Am Wochenende besuchte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Rahmen des Wahlkampfs Bad Kissingen. Am Stadtstrand hatten vorab angemeldete Besucher die Möglichkeit, den Politiker auf verschiedene Themen anzusprechen. Außerdem stellte sich Jens Spahn den Fragen der Saale-Zeitung. Die Redaktion hatte im Vorfeld Kontakt zu Medizinern aus dem Landkreis Bad Kissingen aufgenommen und diese um Zusendung ihrer persönlichen Anliegen gebeten. Vor Ort antwortete er jedoch nur auf eine der Fragen. Ursache hierfür war laut dem Minister Zeitnot - und das, obwohl vorher ein Zeitfenster dafür arrangiert war. Als Folge kamen die übrigen Antworten per E-Mail.

Eine Frage hatte Dr. med. Christian Staab. Er führt mit seinen Kollegen das Bad Bockleter Gesundheitszentrum am Kleinfeldlein. Während der Pandemie wurde daraus eine Corona-Schwerpunktpraxis.

Er wollte wissen: "Warum durften die Hausärzte nicht von Beginn an impfen?" Vom Gesundheitsminister kam die Antwort in schriftlicher Form: "In der ersten Phase der Impfkampagne waren die Liefermengen zunächst noch nicht so hoch, dass wir damit jede Hausarztpraxis in ausreichender Menge beliefern konnten." Außerdem verwies der Minister auf besondere Anforderungen von Transport und Lagerung mancher Impfstoffe.

Flexible Reaktion der Politik

Aus dem Thorax-Zentrum in Münnerstadt trug Dr. med. Bernd Seese, der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Pneumologie, gleich mehrere Fragen an die Redaktion heran. Ein Thema, das den Arzt umtreibt, ist die Untergrenze beim Pflegepersonal, die zum Wegfall von Betten in Kliniken geführt hat. Als Folge hätten sich die Versorgungsressourcen im Krankenhaus verknappt. "Welches Ziel verfolgen Sie damit?"

Auch hier kam die Antwort per Mail: "Pflegepersonaluntergrenzen sind vor allem ein Schutz für Patientinnen und Patienten, aber auch für unsere Pflegekräfte." Eine angemessene Personalausstattung in der Pflege im Krankenhaus sei für die Sicherheit und Qualität der Patientenversorgung und die Arbeitssituation der Beschäftigten unabdingbar.

Der Minister weiter: "Die Arbeit hat sich für viele Beschäftigte in der Krankenpflege in den vergangenen Jahren sehr verdichtet. Wir sind es unseren Pflegekräften schuldig, dass sie genügend Kolleginnen und Kollegen an der Seite haben, um die Patienten optimal versorgen können. Das dient auch der Patientensicherheit."

In der Pandemie habe man flexibel reagieren müssen. Die Untergrenze sei deshalb kurzfristig ausgesetzt worden - diese Option sei im Gesetz vorgesehen gewesen. "Inzwischen hat sich die Zahl der coronabedingten Krankenhauseinweisungen wieder erheblich reduziert. Seit dem 1. Februar 2021 gilt die Verordnung wieder für alle pflegesensitiven Bereiche im Krankenhaus.

Informationen wollte der Mediziner zu Fort- und Weiterbildungen von Ärzten. Über die Fallpauschalen würden diese nur unzureichend berücksichtigt, respektive vergütet. "Die Folge wird eine schlechtere Qualifizierung von Ärzten sein", mahnte Seese an. "Was schlagen Sie vor, damit Sie als Ruheständler noch von qualifizierten Ärzten versorgt werden?"

Vor Ort verwies der Minister auf die Eigenverantwortung der Kliniken. Schriftlich fügte er an, dass sich die Fallpauschalen an den Ist-Kosten orientieren. Folglich fände die ärztliche Weiterbildung dabei Berücksichtigung. "Darüber hinaus haben Deutsche Krankenhausgesellschaft und Kassen die Möglichkeit, Zu- oder Abschläge für die Weiterbildung zu vereinbaren."