Anhaltenden Applaus gab es vom Publikum zum Ende des Kinofilms "Die Unbeugsamen", der eine unerwartet hohe Zahl an Besucher*Innen in den Universum Kinopalast gelockt hatte - und alle waren beeindruckt von diesem deutschen Dokumentarfilm. "Die Unbeugsamen" macht klar, wer in den Anfängen der Bundesrepublik Deutschland - und nicht nur in dieser Zeit - das Sagen hatte.

"Der Film passt gut in unsere aktuelle Zeit und zeigt, dass es mutiger Frauen bedurfte und immer noch bedarf, um uns Rechte zu erkämpfen, die heute für uns selbstverständlich sind", sagte Karin Reinshagen, die stellvertretende Vorsitzende des Bad Kissinger Frauenrings bei ihrer Begrüßung im Kinosaal. Der Dokumentarfilm von Regisseur Torsten Körner war auf Initiative des Bad Kissinger Frauenvereins in den Universum Kinopalast geholt worden.

Es bedarf einer kleinen Zeitreise in die Sechzigerjahre, um sich klar darüber zu werden, was etwa in der Werbung der Sechzigerjahre als die "zwei Lebensfragen" einer Frau beschrieben wurde: Was soll ich anziehen? Was soll ich kochen? Herta Däubler-Gmelin erzählt, in ihrem Jurastudium seien weniger als zehn Prozent Frauen gewesen, ganz selbstverständlich habe der Professor die Studentenschaft mit "Meine Herren" begrüßt, auch wenn sie selbst in der ersten Reihe saß.

Historische Archivaufnahmen

Körner widmete seinen Film den zahlreichen weiblichen Polit-Pionierinnen der Bonner Republik und lässt diese in historischen Archivaufnahmen und in aktuellen Interviews, die an ihren alten Wirkungsstätten geführt wurden, zu Wort kommen. Körner verzichtet in seinem Film auf Kommentare, sondern lässt beeindruckende Archivfunde für sich sprechen.

So konnten die Kino-Besucher*Innen die Rede von Hildegard Hamm-Brücher von der FDP verfolgen, die 1982 angesichts des Misstrauensvotums zum Sturz von Helmut Schmidt gegen ihre eigene Parteiführung rebellierte und sich für Neuwahlen aussprach. Ebenso zeigt Körner den Vortrag der Grünen-Politikerin Waltraud Schoppe aus dem Jahr 1983, die sich anlässlich der Diskussion um den umstrittenen Abtreibungsparagrafen 218 für das Selbstbestimmungsrecht der Frau und Strafe bei Vergewaltigung in der Ehe stark machte. Noch während ihrer sachlichen Rede wurde Schoppe im Plenum von den männlichen Kollegen ausgelacht und als Hexe verhöhnt - beschämende Zeugnisse angesichts kluger, schlagfertiger Argumente, teilt der Frauenring mit.

Die FDP-Politikerin Helga Schuchardt lachte nicht, als sie erzählte, wie die CSU-Fraktion Wetten darüber abgeschlossen habe, ob sie einen BH trage oder nicht. Und ihre Parteikollegin Carola von Braun-Stützer berichtet, sie habe oft "Baggern abwehren" müssen, aber immer so, dass man den Betreffenden "nicht als Mann" beleidige. Erschreckend zu sehen, dass nach so vielen Jahren Emanzipationsgeschichte bestimmte Themen immer wiederkehren - so wurde eine Art "Me Too"-Diskussion schon vor Jahrzehnten geführt, teilt der Frauenring mit.

Zahlreiche prominente Politikerinnen verschiedener Parteien hat Körner für seinen Film gewinnen können, neben Renate Schmidt (SPD) die ehemalige SPD-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, die ehemalige Familienministerin und Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU), die Finanzexpertin Ingrid Matthäus-Maier (FDP, später SPD), Ursula Männle (CSU) und Christa Nickels (Die Grünen).

Aus ihren Stimmen und historischen Aufnahmen aus dem Bundestag, Fernsehsendungen und Interviews setzt der Regisseur ein Panorama der deutschen Nachkriegspolitik zusammen und fragt: Welchen Einfluss hatten Politikerinnen darin?

"Die Unbeugsamen" zeigt all diese beeindruckend souveränen Politikerinnen in alten Ausschnitten. Der Dokumentarfilm macht deutlich, dass es zu allen Zeiten mutige Frauen gab, die für ihre Meinung einstanden und verändert auch die Perspektive auf historische Debatten und Ereignisse, die bis dahin stark männlich geprägt sind, so der Frauenring. red