In der Stadt Bamberg mussten im Dezember 2019 zum Stichtag 391 Personen trotz einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung aufstockende Leistungen vom Jobcenter in Anspruch nehmen, weil ihr Einkommen fürs Leben nicht ausreichte. Im Landkreis waren es 252 Personen. Das geht aus einer DGB-Auswertung der Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Etwa jeder fünfte, im Landkreis jeder vierte, der zusätzliche Leistungen erhielt, hatte einen Vollzeitjob. "Vollzeit zu arbeiten und trotzdem zum Amt zu müssen ist für viele Beschäftigte entwürdigend", erklärt Mathias Eckardt, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Oberfranken. "Der Staat wird dabei als Lückenbüßer für niedrige Löhne missbraucht."

Zunehmend gehen Arbeitgeber dazu über, Arbeitsplätze in Form von atypischer Beschäftigung anzubieten, also in Teilzeit, Minijobs oder Leiharbeit. Dies erhöht für die Arbeitgeber die betriebliche Flexibilität, führt aber dazu, dass noch mehr Beschäftigte nicht von ihrem Einkommen leben können.

Zuwachs bei Teilzeit

So sind zwar in Stadt und Landkreis die Zahlen der Beschäftigten mit 33 943 beziehungsweise 72 232 geringfügig höher gewesen als zum Jahresende 2018. Allerdings ist dieser Anstieg überwiegend auf einen Zuwachs bei der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen.

Besonders hoch ist die Aufstockungsquote bei Minijobs als Hauptbeschäftigung. Es ist nachgewiesen, dass Minijobs nicht geeignet sind als Brücke in existenzsichernde Vollzeitbeschäftigung, heißt es in der Pressemitteilung des DGB. "Das überholte Minijobmodell muss deswegen beendet werden.", fordert der Gewerkschafter. "Die Bundesregierung muss jetzt alles dafür tun, den Niedriglohnsumpf trocken zu legen. Das heißt, der Mindestlohn muss endlich rauf auf 12 Euro", so Eckardt weiter. red