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Das Höfesterben geht weiter


Autor: Redaktion

Rentweinsdorf, Montag, 03. Februar 2020

Robert Bohla aus Obermerzbach sprach beim Männerabend zu dem Thema "Ist die Landwirtschaft durch Klimawandel und Politik am Abgrund?". Im voll besetzten CVJM-Haus in Rentweinsdorf fand die Veranstaltu...


Robert Bohla aus Obermerzbach sprach beim Männerabend zu dem Thema "Ist die Landwirtschaft durch Klimawandel und Politik am Abgrund?". Im voll besetzten CVJM-Haus in Rentweinsdorf fand die Veranstaltung statt. Bohla ist Geschäftsführer bei der landwirtschaftlichen Beratungsorganisation e.V.

Der Referent führte aus, dass sich die Durchschnittstemperatur um zwei Grad erhöht habe und dass es beim Wetter immer mehr Extreme gebe, vor allem mehr Hitzetage und mehr Trockenheit im Frühjahr. Dadurch veränderten sich die Ernteerträge. Anhand von Tabellen zeigte er auf, wie viel Wasserbedarf die Pflanzen zum Wachstum in der Hauptvegetationszeit benötigen. Auch zeigte er auf, dass die Landwirte etwa bei der Gülleausbringung immens investieren müssten, da die Gülle aufgrund der neuen Gesetzeslage direkt auf den Boden aufgebracht werden müsse. Viele Landwirte könnten sich das nicht leisten und gäben daher auf.

Weiteres Problemfeld

Bohla wies auch auf neue Verordnungen hin, die die Ferkelkastration betreffen. Er erklärte, dass sich die Ferkelverluste seit Jahren auf einem konstanten Niveau von etwa 15 Prozent bewegten. Da die Kastration von männlichen Ferkeln in den ersten Lebenstagen vorgenommen werden müsse, um das Tier vor stinkendem Fleisch zu bewahren, werde gefordert, dass der Eingriff nur noch unter Betäubung stattfinden darf. Dies erhöhe aber die Ferkelverluste und die Kosten der Ferkelaufzucht.

In dem Zusammenhang stellte Bohla fest, dass das Höfesterben weiter voranschreite. Dass die Bauern nun auf die Straße gehen, sei nicht verwerflich.

Der Referent sprach Rückstände in den Lebensmitteln an sowie die Belastung der Gewässer. So führte er aus, dass 2018 das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit insgesamt 2463 pflanzliche Lebensmittel untersucht habe. Dabei wurde nach seinen Angaben festgestellt, dass in 44 Prozent keine bestimmbaren Rückstände von Pflanzenschutzmitteln festgestellt wurden. Festgestellt wurde laut Bohla, dass in nur drei Prozent der Proben Rückstände oberhalb des jeweiligen Höchstgehalts gefunden wurden; ein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher sei aber ausgeschlossen worden.

Pflanzenschutz

Zum Gewässerschutz sagte er, dass die Belastung der Gewässer geringer werde. Anhand von Tabellen machte er deutlich, dass die Funde von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen in oberflächennahen Grundwassermessstellen sich in den Jahren von 1990 bis 2016 von 28,3 auf 18,8 Prozent verringert hätten.

Bohla führte aus, dass eine Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ergeben habe, viele Verbraucher gingen davon aus, dass in Lebensmitteln keine Rückstände von Pflanzenschutzmittel enthalten sein dürften, da Rückstände als gesundheitliches Risiko angesehen werden. Dem BfR lägen aber keine Meldungen vor, dass es durch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen gekommen sei.

Umstrittenes Glyphosat

Robert Bohla ging auch auf die Diskussionen zum Thema Glyphosat ein. Er beschrieb eine Feststellung des BfR, dass nach Prüfung aller bislang vorliegenden Studien, Dokumente und Veröffentlichungen bei richtiger Anwendung von Glyphosat kein krebserzeugendes Risiko für den Menschen zu erwarten ist. red