus 1 neben dem Haßfurter Krankenhaus. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 0931/3931580 oder per E-Mail unter epilepsieberatung @juliusspital.de.

Die Caritas-Altenpflegeschule in Hofheim bildet zurzeit 74 Schüler zur Pflegefachkraft aus. 15 von ihnen befinden sich in der Ausbildung zum Pflegefachhelfer. Durch die Coronakrise fand der Unterricht in der letzten Zeit meist online statt. Seit kurzem können die Auszubildenden wieder die Schule im Blockunterricht besuchen - unter strengen Sicherheitsmaßnahmen, wie dem Mund-Nasen-Schutz und Abstandsregeln.