Nach knapp 30 Jahren wurde das Gasthaus und frühere Tanzlokal "Zum gemütlichen Eckerl" in Thundorf nun endgültig geschlossen. Die Wirtsleute sind im Seniorenheim und auch im entsprechenden Alter, Gustav Braun ist 92 Jahre und Helmi 81 Jahre alt. Beide sind gesundheitlich nicht mehr belastbar.

Es war Mitte Juni 1963. als der damalige Junggeselle Gustav Braun dem Drängen seiner Thundorfer Kumpels nachgab und an der alten Weichtunger Straße (heute An der Lache) eine Kneipe eröffnete, das "Gemütliche Eckerl". Am 17. Juni 1963 begann die fast sechzigjährige Geschichte dieser Dorfwirtschaft. Die erste Spezialität waren Hähnchen vom Grill, die damals ein Renner waren und wöchentlich von einer Firma aus Nürnberg geliefert wurden. Das Bier kam von der Brauerei Hagenmeyer beziehungsweise deren Nachfolgebrauerei, dem Brauhaus Schweinfurt.

Der Hit waren die Bratwürste

An die Gaststube grenzt ein wunderschöner und weitläufiger Garten an, der damals im Sommer für Gartenfeste genutzt wurde. Noch heute erinnert sich Gustav, der am 22. April 2022 93 Jahre alt wird, an diese Zeit zurück. Josef Braun war damals der Grillmeister "Der hat die Bratwürste alle noch mit der Hand gedreht und war ein Meister seines Fachs."

Aber es lief am Anfang nicht alles glatt, Gustav war ja kein gelernter Wirt. Bei der Eröffnung sorgte eine Episode für Schmunzeln. Drei Freunde spielten am Nachmittag bei Sonnenschein im Garten Fußball. Anschließend hatten sie großen Durst und bestellten sich im Lokal jeder einen "Kalten Kaffee" oder auch "Spezi" genannt: Gustav wusste aber damit nichts anzufangen. Kurzerhand kochte er Kaffee, stellte ihn in den Kühlschrank, um anschließend "Kalten Kaffee" zu servieren.

In der Anfangszeit halfen Freunde und Verwandte tatkräftig mit, bis Gustav drei Jahre später seine Helmi aus Münnerstadt heiratete. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Regina, Peter und Rudolf. Sie haben inzwischen alle drei außerhalb Thundorfs ihre eigenen Familien gegründet.

Geburt am Kehraus

1967 wurde am Gasthaus ein Tanzsaal angebaut und 1970 das Wohnhaus aufgestockt. Dies war die Zeit, in der das "Gemütliche Eckerl" seine Glanzzeit erlebte. Zwei Jahre lang gab es an den Wochenenden gut besuchte Tanzveranstaltungen mit namhaften Kapellen. An Fasching 1969 war zum Beispiel an vier Tagen "Faschingstrubel", und am Aschermittwoch, da kam zum Kehraus der Stammhalter Peter zur Welt, erinnert sich Gustav an das unvergessliche Erlebnis.

Bis heute noch hört man immer wieder Leute in Erinnerungen an diese Zeit schwelgen. Später, als die Tanzveranstaltungen nachließen, konzentrierten sich die Wirtsleute auf Privat- und Vereinsfeiern, für die der geräumige Saal gerne genutzt wurde. Selbst Busse und Kaffeefahrten machten im "Gemütlichen Eckerl" halt. Neben dem Betrieb der Gastwirtschaft engagierten sich Gustav und Helmi auch in den Thundorfer Vereinen und Verbänden. Sie war jahrelang Vorsitzende der Landfrauen und für den Kirchenschmuck zuständig, Er war zeitlebens ein richtiger Vereinsmeier, fast in allen Vereinen dabei, ganz besonders war er ein treuer Kolpingssohn und CSU-Parteifreund.

Zuletzt nur noch Stammgäste

In den letzten Jahren kamen nur noch sporadisch einige Stammgäste am Sonntagabend, und die Kneipe war nur noch Hobby. Keines der drei Kinder möchte in die Fußstapfen der Eltern treten und die Gaststätte übernehmen, haben alle drei doch selbst ihre Häuser.

Jetzt soll das "Gemütliche Eckerl" angeblich verkauft werden. Ein Trupp des Arbeitskreises "Rumänienhilfe" der Kolpingsfamlie Stadtlauringen war auch schon aktiv und räumte das Anwesen auf Wunsch der Eheleute Braun aus. Das Inventar bringt die Kolpingsfamilie dann nach Rumänien mit dem Dank an den jahrzehntelangen Förderer der Rumänienhilfe.