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Der richtige Sitz entscheidet


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Kronach, Freitag, 16. Dezember 2016

Profi Andreas Dreitz und sein Trainer-Team erklären, was die Geschwindigkeit beim Radfahren ausmacht.


Was macht wirklich schnell auf dem Rennrad? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Vortragsabends des ASC Kronach-Frankenwald. Über 80 Sportbegeisterte lauschten den Ausführungen von Triathlon-Europameister Andreas Dreitz (27) aus Michelau und seinem Team, bestehend aus Jürgen Schulz, Radexperte aus Neuenmarkt, sowie Rainer Skutschik, seinem Trainer aus Bayreuth.
Jürgen Schulz, der unter anderem Triathlon-Olympia-Teilnehmerin Anne Haug und den Olympia- und Hawaii-Sieger Jan Frodeno perfekt auf ihre Räder setzt, sagte: "An drei Punkten kommt jeder Radfahrer mit seinem Rad in Kontakt: Sattel, Pedale und Lenker. Hier treten oft Probleme auf, wenn das Rad zu groß oder zu klein ist oder andere Maße nicht perfekt abgestimmt sind."


Die perfekte Sitzposition

Schulz referierte auch über Formeln, die zur Einstellung der Sattelhöhe hergenommen werden, betonte allerdings, dass er den Fahrer sehen und spüren müsse, wie seine Proportionen und seine Beweglichkeit sind. Von Computerauswertungen hält es nicht allzu viel. "Nur mit der perfekten Sitzposition gelingt es, die gesamte Kraft in Vortrieb umzusetzen und dies lange ohne körperliche Schmerzen durchzuhalten." Schmerzen der Bein-Muskulatur seien hier durchaus zulässig.
Jürgen Schulz stellte fest, dass viele Sportler viel Geld in das richtige Gewicht ihres Rades investieren, obwohl es für die Geschwindigkeit selten etwas bringt. Entscheidend für die Geschwindigkeit sei vielmehr die Aerodynamik. "Es ist nicht das Rad an sich, das dem Wind am meisten Widerstand entgegenbringt; es ist der Fahrer selber, und hier wieder seine Position."


Thema Luftwiderstand

Nicht jeder könne so fahren wie Triathlon-Profi Andreas Dreitz, wenn er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 48 km/h über die 90 Kilometer der Mitteldistanz jagt. Und je schneller der Radler unterwegs sei, desto mehr nehme der Luftwiderstand zu.
Rainer Skutschik nahm Trainingsmethoden und Trainingsbereiche unter die Lupe. Er sprach sich gegen leistungsdiagnostische Tests der "alten Art" aus; diese seien teuer, brächten aber oft nicht das gewünschte Ergebnis. Dabei werde über kontinuierliche Steigerung der Leistung auf einem Radergometer Blut abgenommen und der jeweilige Laktatwert ermittelt. Ergebnisse dieser Tests seien verschiedene Pulsbereiche, in denen gefahren werden soll.
"Wenn man weiß, dass bei gleicher Leistung der Puls je nach Temperatur um bis zu 15 Schläge differiert, so kann man sich vorstellen, dass dies nicht gerade optimal für eine perfekte Trainingssteuerung ist", sagte Skutschik, der acht verschiedene Bereiche unterscheidet. Er sprach sich für Tests unter realen Bedingungen aus. "Hier braucht der Radfahrer eine Aufzeichnungsmöglichkeit für seine Leistung. Wattmesskurbeln bieten hier eine optimale Voraussetzungen." Die Leistung werde hier direkt und ohne jegliche Verzögerung angezeigt und für Auswertungen aufgezeichnet.
Diese Kurbeln würden von Radprofis schon seit langem eingesetzt und seien mittlerweile nicht mehr so teuer. Mit ihrer Hilfe könne jeder seine individuelle Trainingsbereiche ermitteln. Ziel durch ein "gesteuertes" Training sei es, die Leistung, die man über eine bestimmte Zeit fahren kann, anzuheben. "Wenn man es schafft, am Anfang der Saison über eine Stunde im Schnitt 200 Watt zu fahren, dann kann es ein Ziel sein, diese Leistung auf 220 Watt anzuheben, um somit schneller zu fahren."


Die Leistung messen

Die Frage, was wirklich schnell auf dem Rad macht, beantwortete Skutschik mit zwei Aussagen: 1. Die optimale Position auf dem Rad ist ausschlaggebend, um das Maximum an Kraft auf das Pedal zu bekommen und dem Luftwiderstand möglichst eine geringe Angriffsfläche zu bieten. 2. Durch das Messen der Leistung auf dem Rad ist es möglich, über bestimmte Trainingseinheiten die eigene Leistung zu steigern.
Andreas Dreitz stand auch noch für eine Fragerunde zur Verfügung und versteigerte Radbekleidung für einen guten Zweck. tg